LOS ANGELES/POTSDAM - Der Österreicher Christoph Waltz hat am Sonntagabend in Los Angeles den Oscar als „Bester Nebendarsteller“ für seine Rolle in der Studio-Babelsberg-Produktion „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino gewonnen. „Dies ist ein Über-Bingo“, sagte der sichtlich gerührte Waltz mit tränenerstickter Stimme, nachdem ihm Penelope Cruz den Goldjungen überreicht hatte. „Ich werde mich niemals genug bedanken können. Aber ich kann damit jetzt beginnen.“ Die vergangenen Monate seien schwindelerregend gewesen. „Es war fantastisch. Morgen wird es mir vielleicht leidtun, dass es vorbei ist.“
Jubel gab es auch in Potsdam-Babelsberg. „Die Freude ist natürlich riesengroß. Nach den zahllosen internationalen Preisen hat Waltz nun auch den weltweit wichtigsten Filmpreis erhalten. Damit stehen ihm jetzt in Hollywood alle Türen offen,“ so Christoph Fisser, Vorstand von Studio Babelsberg und Koproduzent des Films.
„Mit der Auszeichnung ist Studio Babelsberg das fünfte Mal seit 2003 und das dritte Jahr in Folge erfolgreich bei den Oscars vertreten“, freute sich auch Studio-Babelsberg-Vorstandsvorsitzender Carl Woebcken. Die übrigen deutschen Hoffnungen auf Oscar-Ehren wurden allerdings enttäuscht: Der in zwei Kategorien nominierte Film „Das weiße Band“ von Regisseur Michael Haneke ging leer aus.
Filmgeschichte schrieb bei dieser 82. Oscar-Zeremonie die amerikanische Regisseurin Kathryn Bigelow. Als erste Frau gewann sie für ihr großartiges Irak-Drama „Tödliches Kommando“ den Preis für die „Beste Regie“ und räumte auch noch in der Königsdisziplin „Bester Film“ ab. Mit insgesamt sechs Trophäen setzte sich die Action-Spezialistin gegen das aufwendige 3-D-Sciencefiction-Spektakel „Avatar“ ihres Ex-Mannes James Cameron durch, das als Favorit ins Rennen gegangen war. Cameron hatte 1998 mit „Titanic“ elf Oscars gewonnen, diesmal waren es drei Trophäen für Kameraführung, Ausstattung und Spezialeffekte.
In die Oscar-Liste der besten Hauptdarsteller wurden erstmals Jeff Bridges für die Rolle als abgehalfterter Country-Sänger in „Crazy Heart“ und Sandra Bullock für ihre Mutter-Rolle in „Blind Side – Die große Chance“ aufgenommen. Beste Nebendarstellerin wurde die schwergewichtige schwarze US-Schauspielerin Mo’Nique für ihre Rolle als gewalttätige Mutter in dem Sozialdrama „Precious – Das Leben ist kostbar“.
Mit großen Hoffnungen verbinden die Gewinner in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ihre Auszeichnung. In „Die Bucht“ prangert der ehemalige Flipper-Trainer Ric O’Barry die grausamen Delfin-Fangmethoden in Japan an. Viele Zuschauer hatte der Film in Deutschland bislang nicht. Das könnte sich nun ändern. (Von Claudia Palma)