Der Neubau der Synagoge galt seit der Vorstellung des Siegerentwurfes aus einem europaweiten Wettbewerb als unumstritten. Der Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland weckte zwar keine Begeisterungsstürme, wurde aber stets als „zweckmäßig“ gelobt. Bis Ud Joffe kam und im Namen der Betgemeinschaft Minjan die Pläne spät, aber dafür um so harscher kritisierte. Vor der Präsentation der Detailplanung, die für kommenden Sonntag, 11 Uhr, in den Räumen der Fachhochschule vorgesehen ist, lässt die MAZ einen Befürworter und einen Kritiker des bisherigen Entwurfs zu Wort kommen.
Jüdisches Leben bereicherte Potsdam, bis es vor nun über 70 Jahren ein jähes Ende fand und die Potsdamer Synagoge, die dritte in der Stadt, geschändet wurde. 20 Jahre ist es her, dass sich in Potsdam wieder eine Jüdische Gemeinde gebildet hat. Wer sich die Gegebenheiten angesehen hat, unter denen die Jüdische Gemeinde derzeit „haust“, kann schwerlich abstreiten, dass hier dringend etwas geschehen muss.
Es ist nicht der erste Anlauf in Potsdam, eine neue Synagoge und den jüdischen Mitbürgern ein Gemeindezentrum zu errichten. Es ist jedoch der, der bislang am erfolgreichsten verfolgt wird. Das hat viele Gründe. Zum einen das Engagement vieler Potsdamer in einem für den Neubau gegründeten Verein, in dem auch viele Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Potsdams mitarbeiten. Zum anderen die Unterstützung der Stadt und des Landes über alle Parteigrenzen hinweg.
Obwohl es seit Anfang der 1990er Jahre einen Konsens darüber gibt, dass Potsdam eine Synagoge mit Gemeindezentrum braucht, sind die Bemühungen darum erst jetzt soweit gediehen, dass eine realistische Aussicht auf die Errichtung der Synagoge besteht. Der Standort – die Schlossstraße 1 – ist gut gewählt. Die Synagoge wird mitten in der Stadt stehen. Dort gehört sie auch hin.
Auch der Entwurf ist gut gewählt. Er ist Ergebnis eines europaweiten Architekturwettbewerbs, beruht auf Vorgaben, die mit großer sachlicher und religiöser Sorgfalt und auf der Basis eines intensiv und öffentlich diskutierten Konzeptes entstanden sind und wurde einstimmig durch die Wettbewerbsjury zum Siegerentwurf erkoren. Zugrunde liegt ein Konzept, das sich nicht auf einen Gebetssaal und eine Mikwe beschränkt, sondern die Synagoge mit einem Gemeindezentrum verbindet. Jüdisches Leben findet nicht nur in der Synagoge statt. Jüdisches Leben ist – wie wir es auch auf zwei fröhlichen Straßenfesten erleben konnten – auch singen, tanzen, lernen, essen; und auch dafür benötigt man Räume.
Mit der Neuen Synagoge erhalten die Potsdamer Juden einen Gebetssaal, der den jüdischen Vorschriften entspricht. Im Untergeschoss wird es eine Mikwe geben. Daneben hat das Haus einen Festsaal, in dem jüdische Feste gefeiert werden können, es gibt Lehr- und Unterrichtsräume und für den Rabbiner und die Jüdische Gemeinde auch Büros.
Natürlich hätte man „repräsentativer“ bauen können. Aber ich denke, der Neubau wird gerade wegen seiner modernen, einfachen, ruhig gegliederten Fassade aus seiner Umgebung herausstechen und deutlich machen, dass hier ein besonderes Gebäude steht, eines, das sich nicht auf eine Tradition in Potsdam beruft, weil seine Nutzer in Potsdam erst eine Tradition begründen werden.
Jüdisches Leben in Potsdam wird sich nur nachhaltig entwickeln können, wenn die Synagoge mit Gemeindezentrum gebaut wird. Es gibt wieder viele Menschen jüdischen Glaubens in Potsdam. Die Befürchtungen, dass die Synagoge nicht mit jüdischem Leben erfüllt werden kann, teile ich nicht. Die neue Synagoge mit Gemeindezentrum soll und wird ein Quell jüdischen Lebens in Potsdam und eine Bereicherung der Stadt.
