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26.02.2010

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Geschichte: Nicht nur Spitzel-Fälle

Stasi-Beauftragte Ulrike Poppe im T-Werk bei Böll-Stiftung zu Gast

POTSDAM / INNENSTADT - Ulrike Poppe scheint so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Selbst bei der Frage, ob ihr Amt nicht nur eine Alibifunktion habe, verzieht die erste Stasi-Beauftragte Brandenburgs keine Miene und antwortet mit ruhiger Stimme, dass es ihre Aufgabe sei, Ratschläge zu geben. „Die Entscheidung, ob eine Person aufgrund ihrer Stasi-Vergangenheit nicht mehr tragfähig ist, liegt zurecht nicht in meiner Hand“.

Schauplatz des Tête-à-tête war das T-Werk, wo am Mittwochabend die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung zur Diskussion geladen hatte. Der Bürgerrechtler und Publizist Wolfgang Templin, der zusammen mit Joachim Gessinger von der Böll-Stiftung die Debatte moderierte, stellte die Frage, wie Poppe das neu geschaffene Amt ausgestalten wolle. „Es geht mir nicht nur um die Aufklärung der Spitzel-Fälle. Gerade die politischen Funktionäre der SED haben Karrieren von Widerständlern zerstört und somit Schuld auf sich geladen“, berichtet die DDR-Oppositionelle aus eigener Erfahrung. Poppe bedauert, dass viele Systemkritiker heute als Verlierer dastehen. „Das ist ein fatales Signal für die politische Kultur“, so die gebürtige Rostockerin. Sie hofft durch ihr Amt etwas dafür tun zu können, dass sich in der Gesellschaft ein antiautoritärer Konsens etabliere. Hier gebe es noch viel zu tun, „schließlich gab es in der DDR nicht nur Protest, sondern auch viele, die hinter der Gardine standen und zuschauten“.

Das Publikum teilte die Einschätzung der Redner, dass die Arbeit Poppes auch 20 Jahre nach dem Mauerfall sehr wichtig sei. So machte die Grünen-Politikerin Marie Luise von Halem deutlich, dass die Arbeit an den Schulen dazu beitrage, der nachwachsenden Generation die Werte der Demokratie zu vergegenwärtigen. Nach Ansicht Poppes dürfe sich der Unterricht nicht ausschließlich auf die Staatssicherheit und die Mauer-Opfer beschränken. Das passe nicht mit dem idyllischen Alltag in der DDR zusammen, von dem die Eltern ihren Kindern oft berichten. (Von Christina Bauermeister)


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In diesem Forum gibt es 1 Eintrag

» benni | 26.02.2010, 13:04

Kleine Korrektur des 'Glücksfalles'


Wie die MAZ im Artikel dann korrekt
vermeldet,ist die Arbeit der Ladesbeauftragten eben gerade nicht
auf die leidige Stasi - und IM -Aufklärung begrenzt, sondern umfaßt
das gesamte Spektrum der Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur der DDR - also z.B. auch die unsäglichen Blockparteien.Die korrigierte Zuordnung der Landesbeauftragten zum Landtag ist ein weiter ermutigender Schritt.
Wer immer Ulrike Poppe als Landesbeauftragte vorgeschlagen
haben mag:sie scheint für diese Mehrgenerationenaufgabe im Land Brandenburg ein Glücksfall zu sein.
jörn dargel, potsdam

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