„Ich habe den Sport immer als faszinierend, aber unerreichbar angesehen, fast als elitär“, erinnert sich Antje Pecher. Ihr Eindruck hatte auch mit der Präsenz des Fechtens in den Medien zu tun: Sie hatte zwar von Leistungszentren wie Tauberbischofsheim und Athletinnen wie Anja Fichtel gehört, aber nur zu Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften sah die stellvertretende Schulleiterin Bilder von Gefechten im Fernsehen. Umso erstaunter war die heute 44-Jährige, als sie Ende 2008 in der Märkischen Allgemeinen von der Initiative des Preußischen Fechtclubs (PFC) las, speziell Frauen an die Klinge zu führen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Josefine Fischer schaute sie bei einer Trainingseinheit vorbei und war gepackt. Beide blieben auch über die ursprünglich angesetzte Projektzeit von sechs Monaten hinaus, haben mittlerweile sogar ihren ersten Wettkampf bestritten.
Das dynamische Duo – Fischer spielt weiter Fußball bei Blau-Weiß Beelitz, Pecher schwingt den Squashschläger und gemeinsam tauchen sie auch noch – befindet sich dabei in guter Gesellschaft: Von den zehn Damen, die beim PFC Florett und Degen erstmals in die Hand nahmen, sind acht noch immer dabei. Ihre Begeisterung ist ein Grund für die Trainer Gisela und Norbert Meller, eine Fortsetzung des Projektes anzuschieben. Im April soll es weitergehen. In der Gemeinschaft lernen die Musketiere von morgen die erforderliche Beinarbeit, üben Angriffe und Paraden mit der Klinge. Dabei spielt überhaupt keine Rolle, welche sportlichen Erfahrungen die Damen mitbringen – jede ist gern gesehen. Die Schutzausrüstung stellt der Verein.
Pecher und Fischer werden von manchen Bekannten und Freunden für verrückt gehalten, doch das stört sie nicht. „Fechten ist sicherlich kein alltäglicher Sport, aber genau das gefällt uns“, so Pecher. „Wir sind noch nicht alt genug, um jeden Abend auf der Couch herumzuhängen.“
Bei Michaela Roth war es ein Freund, der den Ausschlag gab. „Geh’ doch Sport machen, jetzt wo du älter wirst“, denkt die 32-Jährige zurück. Nicht die kleine Spitze gab den Ausschlag, sondern der Freundeskommentar, die sportlich-ungefährliche Variante des Duells würde zu Roth passen. Die schnappte sich daraufhin ihre Freundin Mandy Ziebarth-Rüdiger: „Fitnessstudios sind eben nichts für mich.“ Die Sozialpädagogin und die Bauingenieurin sind nach wie vor fasziniert, selbst wenn sie Beruf, Familie und Fechten unter einen Hut bekommen müssen. „Wenn man Prioritäten setzt und hinter dem Sport steht, geht es schon irgendwie“, ist Ziebarth-Rüdiger überzeugt.
über Trainer Norbert Meller, 0171/4837920. (Von Sebastian Scholze)
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