RANGSDORF Zwei Meter langer Wels, Karpfen mit 40 Kilo Gewicht – das alles kommt aus dem Rangsdorfer See. Kein Anglerlatein. Werner Weinert vom Bauhof und seine Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer von Feuerwehr und Anglervereinen, ziehen die Stirn kraus: Solche Mammutexemplare verendeten beim großen Fischsterben in diesem Winter.
Die Gemeinde und Freiwillige schaffen jetzt die Kadaver fort. Gab es in den Tagen nach Sichtbarwerden des immensen Ausmaßes immer wieder Fragen nach Zuständigkeiten und Finanzierung, sagt Werner Weinert nun: „Heute ist mir die Finanzierungskiste fast egal. Der Fisch muss ganz schnell aus dem Wasser, bevor er verwest und zerfällt.“ Umso verstimmter reagierte er als Koordinator der Aktion, als er am Samstagmorgen sah, dass der Fischer nicht, wie gedacht, am Abend zuvor sein Stellnetz am Strandbad eingebracht hatte. Dort lag die größte zusammenhängende Fläche toten Fischs. „Von hier aus sind nun schätzungsweise 20 bis 30 Tonnen in Richtung Krumme Lanke abgetrieben“, so der Bauhofchef. Die werden ab Montag umständlich per Boot zurückgeholt. Die im flachen Gewässer verendeten Fische sind zu groß, um sie mit Keschern zu bergen, per Gaff – einem Haken – werden sie aus dem Nass gehoben. Neben den Welsen sind vor allem Silber- und andere Karpfenarten schwergewichtig. 70 Tonnen Fisch wurden am Freitag zu einer Waldfläche hinterm Sportplatz Lindenforum gefahren, wo der Fisch vergraben werden sollte. Mittags sahen die etwa 50 Mitstreiter, dass das niemals reicht. Die Strabag sprang mit schwerer Technik ein; Bagger und Radlader zerpflügten den aufgeweichten Boden des Strandbades und schafften die unappetitliche Last zu großen Containern, die der Abfallzweckverband bereit stellte. „Jetzt werden die Tierkörper nach Niederlehme geschafft, getrocknet, pelletiert, verbrannt und verstromt“, erklärt Werner Weinert. Wenn der Laster mit dem Container durch den Ort fährt, stinkt es zum Himmel. „Dass so viel Fisch drin ist, hätte ich nie gedacht“, sagt Joachim Dux zu einem Besucher am Strand. Betroffen blicken sie auf die Fischhaufen. Vor allem der ungeliebte, in den 1980er Jahren ausgesetzte asiatische Silberkarpfen türmt sich da, auch Aale, Hechte, Schleie und Zander.
„Wenn wir die Silbernen hier endlich loswürden, hätten wir eine Plage weniger“, meint Weinert. Der Fisch liebt wärmere Gewässer und führt das Fischsterben mengenmäßig stets an. Joachim Dux erinnert sich an das Winterfischsterben 1947 – 20 Tonnen Edel- und Weißfisch lagen an derselben Stelle. „Kürzlich habe ich Fotos von 1928 gesehen, da war es auch so“, fügt der Spaziergänger hinzu. Dann marschiert Dux mit seinem Enkel zur Besichtigung eines großen Welses.
Der Bauhofleiter resümiert gestern Nachmittag: „240 Tonnen Fisch bis jetzt. Ab morgen geht's in die Krumme Lanke und einen Kanal. Wir sind völlig erschöpft.“
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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