BERLIN - Louis van Gaal, von vielen ohnehin als arroganter Zeitgenosse eingestuft, gab seinen Kritikern am späten Samstagabend mal wieder kräftig Wasser auf die Mühlen. „Es tut mir leid, aber ich hatte es erwartet“, kommentierte der Trainer des FC Bayern München trocken den klaren 4:0 (1:0)-Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen den SV Werder Bremen. Doch der Holländer hatte auch eine plausible Erklärung für den 15. Pokalsieg seines Vereins parat: „Bremen hat viele kreative Spieler, aber unsere Ordnung war heute besser. Tod oder Gladiolen. Immer, wenn es um etwas geht, kann sich meine Mannschaft steigern.“ Das war in der Bundesliga so, setzte sich im DFB-Pokal beinahe logisch fort und soll am kommenden Samstag im Champions-League-Finale in Madrid gegen Inter Mailand seine Krönung finden.
Das Triple, das noch keiner deutschen Fußball-Mannschaft glückte, ist jedenfalls greifbar nahe. „Wir haben unsere Qualität ausgeschöpft, da kommt auch so ein Ergebnis zustande. Man hat gesehen, dass die Mannschaft etwas schaffen will, was vorher noch keiner geschafft hat“, sagte Auswahlspieler Philipp Lahm. Und Bayern-Präsident Uli Hoeneß schwärmte: „Diese Mannschaft ist spielerisch stärker als die von 2001.“ Damals gewannen die Münchner in Mailand mit Oliver Kahn, Willy Sagnol, Stefan Effenberg, Mehmet Scholl und Giovane Elber die Champions League – durch einen Erfolg im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia.
In Deutschland kann dem FC Bayern mit seinem Hochgeschwindigkeitsfußball und der Flügelzange Arjen Robben (rechts) und Franck Ribéry (links) derzeit jedenfalls keiner mehr das Wasser reichen. Das musste auch der Meisterschaftsdritte Werder Bremen vor 75 420 Zuschauern im Berliner Olympiastadion (an-)erkennen. „Mir war klar, dass wir die eine oder andere Situation überstehen müssen, weil die Bayern top drauf sind. Sie sind in einer hervorragenden Verfassung und haben unglaublich viel Selbstbewusstsein“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf. Aber dass es so dicke kam, hatte wohl auch der alte Pokal-Fuchs nicht erwartet.
Bereits nach zwei Minuten prüfte der überragende Robben mit einem straffen Schuss Werder-Torhüter Tim Wiese zum ersten Mal. Es folgten dicke Chancen für Ivica Olic (24.) und erneut Robben (30.), dem Thomas Müller stark aufgelegt hatte. Die Grün-Weißen konnten dem Angriffswirbel der Roten nur eine Gelegenheit entgegensetzen, als der Ex-Münchner Claudio Pizarro durch die Bayern-Abwehr spazierte und erst an Keeper Jörg Butt scheiterte (8.).
Es ist müßig, zu spekulieren, was nach einer Bremer Führung passiert wäre. Spätestens nach dem 1:0 durch einen von Robben sicher verwandelten Strafstoß (34.) – Per Mertesacker hatte nach einer Drehung von Olic den Ball mit der Hand gespielt – waren die Münchner nicht mehr aufzuhalten. „Wir haben heute nicht dran geglaubt. Es waren zu wenig Nadelstiche“, monierte Schaaf.
Olic, der nach einer Ecke von Robben und einem missglückten Abwehrversuch von Mertesacker den Ball über die Linie stocherte (51.), band den Sack zu. Ribéry erhöhte nach tollem Zuspiel von Abräumer Mark van Bommel auf 3:0 (63.), ehe Bastian Schweinsteiger mit einem Kabinettstückchen den Schlusspunkt setzte (83.). Der Nationalspieler nahm einen Flugball von Lahm seelenruhig mit der Brust an und schob ihn am verdutzten Wiese vorbei ins Bremer Tor.
Die Norddeutschen standen zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt auf dem Platz, da ihr Kapitän Torsten Frings nach einem rüden Foulspiel an Schweinsteiger die Gelb-Rote Karte kassiert hatte (76.). Der Abgang des Mannes mit der Rückennummer 22, der längst auch seinen Platz in der Nationalmannschaft verloren hat, besaß beinahe symbolischen Charakter. Tim Borowski, einst ebenfalls in den Diensten der Münchner, gab zu: „Es war ein völlig verdienter Sieg für die Bayern.“
Die begossen das Double ausgelassen. Erst mit Bierduschen auf dem Rasen, später beim Bankett. „Jeder Titel muss gefeiert werden“, verkündete „Feierbiest“ van Gaal, der nun in drei europäischen Ländern den Pokal gewonnen hat. Ab Mittwoch werde er mit seiner Mannschaft das Champions-League-Finale vorbereiten. Dann heißt es wieder „Tod oder Gladiolen“. (Von Jens Trommer)