POTSDAM - Niedersachsens SPD-Landeschef Olaf Lies ist offensichtlich ein Spaßvogel. Jemand, der die Sorgen der Menschen im Blick habe wie die frühere EKD-Chefin Margot Käßmann müsse Horst Köhler nachfolgen, erklärte er gestern. Die Landesbischöfin von Hannover hatte ihr Amt nach einer Alkoholfahrt mit Verweis auf ihre beschädigte Glaubwürdigkeit im Februar niedergelegt. Ein Vorschlag nach dem Motto: Für die Kirche reicht es nicht, als Bundespräsident geht sie allemal.
Ansonsten sitzen so ziemlich alle im Spekulationskarussell, die sich im Politikbetrieb noch nicht völlig blamiert haben. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff wird genannt und Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU), der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt und Jürgen Rüttgers (CDU), der gerade vom Wähler in Nordrhein-Westfalen kräftig abgestraft wurde.
Kaum verwundert, dass auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles (CDU) Name wieder die Runde macht. Er hatte vor Köhler lange als Favorit gegolten. Fraglich ist aber, ob die Kanzlerin auf ihren starken Minister verzichten will und kann, ob Schäuble sich gesundheitlich in der Lage fühlt für das Amt und ob es ratsam ist, einen Politiker aus dem Pulverdampf des operativen Geschäfts ins höchste Staatsamt zu schicken. Der kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, käme da eher in Betracht. Die honorigen Ex-Minister Rudolf Seiters und Klaus Töpfer (beide CDU) gehören noch in diese Reihe.
Aber vielleicht bleibt die goldene Kugel im Amtsroulette ja auch vor einer Frau liegen: Die Ministerinnen Ursula von der Leyen, Annette Schavan und die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (alle CDU) werden da gehandelt. Und Ex-Viadrina-Rektorin Gesine Schwan (SPD) natürlich. Dass sie als Aushängeschild für Rot-Grün ein drittes Mal antritt, ist aber eher unwahrscheinlich. (rs.)