Peter Schüler ist Präsident der Stadtverordnetenversammlung und im Vorstand des Bauvereins der Synagoge. Er hat eine jüdische Mutter.
Es war nicht der schönste und auch nicht mein Favorit, hat aber das gesamte Raumprogramm realisiert“, so berichtete mir Horst Mentrup, der Vorsitzende des Bauvereins vom Siegerentwurf. Und genau das ist das Problem! In einem prioritätslosen, überdimensionierten Raumprogramm verschwand unsere lang angekündigte Synagoge. Gerade mal zehn Prozent der Baufläche, kaum 150 Quadratmeter, gönnen uns die Planer als Versammlungsort. Also zirka 150 Plätze müssen den 800 Juden Potsdams für ihre Versammlungen ausreichen, auch für die nächsten 50 Jahre. Von nichtjüdischen Gästen sollte man da gleich absehen.
„Kommen Sie herein, lieber Besucher, schauen Sie unsere herrliche Büroetage an, alles wurde bedacht: je ein Raum für den Vorsitzenden, die Geschäftsführung, das Sekretariat, den Vorstand, die Redaktion, ein weiteres Büro und noch ein Büro und einen großen Besprechungsraum... Ach so, Sie wollten zur Synagoge? Kommen Sie mit, hoffentlich haben Sie starke Beine, die werden Sie gebrauchen. Erstes Obergeschoss, noch nicht ... zweites Obergeschoss, jawohl! Nur noch hier entlang, durch den Flur, vorbei am Computerraum ... und das Türchen da vorne, das müsste es sein!
Und siehe, das ist unsere 110 Quadratmeter große, fensterlose Ecksynagoge, schick wa? Seien Sie froh, dass Sie keine Frau sind, sonst hätten Sie noch eine Etage mehr zu klettern. Und seien Sie froh, Sie sind kein Minjan-Mitglied, sonst würden Sie hier jeden Schabbath im schlecht belüfteten Raum drei Stunden aushalten müssen und noch viel länger an den hohen Feiertagen.
Kommen Sie, ich begleite Sie wieder hinaus und mache Ihnen ein Foto. Wie, Sie wollen nicht? Oh, Sie meinen, es ist hässlich und nichtssagend? Ach wo, hässlich heißt heute „modern“ und nichtssagend „schlicht und bescheiden“. Der Architekt meinte doch, es soll für einen „Neuanfang“ stehen. Ich habe es ernstgenommen und alles vergessen, was ich über jüdische Ästhetik und Tradition wusste – wie eine neue Festplatte. Das wollen Sie nicht? Empfehle ich Ihnen aber, Tradition ist doch meistens nur eine Belastung.“ Ach ja, liebe Leser, solche Gespräche führe ich mit imaginären zukünftigen Besuchern unserer Stadt. Denen, aber auch Ihnen, muss ich erklären, wie der geplante Klotz lebendiges Judentum präsentieren, ja fördern soll. Mir fehlen aber die Worte.
Wie kann ich erklären, warum unsere Synagoge gar keine jüdischen Konnotationen erweckt, wenn es in der Tat keine Synagoge ist! Sollte auch nie eine werden, nach Wunsch seiner Planer! Sollte sich hier zu den schönen jüdischen Feiertagen eine große Gemeinschaft versammeln, Juden und gerne auch Nichtjuden? Nein, das geht nicht! Sollten die Juden in Potsdam ihre großen Feste hier feiern? Nein, das geht nicht! Die Synagoge wurde vom Raumprogramm erstickt, das Grundstück vergewaltigt. Statt ein erhabenes Bauwerk für Juden und Nichtjuden in unserer Stadt zu errichten, wurde ein Gebäude zerhackt – durch den Versuch, alles hier anbieten zu wollen. Das funktioniert ganz einfach nicht und dafür sollte und könnte man andere gute Lösungen finden. Sonst wird es eine echte Synagoge für Potsdam hier nicht geben!
Ud Joffe ist Kantor, Dirigent des Neuen Kammerorchesters und Mitglied der Jüdischen Betgemeinschaft Minjan.
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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