POTSDAM / SCHLAATZ - Da rann der Schweiß schon beim Zuschauen: Bei schönster Hitze schleppten Mädchen und Jungen gestern Bretter, Paletten und meterlange Hölzer ins Nuthewäldchen, in dem in den nächsten beiden Wochen wieder die „Stadt der Kinder“ entsteht. Doch nicht alle Kinder buckelten Baumaterial, manche brachten mit Filzstift die Entwürfe zu Papier, nach denen die Bretter dann Gestalt annehmen und zu Feuerwache, Kino, Schule, Krankenhaus oder Kirche emporwachsen sollen. Rund 150 Kinder sind bei der fünften Auflage dabei, sagte Mitorganisatorin Barbara Rebehn, Geschäftsführerin des Bürgerhauses am Schlaatz. Etwa ein Drittel kommt aus dem Schlaatz und der Waldstadt, die anderen aus dem restlichen Stadtgebiet. Damit auch alle Kinder mitmachen können, die wollen, ist die Teilnahme wie in den Vorjahren kostenlos.
In den nächsten Tagen zimmern die Sechs- bis Zwölfjährigen ihre Wunschstadt, in der am Freitagvormittag Richtfest gefeiert wird. Kommende Woche können sich die Grundschüler in verschiedenen Workshops, etwa beim Ritter- und Theaterspielen, ausprobieren. In Miniaturform wird städtisches Leben geübt – mit Geld, Berufen, Läden, demokratischen Entscheidungsstrukturen.
Gestern wurden die Kinder erst einmal in Baugruppen eingeteilt, die von je einem Erwachsenen betreut werden, der bei Bedarf Tipps beim Umgang mit Hammer und Nägeln gibt. Barbara Rebehn freute sich gestern über bis zu 40 Helfer, die von beteiligten Einrichtungen wie den Kinderklubs „Unser Haus“ und „Einsteinkids“ kommen und als Ehrenamtliche das Projekt unterstützen.
Welche Gestalt ihr Holzhaus annehmen wird, wissen Anna-Lena (9), Helene (9) und Juli (8) zwar noch nicht, die Funktion haben die Mädchen jedoch schon geklärt: „Es wird ein Wohnhaus, wir wollen auch Hochbetten bauen“, erzählte Juli. Und der Anstrich? „Blau, gelb, vielleicht auch rot oder grün, irgendwie bunt, aber nicht zu doll“, überlegte Helene. Schon zum dritten Mal nimmt Anna-Lena an Potsdams größter Ferienaktion teil. Nicht nur das Werkeln steht bei ihr hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr gab es einen Zirkus-Workshop, der in eine Aufführung mündete: „Das war toll.“
Besuch gab es kurz nach der Eröffnung von der Brandenburger Bundestagsabgeordneten Diana Golze (Linke), die die Kinder lobte: „Klasse, dass ihr euch ein Stück Stadt selbst erobert.“ Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin brachte den jungen Handwerkern ausrangierte Töpfe mit. Die sollen künftig als „Krachmachinstrumente“ dienen, erklärte Barbara Rebehn. Gesucht werden außerdem kleine Glasflaschen, große Joghurtbecher, Konservenbüchsen, Kronkorken für eine Murmelbahn, Papprollen sowie für eine „Strickaktion“ Wolle und Stricknadeln.
Die Bauspielaktion wird vom Jugendamt mit 8000 Euro unterstützt. Hinzu kommen großzügige Rabatte, etwa vom Babelsberger Baustoffhandel Brun & Böhm, sowie Sach- und Geldspenden. Wie in den vergangenen Jahren dürfen am Ende der zweiten Woche Eltern sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen die Holzhütten ersteigern. Was keine Abnehmer findet, landet auf dem Abenteuerspielplatz „Blauer Daumen“ in der Steinstraße.
„Stadt der Kinder“, Nuthewäldchen hinterm Bisamkiez, Freitag, 11 Uhr, Stadtfest; 22.Juli, Lichterfest, 17 Uhr. (Von Ricarda Nowak)
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