ORANIENBURG - Die Kreischefin der Linken, Gerrit Große, hat ihr Kreistagsmandat überraschend niedergelegt. Grund ist ein Geschäftsordnungsantrag, den zwei NPD-Kreistagsabgeordnete auf dem Kreistag am Mittwochabend eingereicht hatten. Sie hatten darin die sofortige Abstimmung über den Austritt des Landkreises aus dem Brandenburgischen Volkshochschulverband gefordert. Während sich die SPD enthielt, stimmten CDU und FDP sowie Teile der Grünen/Unabhängige-Bürger-Fraktion dem Antrag zu. Für Gerrit Große ein unerhörter Vorgang.
Sie sieht darin eine Abmachung zwischen den Kreis-Fraktionen, NPD-Anträge grundsätzlich abzulehnen, gebrochen. Ein solcher Fall sei ihr weder auf der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten noch in ihren zehn Jahren als Landtagsabgeordnete untergekommen, sagte Große gestern auf einer Pressekonferenz. „Dort haben die demokratischen Parteien geschlossen jeden Antrag von rechtsextremen Parteien abgelehnt.“
Zum Austritt aus dem Volkshochschulverband hätte sie sich am Mittwoch noch einmal äußern wollen. „Hier im Kreistag wird mir quasi das Wort entzogen, und die Demokraten stimmen dem zu“, sagte Große. „Für mich ist damit eine Schmerzgrenze überschritten.“
Parteikollegen hatten versucht, die Kreischefin und Landtagsvizepräsidentin von ihrem Entschluss abzubringen. Ohne Erfolg. Der Schritt sei ihr nicht leicht gefallen, betonte die sichtlich bewegte Politikerin.
Gleichzeitig räumte sie ein, dass sie die Arbeit im Kreistag in den vergangenen 20 Jahren viel Kraft gekostet habe. Große sprach von fehlendem Respekt und davon, dass die anderen Parteien die Linke quasi boykottierten. Die Zustimmung zum NPD-Antrag sei nun der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.
Politiker im Kreis haben für Großes Rücktritt kein Verständnis. Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD) sprach von einer „Flucht aus der Verantwortung“. Er vermute, dass Große nach dem Kreistags-Vortrag von Altlasten-Experte Wolfgang Spyra zur Bombenproblematik in Oranienburg begriffen habe, dass sie den Spagat zwischen ihren Verpflichtungen gegenüber der rot-roten Landesregierung einerseits und dem Kreistag andererseits nicht mehr aushalten könne.
SPD-Fraktionschef Andreas Noack sagte, die Zustimmung zum NPD-Antrag sei „natürlich bedauerlich“. Er betonte, dass es bei dem Antrag aber um nichts Inhaltliches ging, sondern um die Geschäftsordnung. Er glaube, dass nicht alle begriffen hätten, dass der Antrag von der NPD eingereicht worden war. Große habe es mit ihrem Rücktritt nun aber geschafft, der NPD eine Bühne zu bieten. In die gleiche Richtung ging CDU-Fraktionschef Wolfram Sadowski. „Es wäre sauberer gewesen, dem NPD-Antrag nicht zuzustimmen“, gestand er den Fehler ein. Große habe die NPD mit ihrem Rücktritt nun aber quasi geadelt.
FDP-Fraktionschef Helmuth Reitmayer ging weiter. „Die Linke hat den wenigsten Grund, das Maul aufzureißen“, sagte er. Er wirft der Partei vor, nicht auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. „Eine linksextreme Partei ist mir genauso unsympathisch wie eine rechtsextreme“, so Reitmayer. Und wer im Glashaus sitze, solle nicht mit Steinen werfen.
Für Gerrit Große soll nun Wolf-Dieter Alte in den Kreistag nachrücken. Der MAZ sagte der 67-jährige Lehnitzer gestern: „Ich müsste mir das reiflich überlegen.“ In der Vergangenheit habe die Arbeit im Kreistag zumindest keinen Spaß gemacht. (Von Sebastian Meyer)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
» weiter