BRÜSSEL - Die Griechenland-Krise hat sich am Wochenende dramatisch auf den ganzen Euro-Raum ausgeweitet und die EU zu hektischen Rettungsbemühungen gezwungen. Unmittelbar vor der Öffnung der asiatischen Börsen in der Nacht zum heutigen Montag vereinbarten die Finanzminister der 27 Mitgliedstaaten und die Kommission in einer eilig einberufenen Krisensitzung einen Hilfsfonds für weitere EU-Staaten, die vom Staatsbankrott bedroht sind. „Wir senden den Finanzmärkten ein klares Signal“, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. „Kein Land wird fallengelassen.“ Kommissionspräsident José Manuel Barroso unterstrich: „Wir werden mit allen Mitteln um den Euro kämpfen.“
Ab heute können vom Bankrott bedrohte Länder die Kommission um Hilfe bitten. Um zu verhindern, dass sie Geld nur noch mit hohen Risikozuschlägen leihen können, ermächtigten die Finanzminister der EU die Kommission, sich bis zu 70 Milliarden Euro am freien Markt zu beschaffen und diese dann den Ländern zu normalen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wären Hilfen der Europäischen Zentralbank möglich, die Staatsanleihen aufkaufen würde, so dass die EU insgesamt ein Paket von rund 600 Milliarden Euro geschnürt hätte. Auch ein Europäischer Währungsfonds war bis zuletzt im Gespräch.
Die Lage hatte sich während des abendlichen Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in der Nacht zum Samstag zugespitzt. Dabei waren neue Informationen beispielsweise über US-Hedgefonds wie FX Concepts bekannt geworden, die gezielt auf einen Euro-Crash wetten. Frankreichs Börsenaufseher Jean-Pierre Jouyet sprach daraufhin von „einer bisher unbekannten neuen Art des Krieges gegen die Märkte.“ Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte von seinen Kollegen eine „Generalmobilmachung“. Schwedens Finanzminister Anders Borg nannte die Spekulanten am Sonntag gar „ein Wolfsrudel. Wenn wir diese Rudel nicht stoppen, werden sie die schwächeren Länder zerreißen.“ Man vereinbarte, einen Stabilisierungsmechanismus zu installieren. Die spanische Finanzministerin und amtierende Ratsvorsitzende Elena Salgado sagte bei dem Treffen: „Wir werden den Euro verteidigen.“ Ziel sei es, „unserer Währung mehr Stabilität zu geben“.
Tatsächlich drohte die Lage ohne Eingreifen der Gemeinschaft weiter zu eskalieren. Der Euro, der am Freitag mit 1,27 Dollar notiert wurde, wäre möglicherweise auf unter 1,20 abgerutscht, die Inflation drohte, auf drei bis vier Prozent zu steigen.
Währenddessen nahm das Hilfspaket der Euro-Staaten für Griechenland am Wochenende die letzten Hürden. Die Staats- und Regierungschefs segneten die Hilfszusagen über 80 Milliarden Euro bis 2012 ebenso ab wie die zusätzlich 30 Milliarden des Internationalen Währungsfonds. Was die „Gegenoffensive“ der EU wert ist, wird sich heute zeigen, wenn die Börsen öffnen und der Finanzmarkt die neue Woche beginnt. (Von Detlef Drewes)