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08.06.2010

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POLITIK: Piraten veranstalten Bürgermeister-Casting

10 000 Postkarten werden verteilt / Wähler können Kandidaten benennen

Die Piratenpartei in Potsdam sucht einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl. In den nächsten Tagen wollen die Anhänger bis zu 10.000 Postkarten in die Briefkästen verteilt haben. „Darauf können die Bürger ihren Wunsch-Oberbürgermeister notieren“, sagt Marek Thutewohl, der Vorstandsvorsitzende der Potsdamer Parteiorganisation: „Die Leute können auch ihren Nachbarn vorschlagen.“ Alle bis zum 5. Juni wieder bei den Piraten eingehenden Karten werden gesammelt. „Danach veranstalten wir eine Art Casting.“ Damit ist ein Forum gemeint, bei dem sich die vielversprechendsten Kandidaten vorstellen können. „Sie sollen die Fragen des Publikums beantworten.“ Danach können die Wähler einen der Kandidaten für die Wahl nominieren. Derjenige, der die meisten Stimmen erhält, könnte dann für die Piratenpartei ins Wahlrennen gehen. „Oder auch als Unabhängiger“, so Thutewohl, „wie ihm das lieber ist. Wir werden aber auf jeden Fall dann die erforderlichen Unterstützerunterschriften sammeln.“ Bislang sind etwa 9000 Karten verteilt worden, von den 40 Potsdamer Piratenparteimitgliedern beteiligt sich rund ein Dutzend an der Aktion. „In erster Linie geht es uns um mehr Bürgerbeteiligung“, sagt Thutewohl: „Jeder soll und kann sich einbringen.“ Die Leute seien zwar nicht politikverdrossen, aber es herrsche eine gewisse Gleichgültigkeit. „Wir haben ein ganz gutes Echo auf unsere Aktion“, sagt Thutewohl. Etwa 30 Rückmeldungen gebe es: „Wir hatten die Befürchtung, da kommt gar nichts zurück.“

Ein wichtiges Thema ist für den 45-Jährigen die Infrastruktur der Stadt. „Die Straßenverkehrsführung in Potsdam ist nicht besonders klug gelöst. Innerstädtische Straßen werden rückgebaut, ohne Alternativen zu bieten.“ Es gebe jetzt nur noch zwei Durchfahrtstraßen, das sei sehr knapp. Thutewohl kritisiert außerdem den Mangel an Visionen für das gesamte Zentrum. Oberbürgermeister Jann Jakobs stehe er dennoch positiv gegenüber. „Er hat die Sache nicht schlecht gemacht“, sagt das Piratenparteimitglied. Als problematisch sieht er die Kanditatur von Barbara Richstein (CDU). „Es sollte schon jemand sein, der längere Zeit in Potsdam lebt.“

Der politischen Vergangenheit des Kandidaten der Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, steht der Vorstand der Piratenpartei „nicht besonders positiv gegenüber“, wie es Thutewohl formuliert. Scharfenberg war inoffizieller Stasi-Mitarbeiter. „Einen Großteil der Potsdamer wird das sehr wohl interessieren, aber historisch gesehen, stehen sie sowieso recht weit links, diese Mehrheit wird das nicht tangieren.“

Ursprünglich trat die Piratenpartei auf, um Internetthemen in den Vordergrund zu rücken. „Die spielen auch nach wie vor eine große Rolle“, so Thutewohl: „Aber andere Themen sind in der Stadt ebenfalls wichtig.“ (Von Robert Tiesler)


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