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15.07.2010

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VERBRECHEN: Familiendrama in der Waldsiedlung

28-jähriger Sohn tötet seine Eltern und zerstückelt die Leichen

RATHENOW - Am Dienstagnachmittag war es mit dem Frieden in der sonst so beschaulichen Waldsiedlung vorbei. Im Minutentakt bogen Polizeifahrzeuge in die Schillerstraße ein und stoppten vor dem Grundstück mit der Nummer 17. Ein Nachbar hatte die Beamten alarmiert, weil er die Besitzer des Hauses, eine 60-jährige Frau und ihren 67 Jahre alten Ehemann, längere Zeit nicht mehr gesehen hatte.

Die Besorgnis des Nachbarn war berechtigt. In einem Schuppen auf dem Grundstück des Hauses entdeckten die Polizisten mehrere Leichenteile. Der 28-jährige Sohn des Ehepaares, der noch im Hause seiner Eltern lebte, wurde ebendort verhaftet. Ersten Erkennnissen zufolge hatte der Mann seine Eltern bereits Mitte Juni nach einem Streit getötet und anschließend die Leichen zerstückelt. Der Sohn soll die Tat bereits gestanden haben. Gegen ihn wird nun wegen zweifachen Totschlags ermittelt. Bereits gestern wurde Haftbefehl beim zuständigen Amtsgericht beantragt.

Im Laufe des Tages drangen gestern die schauerlichen Einzelheiten des Geschehens an die Öffentlichkeit. Ursache des Familiendramas soll ein Streit zwischen den Eltern und dem Sohn über dessen abgebrochenes Jurastudium gewesen sein. Daraufhin habe der an einer Gehbehinderung leidende Sohn zuerst seinen Vater und dann seine Mutter getötet. Mit einer elektrischen Säge soll er die Körper zerstückelt und dann versucht haben, die Überreste zu verbrennen. Den Keller des Einfamilienhauses hatte er extra mit Plastikfolie präpariert.

Bei den Bewohnern der Waldsiedlung rief die Tat ungläubiges Entsetzen hervor. Vor allem, weil die Familie zuvor offenbar noch nie negativ in Erscheinung getreten war. Ganz ruhige Leute seien das gewesen, sagt eine der Anwohnerinnen der Schillerstraße. Eher zurückgezogen hätten die gelebt, aber freundlich seien sie gewesen. Den Sohn habe man häufiger auf der Straße gesehen, auf dem Weg zur Bushaltestelle. Als „eher introvertierten Typ“ beschreibt ihn eine ehemalige Schulkameradin.

Gestern waren auf dem streng abgeriegelten Grundstück die Mitarbeiter der Spurensicherung den ganzen Tag mit ihrer Arbeit beschäftigt. Und auch die Vertreter diverser Medien waren aus der Hauptstadt herbeigeeilt, um Einzelheiten zu dem Geschehen zu erfahren. Viele von ihnen kannten den Weg nach Rathenow gut, denn erst am Freitag waren sie gekommen, um über das tragische ICE-Unglück zu berichten. (Von Markus Kniebeler)


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