POTSDAM - Als endlich die Preisvergabe naht, bringt der Jury-Vorsitzende Martin Klein die Qualen der Auswahlkommission auf den Punkt: „Gerecht kann es nie sein, wenn vier Preise auf 13 so unvergleichliche Texte verteilt werden müssen.“ Prosa und Lyrik auf sehr hohem Niveau haben die 13 Nominierten für den Theo-Preis für junge Literatur in Berlin und Brandenburg an diesem strahlenden Sonntagvormittag in der Potsdamer Staatskanzlei vorgetragen. Es ging um Pechmenschen, sprechende Bücher und verliebte Möpse, es gab Liebes- und Horrorgeschichten und Gedichte mit Gänsehautgarantie.
Ulrike Erdmann vom Verein Schreibende Schüler e.V., der die Veranstaltung zusammen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert, sagt: „In der Haut der Jury möchte ich nicht stecken.“ In diesem Jahr sind ausschließlich Mädchen nominiert worden, was auch immer wieder betont wird. Nächstes Jahr will man wieder mehr Jungs zum Mitmachen bewegen. Die Mädchen haben davon ungerührt souverän, fehlerfrei und oftmals mitreißend vorgelesen. Ja, die Jury hat es schwer. Für die Angehörigen scheint die anstehende Preisvergabe derweil fast aufwühlender zu sein als für die Kandidatinnen selbst – aufgeregt geben sie beim Mittagssnack ihre Tipps ab, wer es werden könnte.
Vier Theos sind zu gewinnen: Je einer bei den neun- bis Zwölfjährigen, 13- bis 15- und 16- bis 19-Jährigen. Außerdem gibt es in diesem Jahr erstmals einen Lyrikpreis. Einen Theo holt sich schließlich die zehnjährige Marie Gerda Kühn aus Berlin mit ihrer witzigen und hinreißend vorgetragenen Geschichte „Luzi und das Großtantenbuch“. In der mittleren Gruppe gewinnt mit der 13-jährigen Lilith Fichtmüller aus Schönow bei Bernau eine Brandenburgerin. „Der Schneemann“ ist laut Martin Klein „fast schon im Horrorgenre anzusiedeln“. Ebenfalls eine Brandenburgerin bekommt den Theo bei den Älteren: die 19-jährige Julia Baum aus Heckelberg bei Bad Freienwalde. „Von Abkürzungen und Umwegen“ erfüllt laut Jury alle Kriterien von „klassischer Short Story, Roadmovie und großem Kino“.
Nur mit Mühe habe er körperliche Auseinandersetzungen verhindern können, sagt Klein vor der Vergabe des Lyrikpreises. Da tobt der Brandenburgsaal bereits vor Aufregung und Begeisterung. Die 15-jährige Josefine Berkholz aus Berlin bekommt ihn schließlich für ihr Gedicht „An die Stadt“, eine poetische Hommage an Berlin. Die 17-jährige Marie Michael aus Töpchin verpasst mit ihrem Gedicht „randlos“ den Lyrik-Theo knapp.
Bevor es zum Sektempfang geht, ruft der Juror noch an die Adresse der in diesem Jahr nicht in der Endrunde vertretenen männlichen Kandidaten: „Jungs, wir holen euch!“ (Von Nora Schareika)