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09.07.2010

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GESUNDHEIT: In Brandenburg wird lehrgetrunken

Brandenburgs Schüler dürfen unter Aufsicht trinken / Das soll vor Alkoholexzessen schützen

POTSDAM -  Es erinnert auf den ersten Blick an jene legendäre Unterrichtsstunde in der „Feuerzangenbowle“, in der Lehrer Bömmel seinen Schülern je nur einen „wänzigen Schlock“ verabreicht, um das Wunder der alkoholischen Gärung zu demonstrieren. Die Stunde endet bekanntlich im Chaos. Droht das auch an Brandenburger und Berliner Schulen?

Das Alkohol-Präventionsprojekt „Lieber schlau als blau“ läuft seit Herbst 2008 in Brandenburg an einigen Schulen bisher eher geräuschlos. Nun, da es nach Berlin exportiert werden soll, regt sich Protest. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ist entschieden gegen das Brandenburger Modell: „Die Erkenntnis, dass Alkohol schädliche Wirkung hat, muss nicht jeder im Selbstversuch gewinnen.“

Denn das ist der Kern von „Lieber schlau als blau“: Jugendliche trinken unter pädagogischer Aufsicht Alkohol, um dessen Wirkung kennenzulernen und kritisch einschätzen zu können. Der sogenannte Trinkworkshop findet außerhalb der Schule, etwa in Jugendclubs oder Gaststätten statt. Dabei trinken 16 bis 17jährige zwei bis drei Trinkeinheiten, sprich: zwei bis drei kleine Bier, erklärt Simone Schramm von der Suchtpräventionsfachstelle, die das Projekt betreut. „Die Jugendlichen sind beschwipst, nicht betrunken.“ Vor, während und nach dem Trinken machen die Schüler Konzentrationsübungen. Alles wird per Video festgehalten, um den Jugendlichen hinterher zu demonstrieren, wie Alkohol wirkt.

Dass Schüler mit solchen Experimenten womöglich auf den Geschmack gebracht werden, hält Schramm für ausgeschlossen. „Es dürfen nur Schüler teilnehmen, die schon Alkohol konsumiert haben“, sagt sie. Ohne Erlaubnis der Eltern darf niemand mitmachen. „Alle Appelle an Jugendliche, mit dem Trinken nicht so früh anzufangen, fruchten nicht“, begründet Schramm den Ansatz. „Wir müssen die Jugendlichen da abholen, wo sie stehen.“

Alkoholmissbrauch ist ein in Brandenburg dramatisch wachsendes Problem. Vor zehn Jahren wurden pro hunderttausend Einwohner 127 Jugendliche unter 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. 2008 waren es 423.

Als „Lieber schlau als blau“ kürzlich Berliner Eltern vorgestellt wurde, seien diese sehr aufgeschlossen gewesen, meint Schramm. Die Senatsverwaltung warnt vor dem Experiment, weil es der Präventionsstrategie des Landes zuwiderlaufe. Und die heißt: Schüler sollen möglichst lange vom Alkohol ferngehalten werden. Schramm kennt diese Skepsis. Auch in Brandenburg musste sie Anfangs Vorbehalte ausräumen. Sie sagt: „Für die Jugendlichen ist die Teilnahme am Projekt eine intensive Erfahrung, da kommen die Probleme wirklich auf den Tisch, ohne erhobenen Zeigefinger.“

Marie Luise von Halem, schulpolitische Sprecherin der Brandenburger Grünen, kritisiert, es sei eine archaische Vorstellung, Jugendliche durch Abschreckung zu schützen. Ausschließen, dass bei den pädagogischen Trinkexperimenten am Ende mehr herauskommt als ein Brummschädel, will sie jedoch nicht. Sie wünscht sich aber mehr Aufklärung über das Projekt, das aus ihrer Sicht „sehr viele Fragen aufwirft“.

