POTSDAM - Die längste Baustelle Deutschlands führt mitten durch Brandenburg. Im März werde zunächst im Norden des Landes mit dem Bau der Erdgas-Pipeline Opal begonnen, kündigte gestern der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Opal Nel Transport GmbH, Bernd Vogel, gegenüber der MAZ an. Das Landesamt für Bergbau hatte in der vergangenen Woche für ein letztes Teilstück im Süden Brandenburgs das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen. Damit darf – ungeachtet eventueller Klagen – gebaut werden. Die Opal-Pipeline transportiert russisches Erdgas aus der Pipeline „Nord Stream“ ab, die derzeit quer durch die Ostsee gebaut wird und in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) endet. Von dort führt die Opal über 470 Kilometer nach Süden, davon 270 Kilometer durch Brandenburg.
„Wir haben einen hehren Zeitplan“, sagt Opal-Nel-Geschäftsführer Vogel. „Wir können fest annehmen, dass das Gas im Herbst 2011 fließen wird.“ Beim Bau gilt es also, keine Zeit zu verlieren. Derzeit wird die Trasse von Kampfmitteln geräumt. Gefundene Munition werde „vor Ort entschärft oder gesprengt“, sagt Michael Höhlschen, Leiter des Trassenengineerings bei der Opal-Nel-Muttergesellschaft Wingas. Auch die ersten Bäume entlang der Strecke fallen. Für den Bau muss eine 30 Meter breite Schneise frei gehalten werden. Die Trasse führe aber über weite Strecken parallel zu bestehenden Leitungen, beruhigt Höhlschen. Außerdem werde ein Teil wieder aufgeforstet.
Um Zeit zu gewinnen, beginnen auf dem Brandenburger Teilstück fünf Bautrupps gleichzeitig mit dem Bau und bewegen sich von Norden und Süden aufeinander zu. Die Lager für die 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Rohre sind bereits angelegt. Sie werden zu mehreren Hundert Meter langen Pipelinestücken verschweißt und dann ins Erdreich abgesenkt. Den Bauauftrag für den Brandenburger Abschnitt haben sich zwei italienische und ein deutsches Unternehmen gesichert. Die Arbeitskräfte rekrutierten sie überwiegend aus der Region, sagt Höhlschen. So seien in Prenzlau (Uckermark) bereits 300 Leute eingestellt worden, an der südlichen Baustelle bei Luckau (Dahme-Spreewald) würden 160 Leute benötigt, „von der Hilfskraft bis zum Baggerführer“, sagt Wingas-Sprecher Nicholas Neu. Der Kontakt werde über die Arbeitsagenturen hergestellt. Die Beschäftigten erhielten Zeitverträge, grundsätzlich bestehe aber die Chance auf Weiterbeschäftigung, so Neu.
Umstrittenster Teil des Brandenburger Abschnitts ist eine Gasverdichterstation, die in Baruth (Teltow-Fläming) entstehen soll. Dort wird das Gas, dessen Druck in den Leitungen auf dem Weg aus Russland nachgelassen hat, wieder beschleunigt. Die Anlage, die von vier Gasturbinen, die Flugzeugtriebwerken ähneln, angetrieben wird, sollte ursprünglich weiter nördlich in Groß Köris (Dahme-Spreewald) entstehen. Wegen der Lage im Naturpark Dahme-Heideseen verwarf das Land aber den Standort, weil er die touristische Entwicklung behindere. Wingas musste neu planen. „Das hat uns ein halbes Jahr gekostet“, sagt Höhlschen. Der neue Standort in Baruth ist laut Planungsbehörde unbedenklich. Er liegt unweit des örtlichen Gewerbegebietes. „Das nächste Wohnhaus ist 1,3 Kilometer entfernt“, sagt Höhlschen. Weil die Anlage in einer Halle stehe und durch ein Schallgehäuse isoliert sei, „wird man dort von der Anlage nichts hören“.
Den Anwohnern reichen die Zusicherungen nicht. Die Stadt Baruth will gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen. Sorgen bereitet den Anwohnern die hohe Belastung der Gegend mit Kampfmitteln. Im Zweiten Weltkrieg tobten dort Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht. Erst gestern wurde mitten auf dem Baugelände ein Bomben-Blindgänger entschärft. (Von Martin Usbeck)
Gas aus Russland