Vince Ebert ist Bestsellerautor und macht Wissenschafts- Kabarett. Am Mittwoch, 10. Februar, tritt er um 20 Uhr im Kulturzentrum in Rathenow auf. Das Interview führte Ralf Stork.
MAZ: Sie werben für sich selbst mit dem Titel „Der lustigste Physiker Deutschlands“. Das klingt ein bisschen nach dem höchsten Berg von Holland – nicht eben beeindruckend...
Vince Ebert: (lacht) Stimmt schon, Physiker haben ein eher dröges Image, tragen ausgebeulte Cordhosen und so. Mit diesem Klischee will ich gerne brechen. Es gibt in den Naturwissenschaften eine durchaus sinnliche Art zu denken, spannende Fragen zu stellen. Das versuche ich meinem Publikum zu vermitteln.
Sind Sie also trotz oder wegen Ihrer naturwissenschaftlichen Ausbildung Kabarettist geworden?
Ebert: Auch Physiker haben Sinn für Humor. Auf vielen Labortüren findet sich zum Beispiel die Warnung „Bitte nicht mit dem verbliebenen Auge in den Laser gucken“. Das finde ich lustig. Für mich selbst hat sich aber eher die Frage gestellt, ob ich mich im kleinen Labor immer weiter spezialisieren wollte, bis am Ende vielleicht nur noch 30 Leute auf der Welt verstanden hätten, woran ich forsche. Oder ob ich mich mehr auf die großen Zusammenhänge der Welt konzentriere. Das habe ich schließlich getan, und das versuche ich auch meinem Publikum zu vermitteln.
Was ist das besonders Naturwissenschaftliche an Ihrem Programm?
Ebert: Ich versuche den Leuten wissenschaftliches Denken nahe zu bringen: Wenn ich zum Beispiel vermute „Im Kühlschrank könnte noch Bier sein“ und ich gucke nach, dann betreibe ich im Prinzip schon eine Vorform von Wissenschaft. Großer Unterschied zur Theologie. Da werden Vermutungen in der Regel nicht überprüft. Wenn ich also nur behaupte „Im Kühlschrank ist Bier“, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker.
Sind Sie ein Aufklärer?
Ebert: Das kann man so sagen. Gerade wenn es um Statistiken und Wahrscheinlichkeiten geht, tappen die Menschen gerne in Denkfallen. Von Friedrich Hebbel stammt der Satz: „Der Mensch lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihm nützt.“ Und so verhalten sich die Menschen dann auch. Der Lottospieler sagt: Die Chancen auf den Hauptgewinn beträgt 1:140 Millionen – es könnte mich treffen! Der Raucher dagegen sagt: Die Chancen auf Lungenkrebs beträgt 1:1000 – warum sollte es ausgerechnet mich treffen? In solchem unlogischen Verhalten steckt eine Menge komisches Potenzial. Das versuche ich herauszuarbeiten und dem Publikum dabei ein paar Denkanstöße mitzugeben.
Ihr aktuelles Programm heißt „Denken lohnt sich“. Kommt die Botschaft beim Publikum an, oder beharren die Leute trotzdem lieber auf ihrer bequemen Unlogik?
Ebert: Denken ist ja nicht gleich Denken. Ein Astronom und ein Astrologe denken wahrscheinlich gleich viel und kommen trotzdem zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Es geht darum, dass man auch die bequemen Wahrheiten mal hinterfragt. Wenn das Publikum ein paar Aha-Erlebnisse hat und nach der Vorstellung etwas nachdenklich nach Hause geht, habe ich mein Ziel erreicht.
Zum Abschluss – einen klassischen Physikerwitz bitte!
Ebert: Ok. Sagt die Magnetin zum Magneten: Ich weiß gar nicht, was ich heute Abend anziehen soll.