Ulrike Witt, Sprecherin des Landesschülerrats, hat selbst noch nicht an einem der Trinkworkshops teilgenommen. Sie kann sich vorstellen, dass man damit mehr erreicht, als mit gut gemeinten Appellen oder mit Aufklärung im Frontalunterricht. „Alkoholmissbrauch ist ein sehr wichtiges Thema, das muss man so behandeln, dass man Jugendliche auch erreicht“, sagt sie. Für viele Schüler gehört Alkohol zum Feiern einfach dazu. „Das geht schon in der Sekundarstufe eins los.“ (Von Torsten Gellner)


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In diesem Forum gibt es 4 Einträge

» bachseba | 09.07.2010, 09:35

Trinken lernen


Gute Idee. Wer sich einmal regional mit der Frage beschäftigt, wo denn der Jugendalkoholismus in Europa am dramatischsten ist, wird ein Nord-Süd-Gefälle feststellen. In Südeuropa ist ein moderater, niedrigprozentiger Alkoholkonsum (Wein mit Wasser zum Essen) auch für ältere Kinder normal. Sie trinken nicht heimlich und lernen den Umgang mit Alkohol in der Familie, unter Kontrolle. Nach Norden steigt die Restriktion und auch die Exzessdichte.
Da wir aber in Deutschland lieber eine entmündigende Verbotskultur (staatlich gelenkt udn kontrolliert) als eine Lern- und Lebenskultur haben, werden derartige Ansätze zur Mündigkeitserziehung lieber weggewischt.
Natürlich haben wir in Brandenburg auch bei Eltern oft eine Kultur exzessiven Alkoholkonsums, so dass diese als Lehrer (im italienischen Sinne) nicht sonderlich tauglich sind. Insofern ist dem Projektansatz einer rationals gestützten Selbstreflexion von Alkoholkonsum zur zuzustimmen. Das bringt aber nur wenig, wenn es nicht in ein allgemeines Klima der Rückkehr zum Leitbild des mündigen Bürgers eingebunden wird. Ob da die Menschenbeglücker aus der Politik, die immer glauben zu wissen, was gut "für die Menschen da draußen" ist. Aber die Hoffnung sollte man nicht aufgeben, dass Vernunft, Mündigkeit und Freiheit einmal gesellschaftliche Leitbilder werden.

» Investor | 09.07.2010, 16:37

Neuer Versuch?


Nachdem in der Hauptsache die sogenannten Grünen an der Spaltung der Gesellschaft meisterlich mitgewirkt haben,ist es nun schon fast erheiternd die Ansichten von Frau Halem zu erfahren.
Den Eltern wurde doch fast die ganze Verantwortung zur Kindererziehung entzogen.
Kinder dürfen alles. Das war und ist die Maxime des grünen Molochs.
Familie ist überholt.Eltern brauchen wir nicht mehr.Der Schutz der Kinder geht über alles.
Aber es hat nicht funktioniert.
Hunderttausende von Sozialarbeitern,zigtausend Gesetze können eine funktionierende Familie nicht ersetzen.
In meiner Familie gab es nie ein Alkoholverbot.
Beide Kinder, 20 und 15 Jahre alt, rühren keinen Tropfen an.Obwohl jederzeit die Möglichkeit dazu besteht.
Kinder müssen lernen (Erwachsene auch)mit Dingen umzugehen,damit zu leben.
Ein Übungstrinken mit destruktiven Sozialarbeitern wie es hier angeboten wird,kann ich nur ablehnen.
Alice Schwartzer läßt grüßen!

» Viktor28 | 10.07.2010, 07:49

Drogen


Jetzt will man die Kinder schon unter Drogen setzen.

» Viktor28 | 10.07.2010, 07:53

Alkohol


Beim rauchen in der Kneipe gings ja auch .Warum schafft man den Alkohol nicht ab? Alle wissen es ist Ungesund Alkohol zu trinken aber es wird weiterhin verkauft .

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