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03.06.2010

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ORTSENTWICKLUNG: Paukenschlag im Rathausstreit

Der Eigentümer der historischen Villen zieht sich zurück / Die Dallgower Politiker verlieren ein Lieblingsstreitobjekt

DALLGOW-DÖBERITZ - Ralf Madler zog die Angelegenheit nicht unnötig in die Länge. Er verteilte einen offenen Brief an die Gemeindevertreter und gab ein kurzes Statement ab. Nach zwei Minuten war alles gesagt, und der wichtigste Satz war gleich der erste: „Für die Sperlingshof GmbH will ich bekanntgeben, dass sie das Angebot zum Verkauf der beiden Villen an die Gemeinde zurückzieht.“ Ein Paukenschlag in der seit mehr als einem Jahr währenden Diskussion um den Dallgower Verwaltungsstandort.

Die beiden Villen waren erklärtes Lieblingsobjekt vieler Gemeindevertreter. Die CDU hatte sich für die denkmalgeschützten Häuser eingesetzt, Linke und Grüne hatten sich für die Villen als Verwaltungsstandort ausgesprochen, die FDP war auch dafür.

Verlockend schienen für die Politiker zwei Dinge – die historischen Anmutung und die vergleichsweise niedrigen Kosten: Die Wohnsiedlung Sperlingshof GmbH, der die Villen gehören, hatte Ende April der Verwaltung ein schriftliches Angebot unterbreitet. Die Gemeinde hätte die Villen für 2,25 Millionen schlüsselfertig übernehmen können. Falls der Platz in den Gebäuden der Verwaltung nicht ausgereicht hätte, dann wollte die GmbH auch noch einen zusätzlichen Baukörper aus Glas und Stahl dazwischen setzen – natürlich extra zu bezahlen.

Das klang für einen Teil der Gemeindevertretung überzeugend, für andere nicht. Die Verwaltung zeigte sich auch nur milde begeistert. Denn Bürgermeister Jürgen Hemberger will vor allem deshalb ein neues Rathaus, weil seine Verwaltung derzeit unter akutem Platzmangel leidet und auf drei Standorte verteilt ist, was die Kommunikation und die Abläufe erschwert. Ein Umzug von drei in zwei Gebäude sei daher wenig erstrebenswert. „Wenn man ein Rathaus neu macht, dann soll es auch optimal sein“, sagt er zu dem Thema.

Bauamtsleiterin Sabine Kern hat darüber hinaus wiederholt fachliche Bedenken geäußert. Die Villen stehen unter Denkmalschutz. Das mache eine Nutzung als öffentliches Gebäude schwierig, unter anderem weil die Räume ungünstig geschnitten seien, weil die Folgekosten hoch wären und weil zusätzliche Fluchtwege, Fahrstühle und Rettungstreppen nötig seien – solche Einbauten werden bei Denkmalen nicht leichtfertig genehmigt.

Auch am Dienstag wiederholte sie die Bedenken. Dabei berief sie sich auf eine Notiz aus der Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Diese stütze auch ihre Einschätzung, dass die genannten Ausbaukosten „nicht verlässlich“ seien, so Sabine Kern. Das allerdings sieht Bürgermeister Jürgen Hemberger (FWG) offenbar anders. Er gab zu verstehen, dass er das Angebot Madlers nicht anzweifelt. „Herr Madler ist ein hervorragender Geschäftsmann“, sagte er. „Ich bedaure die Entscheidung, aber ich weiß auch, in welch schwieriger Situation er war“, so Hemberger. Der Bürgermeister bezog sich dabei auf Vorwürfe, die wegen Madlers CDU-Mitgliedschaft mehrfach gegen die Dallgower Christdemokraten erhoben worden waren.

Auch Ralf Madler äußerte sich bedauernd. „Als Dallgower finde ich es schade, weil die Gebäude Charme haben“, sagte er gestern auf Nachfrage. Es gebe aber weitere Interessenten für das Objekt. „Uns stürzt das deshalb nicht in Probleme.“

Bei der politischen Landschaft in Dallgow sieht das anders aus. Dort muss man sich jetzt zwischen zwei Varianten entscheiden, die beide bisher keine Mehrheit gefunden haben – Wilmsstraße und Bahnhofsvorplatz. Wenn überhaupt. Petra Budke (Grüne) hat schon angekündigt, keinem Verwaltungsneubau an anderer Stelle zuzustimmen. Die Schlussworte des Bauausschussvorsitzenden Michael Hornhardt (CDU) klangen nicht wesentlich versöhnlicher: „Frau Kern hat das Projekt von Beginn an torpediert. Wenn wir keine Alternative finden, bleibt die Verwaltung, wo sie ist.“ Heinrich Maidhof (SPD) sprang dagegen dem Amt zur Seite: „Die Verwaltung soll Nutzer des Rathauses sein. Eine Entscheidung über ihre Köpfe hinweg wäre ein Fehler gewesen.“

Zu den verbliebenen Varianten müssen sich die Fraktionen nun erst einmal intern verständigen. Der Frakionschef der Freien Wähler, Thomas Peters, spricht sich auch für fraktionsübergreifende Gespräche aus. So könne vielleicht doch ein Kompromiss gefunden werden, den am Ende alle tragen. (Von Oliver Fischer)


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