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12.05.2010

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VATERTAG: Eintritt nur für Väter

Im Café „Papaladen“ treffen sich Männer mit ihren Kindern – Frauen müssen draußen bleiben

BERLIN - Berliner Väter sind spitze, findet Marc Schulte. Nirgendwo sonst in Deutschland würden sich so viele Männer Zeit für ihren Nachwuchs nehmen und Elternteilzeit nutzen. „Mit 25 Prozent liegt Berlin diesbezüglich bundesweit vorn“, so Schulte. So einzigartig wie diese Quote ist auch das Café „Papaladen“, das der 43-Jährige seit zwei Jahren leitet. Täglich kommen bis zu 20 Männer in die Einrichtung des Berliner Väterzentrums. Zumindest an Werktagen müssen Frauen draußen bleiben. „Das sagen wir natürlich mit Augenzwinkern. Schließlich kommen die meisten Väter auf Empfehlung von Frau oder Freundin zu uns“, erklärt Marc Schulte.

Der „Papaladen“ im Prenzlauer Berg biete Vätern einen Ort für Austausch, Information sowie Spaß und Spiel mit ihren Kindern, inklusive Wickeltipps. Einmal im Monat kommt ein Kinderarzt. Die meisten Gäste stammen aus dem Kiez, ein paar aus Mitte und Friedrichshain. Aber Väter aus Königs Wusterhausen, Potsdam und Erkner wurden auch schon auf das Angebot aufmerksam.

Dienstagvormittag ist der Treff rappelvoll. Zwei Männer tauschen sich über den FC Bayern München aus, während die Sprösslinge toben. Zwei andere Väter füttern ihre Söhne, andere spekulieren über Karrierechancen im Job. Fast alle Besucher haben eines gemeinsam: Sie nutzen Elternzeit oder haben sie gerade hinter sich. „Woanders sind Väter in Elternzeit Exoten, hier dagegen ganz normal“, so Thorsten Springer, der mit seinem Sohn seit drei Monaten ins Café an der Marienburger Straße kommt. Der Austausch sei nicht nur auf die Kinder fixiert. „Es geht auch um Stress mit Ämtern oder Jobsuche“, so Springer. Er selbst habe einen kulanten Chef. „Ich nehme quasi Elternteilzeit, arbeite 30 Stunden in der Woche“, so der 37-jährige Hesse. Job und Familie unter einen Hut zu bringen, sei ein Spagat.

Für Björn Rebner war der „Papaladen“ anfangs wie eine Therapie. „Ich kann hier Alltagssorgen loswerden und komme mal aus der heimischen Küche“, lacht der 41-Jährige. Auch andere Väter erklären, dass ihnen manchmal die Decke auf den Kopf fällt. Mal ein paar Stunden ganz ohne Frau beziehungsweise Freundin – das sei schon okay, ist in der Runde zu hören. „Bei Frauen greifen häufig Mutterinstinkte. Sie sehen überall Gefahren, was Kinder mitunter unruhig macht“, so ein junger Mann mit Augenzwinkern.

Akademiker sind im Café in der Mehrheit, was von vornherein so nicht geplant war. „Nun ist es aber so und es ist auch okay“, sagt Schulte. Grundsätzlich sei jeder Vater willkommen.

Der Treff ist ein Erfolgsmodell. Als solches musste er nicht lange auf den Zuspruch von Politikern warten. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gratulierte Ende 2009 dem „Papaladen“ höchstpersönlich zur Anerkennung als Ort der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“. Mit seinem Angebot sei das Väterzentrum einzigartig in Deutschland. „Müttern stehen schon lange spezielle Treffpunkte zur Verfügung“, so der Politiker. Väter brauchten diese auch. Mit 90 000 Euro für zwei Teilzeitstellen und Sachmittel trägt der Berliner Senat den Löwenanteil des Jahresbudgets von 110 000 Euro. „Viel läuft über spezielle Förderungen, etwa über die Stiftung „Ein Herz für Kinder“, die unsere Leseecke ermöglichte“, sagt Café-Chef Marc Schulte. Mit Privatspenden stellt der „Papaladen“ Angebote wie den Schnellkurs zur Geburtsvorbereitung auf die Beine. Auch die Carrera-Rennbahn wurde so finanziert. „Ein bisschen Männerspielzeug muss schon sein“, lacht Schulte, selbst Vater von drei Kindern.

Einige Kurse bietet das Väterzentrum auch außerhalb der eigenen Räume an, den Kurs für werdende Väter zum Beispiel an Kliniken. Mit der Industrie- und Handelskammer Berlin organisierten die Väter-Experten den Treff „Die neuen Väter zwischen Beruf und Familie“. Hier geht es auch darum, Firmenchefs für das Thema zu sensibilisieren. Zu den Angeboten im „Papaladen“ gehören auch Rechts- und Sozialberatungen. Mehrmals im Jahr finden Vater-Kind-Reisen statt. Über Himmelfahrt geht es nach Buckow (Märkisch Oderland). „Manchmal müssen wir hier einfach raus – nach Brandenburg, da wo die Abenteuer sind“, sagt Schulte. (Von Jens Rümmler)


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