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03.03.2010

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Gewalt: Flucht vor der eigenen Frau

In einem Hof in Ketzin finden misshandelte Männer Schutz und Beratung

KETZIN - „Wenn du dich trennst, mach ich dir das Leben zur Hölle.“ Diese Worte bekam Dieter D. (Name geändert) von seiner Frau an den Kopf geworfen, als er die Scheidung ankündigte. Krankhaft eifersüchtig sei sie gewesen, sagt Dieter D. Sie telefonierte ihrem Gatten ständig hinterher, kratzte und trat ihn, während sie ihm unterstellte, fremdgegangen zu sein.

D. wusste keinen Rat mehr. Er fuhr zweieinhalb Stunden aus dem Osten des Landes nach Ketzin. Auf dem dortigen Lindenhof befindet sich das Gewaltschutzhaus von Horst Schmeil und Dietmar Gettner – es ist auch zuständig für männliche Gewaltopfer aus Potsdam-Mittelmark, wo es keine solche Einrichtung gibt.

„Ich will nicht, dass die Situation weiter außer Kontrolle gerät. Sonst brennt bei mir vielleicht auch irgendwann die Sicherung durch“, sagt D.

In den zwei Stunden, die er schon im Gespräch mit Horst Schmeil ist, hat seine Frau dreizehnmal versucht, ihn anzurufen. Beim 14. Versuch nimmt er den Anruf an. Zum Beweis, dass er nicht mit einer anderen unterwegs ist, reicht D. das Telefon an den Diplompädagogen weiter. Schmeil versucht, die aufgebrachte Frau zu beruhigen und gibt das Handy zurück.

„In solchen Fällen hilft nur noch die Trennung, auch wenn sie sehr schwer durchzusetzen ist. Die Polizei kann der Frau ein einwöchiges Hausverbot erteilen. Danach kann ein Gerichtsbeschluss den kompletten Auszug der Frau erzwingen“, erklärt Schmeil. Doch der Scheidungsprozess dauere dann immer noch ein Jahr – D. ist seiner Frau weiter unterhaltsverpflichtet.

Horst Schmeil und Dietmar Gettner wurden selbst Opfer häuslicher Gewalt und haben feststellen müssen, wie schwer man es als Ehemann und Vater gegenüber seiner Frau haben kann. So hat Gettner nach eigenen Worten seinen heute volljährigen Sohn zuletzt im Alter von sechs Jahren gesehen. Von der alkoholkranken Ehefrau gebissen, geschlagen und getreten, wollte er mit dem Jungen fliehen. „Man darf aber der Mutter das Kind nicht so einfach wegnehmen. Mir wurde zwar der Umgang mit meinem Sohn genehmigt, aber wenn die Frau nicht mitmacht, kann man sein Recht praktisch nicht wahrnehmen“, so Gettner. Nach letzten Informationen hat der Sohn die Lehre abgebrochen und ist in der rechtsextremen DVU aktiv.

Nachdem beide Männer Projekte für misshandelte Geschlechtsgenossen aufgebaut hatten, kauften sie im August 2008 den Ketziner Lindenhof und begannen mit der Renovierung des stark verfallenen Anwesens. Alles ist aus Eigenmitteln und Spenden finanziert, denn staatliche Hilfe wurde bisher immer abgewiesen. Schon nach drei Monaten waren die ersten Räume bewohnbar, momentan werden Obergeschoss und Seitengebäude ausgebaut. Auf der Weide nebenan stehen acht Pferde, welche den Männern Ruhe und Abstand von ihren Sorgen bieten sollen. Auch können die Väter und ihre Kinder durch den Umgang mit den Tieren mehr Nähe zueinander aufbauen.

Jugendliche aus dem Ort kommen ebenfalls vorbei, um die Tiere zu pflegen und zu reiten. „Wir wollen keine geschlossene Gesellschaft sein, sondern mit den Ketzinern in Verbindung stehen“, erläutert Dietmar Gettner die Philosophie des Hauses.

Die Lage am Ortsrand biete den Männern trotzdem einen gewissen Schutz. Bisher haben etwa 40 Hilfesuchende den Lindenhof zu persönlichen Beratungen und teilweise als letzten Unterschlupf aufgesucht. Hinzu kommen rund 70 Fälle von telefonischer Beratung. „Ein Bewohner neulich war ein 27-jähriger Mann, der von seiner Freundin blutig geschlagen wurde. Als er zur Polizei ging, haben die Beamten ihn nur ausgelacht. Das „Männerhaus“ sei der letzte Zufluchtsort für den Geschlagenen gewesen. (Von Enrico Bellin)


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