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10.03.2010

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Finanzen: Die Akte „Millionendusche“

Ein Ausschuss soll klären, weshalb sich der Preis des Dallgower Sportplatzgebäudes klammheimlich verdoppelt hat

DALLGOW-DÖBERITZ - Empört sind die Dallgower Gemeindevertreter immer mal. Aber bei der Sondersitzung zum Sportplatzgebäude am Montag schwappte die Woge der Entrüstung durch alle Fraktionen – und das ist in Dallgow relativ selten. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Hornhardt (CDU), sprach angesichts neuer Enthüllungen von einem „Riesenskandal“, SPD-Fraktionschef Heinrich Maidhof zeigte sich „nicht begeistert“, FWG-Mann Lothar Ladewig stellte bohrende Nachfragen, die Grüne Petra Budke wunderte sich, „welches Rechtsverständnis und welches Verantwortungsbewusstsein für die Steuerzahler“ in der Dallgower Verwaltung vorherrschen und Wolfgang Gall (CDU) stellte sogar weitreichende personelle Konsequenzen in Aussicht. „Die Frage ist, ob bewusst Dinge verschwiegen wurden. Wenn sich das bewahrheitet, dann müssen in Dallgow Köpfe rollen.“ An wessen Köpfe er dachte, sagte er nicht. Es war aber offenkundig, dass er über Mitarbeiter der Verwaltung sprach.

Gründe für die Aufregung gibt es mehrere, und alle haben mit dem Sozialgebäude am Sportpark zu tun, das sich für Bürgermeister Jürgen Hemberger zu einem politischen Desaster entwickelt. Die Politiker werfen seiner Verwaltung vor, dass ihr die Baukosten aus der Hand geglitten sind. Tatsächlich haben sich die Kosten für das Gebäude innerhalb eines Jahres verdoppelt – von geplanten 520 000 Euro auf jetzt 1,2 Millionen, weshalb FDP-Mann Sven Richter nur von der „Millionendusche“ spricht.

Die Gemeindevertreter wollen aber auch wissen, weshalb sie nicht über die gestiegenen Kosten informiert wurden. Die fielen überhaupt erst auf, weil im Haushalt weitere 400 000 Euro für das Gebäude eingestellt waren, obwohl in den vergangenen Jahren dafür schon insgesamt 700 000 Euro zur Verfügung standen. Darüber hinaus, das ist der dritte Vorwurf, soll der Bürgermeister einen Bauantrag unterschrieben haben, obwohl das Geld im Haushalt gar nicht ausreichte. Und die Politiker kritisieren – so formulierte es Linke-Chefin Andrea Johlige – dass es in der Verwaltung offenbar keine funktionierende Kostenkontrolle gibt.

Bauamtsleiterin Sabine Kern hatte sich im Vorfeld mehrfach zum Thema geäußert und Fehler eingeräumt. Am Montag überlies sie das Wort dem Architekten Martin Sellke, der das Gebäude entworfen hat und den Bau im Auftrag der Gemeinde betreut. Sellke hatte auch im Februar 2009 einen Vorentwurf im Bauausschuss vorgestellt. Damals sollte das Gebäude aus vier Umkleideräumen, Duschen, Schiedsrichterräumen und Toiletten bestehen. Dazu ein schräges Dach, das Solarenergie liefern sollte. Unter dem Dach sollten Wassertanks liegen.

Dem Ausschuss gefiel der Entwurf damals. Viele Politiker waren neu gewählt, Bauamtsleiterin Kern war auch neu im Amt, offenbar glaubte die Mehrheit, die Planung beruhe auf einem Beschluss der alten Gemeindevertretung – den es freilich nicht gab. Die geschätzten Bruttokosten von 520 000 Euro waren kein Thema, die Mitglieder hatten aber noch Verbesserungsvorschläge, die die Verwaltung prüfen sollte. Die wurden vom Architekten sofort eingearbeitet. Ein Fehler, wie Bürgermeister Jürgen Hemberger einräumte. „Da haben wir den Bauausschuss zu ernst genommen.“ Anschließend wurde das Projekt nach Aktenlage noch weiter verändert – zumeist aus praktischen Gründen. So wurde das Dach weiter angeschrägt, um es für die Solarnutzung zu optimieren. Weil es mit den Wassertanks Probleme gab, wurden im Dachgeschoss Räume frei, die zu Sporträumen umgeplant wurden. Dafür kam ein Keller dazu, dessen Zweck sich auch veränderte. So stiegen die geschätzten Kosten erst auf gut 700 000 Euro, dann schossen auch noch die Baupreise wegen des Konjunkturpakets in die Höhe – und plötzlich lag die Gesamtsumme inklusive Planung bei 1,5 Millionen. Man habe dann gestrichen, was zu streichen war, sagte Sellke. Am Ende blieben Bruttokosten von 1,2 Millionen Euro. Da inzwischen mit dem Bau begonnen wurde und viele Gewerke ausgeschrieben sind, wird das Gebäude kaum mehr billiger werden.

Die Verwaltung gab sich nach dem Vortrag Sellkes wortkarg. Jürgen Hemberger gestand ein, dass er über Details des Baus nicht informiert war und einiges lediglich aus der Presse kannte. „Die Maßnahmen, die man ergriffen hat, finde ich aber prinzipiell nicht verkehrt.“ Auf die Frage, wer einen Überblick über die Kosten gehabt habe, antwortete keiner der anwesenden Mitarbeiter – nicht der Projektleiter, nicht die Bauamtsleiterin und auch nicht die Kämmerin.

Die Frage wurde am Montag viermal gestellt und sie dürfte in den kommenden Wochen noch öfter gestellt werden. Die Gemeindevertretung hat einen Ausschuss einberufen, der prüfen soll, welche Fehler die Verwaltung gemacht hat, wie sich solche Preisanstiege künftig verhindern lassen und ob Schadenersatzforderungen geltend gemacht werden können. „Die Aufgabe ist es jetzt, Schadensbegrenzung zu betreiben“, sagte die Linke-Chefin Andrea Johlige. Sie wird den Ausschuss leiten. (Von Oliver Fischer)


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