Es war die Startnummer 4180, die Leandra Lorenz am Freitagabend bei der Preußenmeile Glück brachte. Die Elfjährige hatte bei den Schülerinnen C sämtliche Konkurrentinnen in 6:56 Minuten abgehängt. Die Runde durch die Potsdamer Innenstadt maß für Starterinnen dieser Altersklasse lediglich 1,8 Kilometer. Für Leandra aus Kleinmachnow reichte diese Entfernung vermutlich nicht mal richtig zum Warmwerden. Schließlich ist die Athletin, die seit zwei Jahren die Laufschuhe schnürt, ganz andere Distanzen gewöhnt.
Wie 2009. „Da habe ich den Mini-Marathon in Berlin gewonnen“, berichtet Leandra, die beim Kleinmachnower Laufclub trainiert. Mit ihren Erfolgen möchte sie eigentlich nicht so herausplatzen. Doch die können sich sehen lassen. Beim Haveluferlauf im April ließ Leandra in ihrer Altersklasse alle übrigen Starterinnen stehen. Bei den jüngst ausgetragenen Landesmeisterschaften sprang Silber über 800 Meter für sie heraus. Erst unter der Woche konnte sie in Kleinmachnow beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ über 4,2 km den Sieg davontragen.
Vor Leandra war ihre drei Jahre jüngere Schwester Leonie bei den D-Schülerinnen mitgeflitzt. „Wir laufen beide gerne“, sagt die Kleine. „Aber ich gehe genauso gern zum Ballett“, fügt sie keck hinzu. Wenn Leandra nicht gerade ein paar Kilometer unter die Laufschuhe nimmt, dann steht sie ebenfalls an Reling und Spiegelwand und übt Tanzschritte. „Außerdem reite ich gern“, berichtet die Fünftklässlerin. Was sie denn von diesen anspruchsvollen Sachen am liebsten habe? „Alle drei“, mag sie keinen Favoriten nennen. Es wird womöglich das Laufen sein. Denn am Wochenende hat sie sich schon wieder einen Wettkampf vorgemerkt: den Lauf durch die Parforceheide. Da will Leandra dann ordentlich Ballett auf der Strecke machen.
Elterliche Unterstützung auf der Strecke hatten die beiden Mädchen schon einmal gar nicht nötig. „Aber Mama läuft auch gern“, verrät die achtjährige Leonie. „Zuletzt bin ich beim Nordahl-Grieg- Lauf mitgerannt“, erzählt Andrea Lorenz. Einen Halbmarathon oder noch mehr würde sie nicht angehen. „Da ist mir einfach zu lang.“ Ihr Mann Matthias beteiligt sich gern an Teamläufen und steigt auch aufs Rad. „Im Sommer trete ich beim 24-Stunden-Radrennen auf dem Nürburgring an“, berichtet er über seine nächste große sportliche Herausforderung. „Ich bin nicht so ein harter Trainingstyp. Bewegung soll Spaß machen“, beschreibt er seine Motivation.
Während Siegerin Leandra noch ein bisschen durchschnauft und ein Stück frische Melone verdrückt, steht in der Nähe eine kleine, schlanke schwarze Frau. Das Laufgeschehen lässt sie noch ziemlich unbeteiligt. Im Hauptlauf über die Preußenmeile wird sich wenig später die Kenianerin Caroline Chepkwony durchsetzen. (Von Ralf Thürsam)