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26.06.2010

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VERKEHR: Das Problem wurde unterschätzt

Der neue Großflughafen in Schönefeld wird später fertig / Kritik am Management

POTSDAM/SCHÖNEFELD - Rainer Schwarz ist ein gestandener Flughafenmanager, der Erfahrungen mit schwierigen Fällen hat. Vor 20 Jahren gestaltete Schwarz den Umzug des Flughafens München mit, später führte er den bei einem Brand zerstörten Flughafen Düsseldorf zurück in die nationale Spitze. Doch sein Meisterstück wollte der 53-Jährige als Chef der Berliner Flughäfen mit dem Bau des neuen Flughafens BBI in Schönefeld (Dahme-Spreewald) machen. Schwarz versicherte gebetsmühlenartig, das 2,5-Milliarden-Euro-Projekt liege im Zeit- und Kostenrahmen. Spätestens seit gestern ist das Makulatur. Wegen nicht aufzuholender Planungsrückstände hat der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft die Eröffnung von BBI um sieben Monate auf den 3. Juli 2012 verschoben.

Die Kritik an Schwarz wird lauter – zumindest zwischen den Zeilen. Mit einer Verzögerung um ein halbes Jahr liege man zwar noch in einem akzeptablen Zeitrahmen, sagt der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. „Weitere Verzögerungen darf es aber nicht geben“, fügte er hinzu. Der Aufsichtsrat habe Schwarz auferlegt, häufiger als bisher über die Lage am BBI Bericht zu erstatten, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). „Das halte ich auch für erforderlich.“

Schwarz wird vorgeworfen, die Auswirkungen der Pleite eines der drei Planungsbüros unterschätzt zu haben. Das Büro hatte bereits im Februar Insolvenz angemeldet, doch noch zum Richtfest für das Terminalgebäude am 7. Mai vertraute Schwarz den Aussagen der beiden anderen Büros, man könne die Arbeit des ausgefallenen Partners mit erledigen. Und dass die im BBI geplanten Sicherheitskontrollen nicht den neuen, ab 2013 gültigen EU-Standards entsprechen und vergrößert werden müssen, ist Schwarz nach eigener Aussage erst bei einem Gespräch mit der Bundespolizei Ende Mai klargeworden. In der Branche wird aber schon seit mehr als einem Jahr über die Vorschriften diskutiert.

Bei den Fluggesellschaften wird die Verzögerung unterschiedlich aufgenommen. Sie sei ein Rückschlag für die Entwicklung des Luftverkehrs in der Region, sagt Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack und ergänzt: „Für uns ist da das letzte Wort noch nicht gesprochen“. Air Berlin sei der größte Kunde der Flughafengesellschaft und habe viel Geld investiert, um die Stadt zum Luft-Drehkreuz auszubauen. Erst mit der Eröffnung des BBI zahlten sich diese Investitionen aus. Für die durch die Verzögerung entstehenden Kosten werde man Kompensationen verlangen.

Gelassener ist man bei der Lufthansa. „Das ist für uns kein Beinbruch“, sagt Sprecher Wolfgang Weber. Wichtig sei vor allem, dass mit dem Tag der Eröffnung alles funktioniere. Einen Pannenflughafen wolle man sich nicht leisten. Ohnehin verweisen Branchenexperten darauf, dass eine Eröffnung im Sommer günstiger ist als im Winter, weil dann das Wetter stabiler ist und der Betrieb reibungsloser läuft.

Dem Billigflieger Easyjet ist die Verzögerung bei BBI im Prinzip egal. „Wir haben Zeit“, sagt Deutschland-Chef Thomas Haagensen. Derzeit fliege man vom alten Flughafen Schönefeld, dort sei man sehr zufrieden. Wichtig sei Easyjet nur, dass durch die Verzögerung keine zusätzlichen Kosten entstehen. Vor diesem Hintergrund bereite dem Unternehmen die von der Bundesregierung geplante Luftverkehrsabgabe viel größere Sorgen, so Haagensen.

Die Deutsche Bahn schließlich kann sich sogar über die Verzögerung freuen. Denn dadurch wird die östliche Bahnanbindung des BBI pünktlich zur Eröffnung des Großflughafens fertig. Bis März 2012 werde die Trasse auf jeden Fall fertig sein, so Bahn-Sprecher Michael Baufeld. (Von Ulrich Nettelstroth und Martin Usbeck)


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