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31.03.2010

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ETAT: Suche nach Reserven

Rot-rotes Kabinett beschließt Eckwerte 2011 / Grunderwerbssteuer soll steigen

POTSDAM - Nach den Planungen der Landesregierung wird sich Brandenburg auch im nächsten Jahr weiter verschulden. Das rot-rote Kabinett einigte sich gestern auf die Eckwerte für den Haushalt 2011. Wie Finanzminister Helmuth Markov (Linke) sagte, werde der Etat ein Volumen von zehn Milliarden Euro haben. 500 Millionen davon sollen über neue Schulden finanziert werden. Um die verbleibende Lücke von 333 Millionen Euro zu schließen, habe die Ministerrunde „verschiedene Deckungsvarianten“ diskutiert, so Markov.

So soll, um frisches Geld in die Kasse zu spülen, die Grunderwerbssteuer angehoben werden. Seit 2006 dürfen die Bundesländer den Steuersatz beim Kauf von Grundstücken selbst festlegen. Laut Markov wird erwogen, die derzeit 3,5 Prozent betragende Steuer auf 4,5 Prozent anzuheben. Ein solcher Steuersatz gilt in Sachsen-Anhalt und Berlin. Eine Erhöhung um 0,5 Prozent bringe zehn Millionen Euro, allerdings stehen davon 20 Prozent den Kommunen zu, erläuterte Markov.

Um die Haushaltslöcher zu schließen, sollen zudem für den Digitalfunk der Polizei eingeplante Mittel genutzt werden. Die Einführung des Digitalfunks verzögert sich – auch bundesweit – seit Jahren. Finanzminister Markov hofft auch, dass die Zinsen niedrig bleiben, so dass 2011 Kredite zu günstigen Konditionen umgeschichtet werden können, um Geld zu sparen. Zudem werde überprüft, ob geplante Bauprojekte wirklich erforderlich seien, ob man kleiner bauen oder den Baubeginn über 2011 hinaus verschieben könne.

Erfreut zeigte sich der Minister darüber, dass die Ressorts bei ihren Personalbudgets „hervorragend gewirtschaftet“ hätten. Dadurch könne zur Haushaltsdeckung auf 45 Millionen Euro nicht abgerufener Mittel zurückgegriffen werden. Diese Reserven seien dann allerdings aufgebraucht, bemerkte Markov. Ingesamt müssten die Ressorts und die allgemeine Finanzverwaltung im nächsten Jahr jeweils rund 160 Millionen Euro an Einsparungen erbringen.

Die Landesregierung beschloss gestern auch die Personalbedarfplanung bis 2014. Dann soll es nur noch 45 500 Landesbedienstete geben. Im Vorjahr zählte das Land noch rund 51 500 Vollzeitmitarbeiter. Brandenburg hat damit 19,9 Landesbedienstete pro Einwohner, das als Vergleichsland geltende Schleswig-Holstein aber nur 16,5. Wie der Finanzminister unterstrich, werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Niemand werde entlassen, aber auch nicht jeder nach seinem Ausscheiden aus dem Landesdienst ersetzt. Gemäß den Prioritäten der Koalition würden neue Lehrer eingestellt und alle 579 Polizeianwärter in den Landesdienst übernommen. Daneben sollen in diesem Jahr 170 Stellen für Nachwuchskräfte und 767 Stellen für Spezialisten eingerichtet werden. Ausgebildet werde erstmals nach fünf Jahren auch wieder im Steuerwesen. Das Land hält nach Angaben des Finanzministers in diesem Jahr 1542 Ausbildungsplätze bereit. (Von Volkmar Krause)


Der Schuldenberg wächst

  • Die Eckpunkte des Haushalts 2011 – der Landtagsbeschluss darüber ist für Jahresende vorgesehen – orientieren sich an der im Februar beschlossenen mittelfristigen Finanzplanung, wonach die Nettokreditaufnahme von 2011 an jährlich um 150 Millionen Euro sinken soll, um ab 2014 ganz auf neue Schulden verzichten zu können. Für das laufende Jahr soll der Haushalt – er wird voraussichtlich im Mai vom Landtag beschlossen – rund 10,5 Milliarden, die Neuverschuldung 650 Millionen Euro betragen. Auch der Haushalt 2011 legt den Schwerpunkt auf Bildung, Wissenschaft und Forschung. So sollen noch einmal 40 Millionen Euro für Kindertagesstätten und 5,5 Millionen Euro für Hochschulen und Forschung bereitgestellt werden.
  • Der Schuldenberg des Landes wird bis 2014 von jetzt 18,3 Milliarden Euro auf gut 20 Milliarden Euro anwachsen.
  • Die Opposition hatte SPD und Linkspartei kürzlich vorgeworfen, die Neuverschuldung ohne Not nach oben zu treiben. Aus Sicht der CDU hätte die Aufnahme neuer Kredite in diesem Jahr bei 450 Millionen Euro begrenzt werden können. Die Bündnisgrünen sehen gar nur 215 Millionen Euro als völlig ausreichend an. V.Kr.


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