ZIEGENHALS - Mit den klammen Händen steckte Reinhard Loeff eine rote Nelke in den Maschendrahtzaum an der ehemaligen Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals, um an den ermordeten KPD-Chef zu erinnern und für die Bewahrung der Gedenkstätte zu demonstrieren. „Ich habe zu DDR-Zeiten die Ernst-Thälmann-Oberschule in Cottbus besucht und mich mit dem Leben Thälmanns beschäftigt“, sagte er. „Es macht mich wütend, wie man heute mit der Erinnerung an diesen Menschen und mit der Gedenkstätte umgeht.“
An die illegale Tagung des Zentralkomitees der Kommunisten-Partei am 7. Februar 1933 erinnerten gestern erneut rund 100 Kundgebungs-Teilnehmer vor der ehemaligen Sportgaststätte Ziegenhals. Max Renkl, der Vorsitzende des Freundeskreises „Thälmann-Gedenkstätte“ informierte über den Stand im Rechtsstreit. „Die Verfassungsbeschwerde, mit der wir den Abriss verhindert wollten, wurde abgewiesen. Das ist ein Rückschlag. Der politische und juristische Druck geht aber weiter“, so Renkl. Er kündigte drei weitere Kundgebungen in Ziegenhals und einen Protestzug nach Potsdam in diesem Jahr an. Gleichzeitig soll der „Gesamtdeal“ rund um den Grunderwerb durch den Eigentümer auf seine Rechtmäßigkeit überprüft werden. „Das haben wir nur wegen der Verfassungsbeschwerde ruhen lassen.“ Seit dem Vergleich im Juli 2009 könne der neue Eigentümer jederzeit das Gebäude abreißen lassen. Renkl: „Wir werden uns gegen die anrollenden Bagger stellen.“ Es ginge um die Bewahrung des antifaschistischen Erbes. Hier könnte ein nationales Denkmal für den antifaschistischen Widerstand entstehen. Renkl schloss dazu die Enteignung der Immobilie nicht aus. Auch die Bundessprecherin der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke, Ellen Brombacher, kritisierte die Ablehnung der Verfassungsbeschwerde des Gedenkstätten-Vereins durch das Landesverfassungsgericht. „Was an Kommunisten erinnert, zählt in diesem Land nicht zum kulturellen Erbe“, sagte die letzte Vorsitzende der DDR-Jugendorganisation FDJ.
Unter den Zuhörern war auch die Enkelin Ernst Thälmanns, Vera Dehle-Thälmann. „Ich bin Mitglied des Vereins geworden, weil es bei der Gedenkstätte in Ziegenhals um weit mehr geht als die Person meines Großvaters. In Ziegenhals tagte letztmals das Zentralkomitee, von hier ging der Aufruf in die Welt, gemeinsam gegen den Faschismus zu kämpfen“, sagte die Berlinerin.
Kreis- und Stadtverordnete Birgit Uhlworm denkt ebenso über die Bewahrung der Gedenkstätte nach. „Das Thema hat vor wenigen Tagen auch die Fraktion Bürgerbündnis beschäftigt. Ich werde es im Sozialausschuss ansprechen. Wir haben hier einen authentischen Ort zur Geschichtsvermittlung für junge Leute, der zugänglich bleiben sollte.“ Eine andere Botschaft brachte Frank Rauhut vom Bündnis „Gegen Rechts“ mit. Er lud dazu ein, in Dresden Zivilcourage zu zeigen und an einer Fahrt gegen den größten Nazi-Aufmarsch in Europa am 13. Februar in Dresden teilzunehmen Ein Bus startet an diesem Tag um 7.15 Uhr am Wasserturm in Königs Wusterhausen. (usch)