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08.02.2010

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GASTRONOMIE: Prüfung in vier Gängen

Ausklang der Lehrlingswoche in Belziger „Springbachmühle“ mit Menü

BELZIG - Sie waren zu neunt, die Protagonisten des Abends, wie der Seniorchef der Belziger „Springbachmühle“, Gustav Muschert, sie nannte, die Lehrlinge seines Hotels und Restaurants. Die ganze vergangene Woche über konnten sie die besondere Speisekarte des idyllisch gelegenen Hauses gestalten und den Gästen anbieten.

Die „Woche des Lehrlings“ hat hier Tradition. „Wir wollen nicht nur zeigen, was unsere Auszubildenden können, wir wollen die Lehrlinge fordern und fördern“, erklärte Chefkoch und Ausbilder Hans-Joachim Kalkofen.

Ein großes Dinner am Samstag war der krönende Abschluss, geladen waren die Familien der Azubis und Geschäftsfreunde des Hauses.

Aufregung herrschte schon die ganze Woche über. „Gut 250 Gläser mussten poliert werden“, berichtete Sandra Gebhardt, die in diesem Jahr die Ausbildung zur Hotelfachfrau abschließen wird.

„Wir bieten allen Absolventen einen Arbeitsplatz an“, berichtete Katharina Muschert. Sie gehört zur zweiten Generation des Familienbetriebes und ist die Ausbilderin der Hotelfachleute. Allerdings wechseln die meisten der jungen Menschen nach kurzer Zeit ins Ausland oder an andere Häuser in Deutschland.

Jennifer Seise will nach der Ausbildung das Fachabitur machen und danach Hotelmanagement studieren. „Als ich hier die Ausbildung begann, war ich eher schüchtern“, erinnert sich die junge Frau. Davon ist überhaupt nichts mehr zu spüren. Selbstbewusst erklärt sie die Weine und kredenzt sie vollendet. Die Ziele des 20-jährigen Benedikt Schulz liegen in der nahen Zukunft. „Der Beruf macht mir viel Spaß, ich habe schon an dem „Citti-Pokal“ für Servicekräfte teilgenommen, jetzt ist es mein Ziel, mich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren“, sagt Benedikt.

Er und seine vier Kolleginnen waren unter anderem für die Tischdekoration zuständig, farblich abgestimmte Arrangements aus Zapfen, Zweigkörben und Farnen, die mit der Tischdecke und den Servietten harmonierten.

Innerhalb weniger Augenblicke wurden von ihnen die von den kochenden Kollegen zubereiteten Speisen serviert. Die jungen Köche ließen es sich dann nicht nehmen, den Gästen die von ihnen geschaffenen kleinen Kunstwerke zu erläutern.

Max Berlin und Marcus Hensel verantworteten die Vorspeisen. Die Suppe wurde von Max Leine abgeschmeckt. Der Abiturient will Koch werden, er steht gerade mitten im Abistress. Trotzdem hat er, statt zu büffeln oder, wie seine Schulfreunde zum Skilaufen aufzubrechen, die Ferien über ein Praktikum in der „Springbachmühle“ absolviert. Max wohnt in Berlin-Hohenschönhausen, von Freunden der Familie hat er von dem Belziger Restaurant erfahren und sich um den Ausbildungsplatz beworben, und das gegen den Rat seiner Mutter.

Maja Leise-Grzybon hat den Berufswunsch inzwischen akzeptiert. „Mein Mann ist ebenfalls Koch und ich weiß, was es bedeutet, keine freien Wochenenden und immer Schichtdienst zu haben, das wollte ich ihm ersparen“, sagt sie und ist jetzt gemeinsam mit dem Sohn auf Wohnungssuche in Belzig.

Max wird im August beginnen, dann wird Jens Hildebrandt voraussichtlich als Jungkoch die Ausbildung abgeschlossen haben, vielleicht sogar als Weltmeister. Jens gehört zur Kochmannschaft des Oberstufenzentrums „Alfred- Flakowski“ in Brandenburg an der Havel. Lehrer Michael Hummel hat aus den besten Schülern der Schule eine Kochmannschaft gebildet. „Vor zwei Jahren waren wir Deutscher Meister, auch damals war ein Lehrling aus Belzig dabei“, berichtet er.

Die Mitglieder des Teams müssen nicht nur mit Kochkünsten, sondern auch mit den Schulleistungen überzeugen. Bevor Jens in acht Wochen zum ersten Flug seines Lebens gleich bis nach Singapur aufbricht, wird er gemeinsam mit Max Berlin bei einem Wettbewerb auf der „Intergastra“ in Stuttgart sein Können mit anderen deutschen Lehrlingen messen. Hildebrandt war beim Dinner für den Hauptgang zuständig.

Belzigs Altbürgermeister Peter Kiep war so tief beeindruckt, dass er nur mit einem kurzem „ja“, die Worte von Hannelore Klabunde bestätigte. „Ein schöner Abend, alle haben offensichtlich viel gelernt, ich hoffe sie bleiben unserer Region erhalten“ meinte Belzigs Bürgermeisterin.

Ähnlich äußerte sich auch Landrat Wolfgang Blasig. „Ich bin vor allem von der „Springbachmühle“ beeindruckt, selten findet man einen Familienbetrieb dieser Größe, der willens ist, so vielen jungen Menschen die Chance zu einer Ausbildung zu geben“, sagte Wolfgang Blasig. „Diese Qualität braucht unsere Region“.

Familie Muschert will ihre Erfolgsgeschichte fortsetzten. „In Zukunft werden einheimische Produkte aus dem Fläming unseren Schwerpunkt bilden, die intensive Lehrlingsausbildung wird es in unserem Haus auch weiterhin geben“, sagte der Seniorchef. Fast unbemerkt blieb, dass es für Chefin Regina Muschert eine Geburtstagfeier war. (Von Andreas Koska)


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