PRIEROS - Die Strategie, die sich die Berlinerin Stefanie Kurz für den Fall zurechtgelegt hatte, dass ihr die tschechischen Gerstensäfte nicht munden, dürfte jedem Bierfreund einen kalten Schauer über den Rücken treiben: „Dann mische ich sie mit Kirsch-Banane-Saft“, verkündete sie allen Ernstes.
Die meisten der Gäste des ausgebuchten Brauereifests hatten jedoch die schäumenden Produkte aus dem nordböhmischen Svijany am Sonnabend in die Prieroser Gaststätte „Zum tiefen See“ gezogen. „Mein Schwager ist in der Nähe von Kamenz auf dieses Bier gestoßen und hat mir dringend empfohlen, es zu probieren“, erzählt Wirt Detlef Roß. „Das ist ein herrliches, wohlschmeckend frisches Getränk“, bestätigt Torsten Oberberg, der Entdecker. „Ich war beim ersten Schluck begeistert.“
Wenn in der kalten Jahreszeit mit Ausflüglern kaum zu rechnen ist, lässt sich Restaurantleiter Roß öfter mal etwas Besonderes einfallen. „Viermal haben wir schon thailändische Abende veranstaltet“, berichtet er. Was mit seiner Vorliebe für das asiatische Königreich zu tun hat. Immer, wenn er dort Urlaub macht, besucht er eine Kochschule. Die Lernergebnisse schlagen sich dann auf der Speisekarte in Prieros nieder.
Am Sonnabend aber standen die stolzen Resultate böhmischer Braukunst im Mittelpunkt. „Bei uns geht es nicht darum, möglichst viel möglichst schnell zu produzieren“, stellte Leosch Soukup, Exportleiter der 1564 gegründeten Klosterbrauerei von Svijany, heraus. „Wir brauen, wie es einst die Mönche taten: Ohne Konservierungs- und andere chemische Zusatzstoffe.“ So ergeben sich zwar eigenständige Geschmacksnoten, die sich vom Einerlei der Großproduzenten abheben, doch sollten die Flaschen nicht übermäßig lange gelagert werden – in kühlen Räumen sechs bis acht Wochen.
Zwölf Sorten lassen die 50 Mitarbeiter des mittelständischen Unternehmens nach uralten Rezepten in ihren Tanks reifen. Die Palette reicht vom leichten, mit Mineralstoffen und Vitaminen angereicherten Fitness-Bier über kräftiges Pilsener mit hohem Hopfengehalt bis zum „Baron“ mit 15 Grad Stammwürze, der ähnlich einem Bockbier schmeckt. Nur nach Großbritannien wird ein Bretterknaller geliefert, der zwölf Prozent Alkohol aufweist. „Der ist schon wie Biersirup“, sagt Soukup.
Außer den Bierfässern hat er noch Semmelknödel aus seiner Heimat mitgebracht. Denn Familie Roß wollte zum Bierfest original tschechische Küche bieten. So kam ein Drei-Gang-Menü aus Kartoffelsuppe, Gulasch und Apfelstrudel auf den Tisch – und das alles zum überaus gemäßigten Preis von 15 Euro, in dem der Streifzug durch Böhmens Bierlandschaft sogar noch inbegriffen war. Zu all dem spielte die Brauerei-Band auf. Hatte sie eine Strophe in Deutsch vorzutragen, gab sich Sängerin Vera Petricka mit der ungewohnten Sprache alle Mühe, ihr Blick klebte am Textblatt. Ging es dann endlich auf Tschechisch weiter, hoben sich die Augen und sie schmetterte frank und frei los.
Für Reinhard Kölfnick fing die Verkostung gut an. Schon das erste Glas, das elfgrädige „Maß“, schmeckte ihm. „Es ist würzig. Das könnte ich jeden Tag trinken“, befand er. Womöglich hat Kölfnick, der Fischer, der das Wirtshaus an den Wochenenden beliefert, schon bald Gelegenheit dazu. „Vielleicht schließe ich mit den Leuten aus Svijany einen Belieferungsvertrag ab“, erwägt Detlef Roß. (Von Klaus Bischoff)