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10.02.2010

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Spur der Bären

Berlin lag in Trümmern, als der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter am 6. Juni 1951 die erste Berlinale im Steglitzer Titania-Palast mit dem Film „Rebecca“ von Alfred Hitchcock eröffnete. Der Star des Films, die Schauspielerin Joan Fontaine, war der gefeierte Gast des Festivals. „Ganz Steglitz drehte durch, die Polizei hatte mehrere Straßenzüge absperren müssen“, schrieb der „Telegraf“.

Was für eine willkommene Abwechslung für die Berliner, die häufig nur in provisorisch eingerichteten Wohnungen oder in Flüchtlingslagern wie in Marienfelde lebten. Die Blockade steckte allen noch in den Knochen, gute Laune musste her, die Moral gehoben werden. Der amerikanische Film-Offizier Oscar Martay initiierte daher mit britischen Kollegen die Berlinale, die natürlich vor allem ein politisches Zeichen setzen und als „Schaufenster der freien Welt“ dienen sollte. Das Festival wollte die Isolation der Stadt überwinden, Weltoffenheit und Internationalität in die Frontstadt bringen. Die Berliner waren begeistert, von Anfang an waren die Filmfestspiele ein Volksfest – darauf hatte ihr erster Chef Alfred Bauer stets großen Wert gelegt – und sie sind es bis heute geblieben. Ganz im Gegensatz zu den Festivals in Cannes und Venedig, wo die Einheimischen kaum eine Chance haben, Eintrittskarten zu ergattern.

Nach dem gelungenen Einstand wechselte die Berlinale ins Zentrum Westberlins, auf den Kurfürstendamm, wo die Stars im Cabrio vorfuhren, schließlich fand das Fest bis 1978 im Sommer statt. Hollywood schickt 1953 Gary Cooper, um „High Noon“ (Zwölf Uhr Mittags) vorzustellen, vom Aufstand im anderen Teil der Stadt ist kaum etwas zu merken. Leidenschaftlich pilgerten die Berliner auch in die Waldbühne, einem wichtigen Spielort jener Zeit. Hier gab Eddie Constantine dem Publikum ein hinreißendes Ständchen. An Glanz und Glamour fehlte es nicht, die amerikanische Propagandamaschine lief. Der rote Teppich allerdings wurde erst Ende der fünfziger Jahre ausgerollt. Stars wie James Stewart, Cary Grant und O. W. Fischer mussten zunächst noch aus dem Hotel „Kempinski“ den Fans zuwinken.

Bis August 1961 gehörte das Weddinger Kino Corso zum Berlinale-Betrieb. Dort konnten Ost-Berliner Eintrittskarten zum Kurs von 1:1 erwerben, eine Gelegenheit, die sehr viel wahrgenommen wurde. Berlinale-Chef Bauer ließ jedes Jahr an der Sektorengrenze Plakate aufstellen, um gerade Ost-Berliner zu locken. Einer von ihnen war Michael Gwisdek, der mit seiner 8-Millimeter-Kamera nach Westberlin fuhr, den Starrummel filmte und sich sagte: Das will ich auch. 1999 sollte sich dieser Wunsch erfüllen, als er für seine Rolle in Andreas Dresens „Nachtgestalten“ einen Silbernen Bären gewann. Zuvor hatten Schauspieler aus dem Osten kaum Gelegenheit, ihr Talent zu präsentieren.

Mehr als ein Jahrzehnt später, 1975 nahmen alle sozialistischen Staaten an der Berlinale teil, die Defa zeigte Frank Beyers „Jacob der Lügner“ im Wettbewerb. 1980 lud man Konrad Wolfs „Solo Sunny“ ein und Titelheldin Renate Krößner gewann den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin. „Ich weiß noch, wie wir mit dem Auto in Schlangenlinien den Checkpoint Charlie in Richtung Westberlin passierten. Ich konnte es kaum fassen“, erzählt sie. Doch das Glück währte nicht. In der DDR bekam sie nach „Solo Sunny“ keine Arbeit mehr. Viereinhalb Jahre nach dem Triumph reiste sie aus.

Die Mauer wurde in den 80ern immer durchlässiger. Die Schauspielerin Katrin Saß fuhr 1982 per S-Bahn und mit weichen Knien zum Zoopalast. 26 Jahre alt und unerfahren, nahm sie von Michel Piccoli den Silbernen Bären für ihre Rolle in „Bürgschaft für ein Jahr“ entgegen. „Ich hielt die Urkunde verkehrt herum, ich wusste nicht mehr, wo ich war. Und dann bin ich in Tränen ausgebrochen“, erinnert sie sich.

1990, wenige Wochen nach dem Mauerfall, fand das Festival in beiden Teilen Berlins statt. Die Hollywood-Stars Julia Roberts und Sally Field tanzten auf der Mauer, Armin Mueller-Stahl wurde von seinen ehemaligen Landsleuten jubelnd empfangen. Mit dem Umzug an den Potsdamer Platz im Jahr 2000 lässt die Berlinale Westberlin hinter sich. Eines ist allerdings geblieben: Immer noch stehen die Fans mit ihren Autogrammblöcken zur Begrüßung der Stars bereit. Wie schon 1951. Nur frieren sie jetzt. (Von Claudia Palma)


Alles über das Jubiläum zum Lesen und Anschauen

Folgende Bücher erscheinen zum 60. Geburtstag:

Die 60. Berlinale beginnt am 11. Februar. Karten gibt es ab dem 8. Februar unter www.berlinale.de. capa



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