LUDWIGSFELDE/BERLIN - Als er das erste Mal nach Ludwigsfelde kam, dauerte das 14 Tage – es war 1977 und er fuhr mit dem Zug durch China, die Mongolei, die Sowjetunion und Polen in die DDR. Heute wird der Schweißer Trinh Van Trung 50 Jahre alt und sagt: „Ludwigsfelde ist meine Heimatstadt.“ Im Herzen bleibe er Buddhist, und das Tet-Fest bleibe seine Seele, „aber wir feiern mit den Kindern hier Weihnachten, wegen der besonderen Atmosphäre“.
Trinh Van Trung ist einer von 102 vietnamesischen Staatsbürgern in Ludwigsfelde, nicht mitgezählt die Kinder der teils eingebürgerten ehemaligen Autowerker. Die Vietnamesen sind die größte Gruppe von derzeit 420 Ausländern in Ludwigsfelde. Und während Trinh Van Trung erzählt, wie er das Abitur ablegte, in Karl-Marx-Stadt studierte und Lehrausbilder wurde, begrüßen ihn im Viet-Haus Landsleute in Militäruniform, Frauen in Hosenanzug oder im Áo dài, dem Nationalkleid mit Hose. Sie alle feierten das asiatische Neujahrsfest, das Tet-Fest, zum Start des Vietnamjahres in Deutschland aus Anlass der 35 Jahre diplomatische Beziehungen BRD-Vietnam. Und Bürgermeister Frank Gerhard findet das alles „sehr interessant“, spricht mit Botschafter Hoa Bin Do oder dem Ludwigsfelder Unternehmer Truong Van Chinh. Ist doch Gerhard am 20. Februar praktisch Mitgastgeber, wenn 250 Vietnamesen mit ehemaligen deutschen Weggefährten und Partnern nach dem Jahr des Büffels das Jahr des Tigers begrüßen. Das bereiten seit fast einem Jahr Marina Ujlaki, die Integrationsbeauftragte, Truong Van Chinh, seine Frau Nguyen Minh Ha, Trinh Van Trung und Tran Manh Tai vor. Auch die Trommler vom Abend in Berlin sind dann in der Autowerkerstadt zu hören. Es wird das erste Tet-Fest, das Ludwigsfelder Vietnamesen nach der Wiedervereinigung ausrichten. (Von Jutta Abromeit)