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11.06.2010

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POLIZISTEN-PROZESS: Viele Fragen weiter offen

Auch die gestern gehörten Gutachter hatten keine eindeutigen Ergebnisse

SCHÖNFLIEß - Nach dem fünften Tag im Schönfließ-Prozess ist eines klar: Vieles ist denkbar, aber nur wenig steht fest. Sicher ist, dass der 26-jährige Dennis J. am Silvesterabend 2008 von einer Polizeikugel tödlich getroffen wurde, dass der Polizist Reinhard R. diese und sieben weitere abgefeuert hat und dass er sich dabei höchstens 1,50 Meter entfernt vom Jaguar befand, in dem Dennis J. saß. Das Landgericht Neuruppin hörte gestern mehrere Sachverständige. Ob es sich bei dem tödlichen Schuss um Notwehr gehandelt hat, konnte keiner sagen.

Der Schusswaffenexperte des Landeskriminalamtes, Steffen Hanisch, hatte den tödlichen Schuss rekonstruiert und Schussversuche auf eine Jaguarscheibe nachgestellt. Außerdem hatte er mögliche Tatabläufe durchgespielt. „Es sind nur Varianten. Es kann nicht auf den Millimeter festgestellt werden, was passiert ist. Damit müssen wir uns abfinden“, sagte der Vorsitzende Richter Gert Wegner anschließend.

Klare Fakten hatte nur Rechtsmediziner Jörg Semmler zu bieten. Er hatte das Opfer in der Silvesternacht obduziert. Demnach hatte der Schuss auch die Hauptschlagader getroffen und so innerhalb von Minuten zum Tod geführt. „Bemerkenswert“, so Semmler, sei neben einer geringen Dosis Valium die hohe Kokainkonzentration bei Dennis J. gewesen. „Er muss aufgeputscht und berauscht gewesen sein“, sagte der Rechtsmediziner. Er schloss, dass der junge Mann kurzfristig noch handlungsfähig war. „Da spielte die Drogenwirkung sicher eine Rolle.“ Aus seiner Sicht sei eine Position des Schützen oder die Sitzhaltung des Opfers nicht eindeutig zu rekonstruieren. „Jede Haltung, in der er das Auto noch lenken konnte, ist denkbar.“ Ebenso sei es möglich, dass er durch das Kokain überreagiert und aufs Gas getreten habe.

Ein Chemiker des Landeskriminalamtes sprach auch zu den Schmauchspuren an den Händen des Angeklagten Reinhard R. Außerdem wurde noch einmal ein Polizist gehört. Er sagte, dass erst am 5. Januar zu den sechs bekannten, noch zwei Patronenhülsen gefunden worden waren – am Polizeifahrzeug.

Nach der Verhandlung entrollten Freunde des Opfers ein Plakat mit der Aufschrift „Nicht Freund und Helfer, sondern Richter und Henker. Acht Kugeln sind keine Notwehr“. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. (Von Dagmar Simons)


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