ZOSSEN - An der Wand von „Anitas Imbiss“ am Zossener Bahnhof hängen zwei Fotos aus Zeitungsausschnitten. Sie zeigen das brennende und das abgebrannte Haus der Demokratie, das im Januar von jungen Neonazis angezündet worden ist. Auf einem der beiden Stehtische liegen Prospekte und Werbeblätter von einschlägigen Mode-Labels, die speziell Kunden mit rechtsextremistischer Gesinnung ansprechen.
Seit dem 10. Oktober wird der Imbiss von der Frau des Pächters betrieben. Dieser sei bisher noch nicht im Zusammenhang mit den rechtsextremistischen Aktivitäten in Zossen aufgefallen, meint Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B). Nichtsdestotrotz ist dieser Imbiss ein beliebter Treffpunkt der Neonazis. Einer ihrer bekanntesten und äußerlich auch auffälligsten Vertreter, Christoph Schack, arbeitet sogar dort. Was bisher weitgehend unbekannt war, erfuhren die Fernsehleute bei ihren Recherchen: Der Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Imbisspavillon steht, ist der Zossener Autohändler Ralf Markwart. Seit der letzten Kommunalwahl sitzt er für die Listenvereinigung Plan B in der Zossener Stadtverordnetenversammlung.
TV-Journalist Robin Avram und sein Team knöpften sich Markwart und dessen Bruder und zugleich Geschäftspartner vor. Die beiden gerieten offensichtlich in Erklärungsnot. Jedenfalls wollte sich Ralf Markwart gestern gegenüber MAZ nicht dazu äußern. Er sagte nur, dass er seinen Anwalt eingeschaltet habe und gegen den RBB rechtlich vorgehen wolle, weil er sich von den Fernsehleuten überrumpelt und vorverurteilt fühle.
Bürgermeisterin Schreiber berichtete gegenüber MAZ, dass sie davon auch erst vor etwa zwei Wochen erfahren habe. Nach dem Hinweis habe sie sofort gehandelt und mit Markwart gesprochen. Dieser habe kurz danach Strafanzeige bei der Polizei gestellt wegen der dort angeblich stattfindenden Treffen und Versammlungen der Neonazis. Zugleich habe Markwart eine Abmahnung an den Pächter gerichtet und sich von diesem eine Verpflichtungserklärung unterschreiben lassen. Darin wird ihm untersagt, dort entsprechende Versammlungen abzuhalten.
Nachdem sie nun vom RBB-Team erfahren habe, dass dort immer noch Treffen stattfänden, berichtete Schreiber gestern der MAZ, habe sie Markwart informiert. Dieser habe dann gestern seinem Pächter fristlos gekündigt. Sie sei froh, dass die notwendigen Konsequenzen gezogen worden seien, so die Bürgermeisterin.
Offensichtlich hat Markwart aber nicht nur das Imbissgrundstück verpachtet. Jedenfalls bestätigte Christoph Schack gegenüber dem RBB, dass er ihn auch als seinen privaten Vermieter kenne. Dazu, so Schreiber, könne sie natürlich nichts sagen.
Der Fernsehbericht wird heute Abend im TV-Magazin Klartext um 22.15 Uhr im RBB gesendet. (Von Hartmut F. Reck)