Suche der Märkischen Allgemeinen:

Suchbegriff eingeben und abschicken
Auswahl der Suchkategorie

Wetter in Brandenburg:

15ºC
Symbol: aktuelles Wetter in Brandenburg
www.usedom.de

Metamenu:


Sie befinden sich hier:

  1. » Märkische Allgemeine
  2. » Nachrichten
  3. » Kultur
  4. » Kultur aus der MAZ
06.02.2010

Beitragsfunktionen:

KONZERT: Im Wohnzimmer des Filmorchesters

Selig-Rock in Babelsberger Studio

POTSDAM - Peter Radszuhn war gar nicht so locker, wie man ihn sonst kennt. Den Zeigefinger der linken Hand erhoben, stand der Musikchef von Radio Eins im Studio des Filmorchesters Babelsberg und lauschte, wie aus einer kleinen Box die Nachrichten seines Senders plärrten. Mit ihm fieberten 60 Zuschauer dem Beginn eines ganz besonderen Auftritts entgegen. Erstmals öffnete das Filmorchester am Donnerstag sein Wohnzimmer für ein Crossover-Konzert. Zu Gast: Die Rockband Selig. Vor dem Einlass hatte Radszuhn die Gewinner der Freikarten über die Spielregeln des Abends informiert: „Keine Getränke im Saal, keine Stullen von Mutti.“ Auch die Handys solle man bitte ausschalten. Damit nichts die exzellente Akustik des Studios beeinträchtige. „Das sind heilige Hallen“, so Radszuhn.

Entsprechend zögerlich betraten die Besucher den Raum, staunten über die hohe Decken und die Vielzahl von Mikrofonen zwischen den leeren Stühlen der Orchester-Musiker. Sphärische Musik verstärkte die sakrale Atmosphäre der Klangkathedrale.

Als Selig nach den Nachrichten endlich loslegten – zunächst ohne Orchester –, war die Akustik wenig berauschend. Vor allem der Schlagzeuger, versteckt hinter Plexiglas, klang arg dumpf. Aber das gehe nun einmal nicht anders, erklärt Radszuhn später. Da das Konzert live übertragen werde, müsse man beim Sound vor Ort Abstriche machen. In der Studio-Regie, einem schallisolierten Raum auf der linken Seite des Studios, sei der Klang „soooo“ gewesen, schwärmte Radszuhn und breitete dazu die Arme aus.

Nach einer halben Stunde traten dann auch die Musiker des Filmorchesters hinter ihre Notenpulte, um zusammen mit Selig fünf gemeinsam arrangierte Stücke zu spielen. Und jetzt entfaltete der Raum auch für die Ohren der Anwesenden seine brillante Akustik. Man spürte, dass dieses Studio 1932 extra für das Filmorchester gebaut worden war. Unzählige Ufa- und Defa-Filme sind hier vertont worden. Und noch immer sind die Babelsberger gefragte Partner der Kinobranche, spielten zuletzt den „Wickie“-Soundtrack ein. Zwischenzeitlich war das Orchester im Berliner Exil, bis es vor zwei Jahren nach Babelsberg zurückkehrte. Publikum erhält hier nur selten Einlass. „Für den Krach, den wir machen, brauchen wir nämlich Ruhe“, so Intendant Klaus-Peter Beyer.

Aber für Radszuhns Vorhaben eines Crossover-Konzerts im Orchester-Studio konnte sich Beyer schnell begeistern. Er hofft, dass solche Auftritte etwas mehr Leben in die Medienstadt bringen. „Die klappen doch um fünf die Bürgersteige hoch.“ Dabei balle sich hier so viel kreatives Potential.

Wenn es nach Beyer und Radszuhn geht, war das Selig-Konzert der Auftakt zu einer ganzen Crossover-Reihe. Eigentlich stehe er solchen Konzerten durchaus skeptisch gegenüber, gestand Radszuhn. „Häufig dürfen die Streicher ja lediglich die Keyboad-Stimme der Band verstärken.“ Aber die Arrangements an diesem Abend seien sehr geschmackvoll gewesen. „Das war ein echtes Miteinander von Band und Orchester.“

Auch Selig-Frontmann Jan Plewka war hinterher zufrieden. Obwohl er während des Auftritts sehr nervös war, wie er zugab, weil das Konzert live übertragen wurde. Da könne man sich keine Fehler leisten. Schon gar nicht im Zusammenspiel mit einem ganzen Orchester. Ungewohnt sei auch gewesen, dass die Band sehr leise spielen musste. „Besonders unserem Mann am Mischpult fiel das schwer“, so Plewka. Der arbeite nämlich sonst für Rammstein. (Von Jörg Giese)


Ihre Meinung ist gefragt!

Ein Service von
Einkaufen in Berlin, Potsdam und Brandenburg - mit kaufDA.de

Kulturportal Brandenburg

Hat Matthias Platzeck mit seiner Kritik am "Anschluss" der DDR Recht?

Abstimmung


Stimme abschicken
» Zum Ergebnis
» Alle Abstimmungen