FRANKENFÖRDE - Astrid Bornkessel traute gestern früh ihren Augen nicht. Als die Pensionsbetreiberin in Gottsdorf auf ihrem Grundstück den Hühnerstall betrat, fand sie die Überreste eines Gemetzels vor. Ein Nerz hatte sieben der insgesamt acht Hühner gerissen und saß noch immer zwischen den Brettern. Auch im Hühnerstall des Nachbarn hatte er seine blutigen Spuren hinterlassen.
Wie die Polizei auf Nachfrage der MAZ erst gestern mitteilte, hatten unbekannte Täter in der Nacht zum Sonntag von einer Tierfarm in der Zülichendorfer Landstraße in Frankenförde insgesamt 4000 Nerze freigelassen. Betreiber der Anlage ist ein Unternehmen aus Melle (Niedersachsen). „Die genaue Tatzeit ist nicht bekannt; festgestellt wurde der Schaden gegen 3.30 Uhr“, erklärt Claudia Sponholz, Polizeisprecherin des Schutzbereiches Teltow-Fläming. „2000 Tiere wurden inzwischen wieder eingefangen. Durch den Betreiber wird der Fang der Tiere fortgesetzt“, so Sponholz.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Täter sind noch unbekannt. Im Internet kursiert aber ein Video, in dem sich ein Verein „Die Tierbefreier e.V.“ zu dieser „Befreiungsaktion“ bekennt und sie im Film festgehalten hat. Das Video zeigt, wie die Käfige der Tiere zu nächtlicher Stunde geöffnet werden. Wie die Unbefugten auf das Areal gelangen konnten, ist noch unklar. „Das Gelände ist umfriedet und mit einer Alarmanlage gesichert. Die Täter lösten keinen Alarm aus“, sagt Claudia Sponholz. Der Betreiber beziffert den finanziellen Schaden auf 180 000 Euro.
Die Kehrseite der Geschichte: Rund 2000 Tiere sind ausgeschwärmt und befinden sich noch immer im Umfeld von Grundstücken, Straßen und Wohnbebauung. Fassungslos berichtete Brigitta Zimmermann aus Gottsdorf gestern der MAZ: „Auf der Straße zwischen Frankenförde und Zülichendorf liefen am Sonntagabend Dutzende Nerze völlig orientierungslos über die Fahrbahn. Viele wurden überfahren.“ Die Gottsdorferin macht sich Sorgen um ihre Pferde und frisch geborenen Lämmchen. Laut Polizei sind die Tiere an Menschen gewöhnt und zutraulich, können aber durchaus aggressiv werden und beißen. „Wenn Tiere gesichtet werden, sollte man umgehend die Polizei informieren“, sagt Claudia Sponholz.
Umweltschützer Gerhard Maetz aus Luckenwalde hat kein Verständnis für derartige angebliche Tierschutz-Aktionen. „Diese Nerze sind an die freie Wildbahn nicht gewöhnt, sie laufen auf die Straße und werden überfahren. Und wenn plötzlich 2000 zusätzliche Krötenfresser unterwegs sind, kann das für die Natur nicht gut sein.“ (Von Elinor Wenke)
Der Nerz
Der Nerz ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Charakteristisch ist ein dichtes, wasserabweisendes Fell. Die Färbung variiert von rotbraun über dunkelbraun bis schwärzlich. Wegen ihres Fells werden die Nerze bejagt oder in Pelzfarmen gezüchtet. Zur bevorzugten Nahrung zählen Schermäuse und andere Nagetiere, aber auch Frösche, Vögel, Fische und Krebse. Im Winter halten sie oft ein Loch in der Eisschicht der Gewässer offen, um auch dann tauchend auf Nahrungssuche gehen zu können.
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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