LUCKENWALDE/JÜTERBOG - Lautstarke Abmeldung gestern um 11 Uhr auf dem Hof der Arbeitsagentur in Luckenwalde. Die Männer und Frauen, die sich da zusammengefunden hatten, kamen einer Pflicht nach. Denn Hartz-IV-Betroffene sind verpflichtet, sich bei der Arbeitsagentur persönlich abzumelden, wenn sie unter der Woche ihren Wohnort verlassen wollen. Bei „unerlaubter Ortsabwesenheit“ und „Nichterreichbarkeit“ kann der Anspruch auf das Arbeitslosengeld II erlöschen. „Eine Schikane“, sagen sie, aber der Gefahr wollte sich keiner aussetzen, wenn es jetzt anderthalb Wochen mit dem „Zug der Tagelöhner“ – ein Wohnmobil und mehrere Pkws – durch das Land Brandenburg auf Arbeitssuche geht. „In Städten und Dörfern wollen wir den Leuten die zunehmende Dehumanisierung der Arbeitswelt bildhaft vor Augen führen“, sagte Frank Eschholz gestern beim ersten Stopp auf dem Jüterboger Markt. Er ist von der Sozialen Offensive Finsterwalde und gehört wie auch Michael Maurer vom Jüterboger Verein für soziale Selbstverteidigung zu den Initiatoren der Aktion, die unter der Trägerschaft des Fördervereins Soziale Bewegung Land Brandenburg steht.
Der 47-jährige Eschholz ist aus der Metallbranche, seit Jahren aber erwerbslos. Nach einer Umschulung zum Tischler bekam er seit 2003 nur noch befristete Arbeitsstellen, mal bei einer Reinigungsfirma und zurzeit kommunal mit einem Ein-Euro-Job. „Das kann es mit 47 Jahren nicht sein“, sagt der Mann aus Finsterwalde, der vor allem bemängelt, dass die Arbeitslosigkeit im Land jetzt zunehmend durch Leiharbeit kaschiert werde, was letztlich auch ein ständig sinkendes Lohnniveau zur Folge habe.
„Besonders auf solche Missstände wollen wir aufmerksam machen“, sagte der Jüterboger Michael Maurer, „auf die Zunahme von unsicheren Arbeits- und Lebensverhältnissen, von der immer breitere Bevölkerungsschichten betroffen sind.“ Maurer sprach davon, dass das sinkende Lohnniveau immer mehr Vollzeitbeschäftigte in die Abhängigkeit von sogenannten Sozialtransfers treibe und dass die Zumutbarkeitskriterien verschärft würden, was die Menschen in Arbeitsverhältnisse bringe, von deren Lohn alleine sie nicht leben könnten. „Eine Lebensplanung kann heute kaum noch einer machen“, sagte Eschholz, „weil die wenigsten heute noch wüssten, wann und wo sie unter welchen Umständen eine Arbeit finden.“
Ein Lied davon singen kann auch Dietmar Schulze aus Zossen. Der einstige Fernmeldemonteur ist seit 2005 Arbeitslosengeld-II-Empfänger, hat sich immer nur kurzzeitig verdingen können. „Zum Beispiel beim Antennenbau, bei einer Autopflegewerkstatt oder mit langen Fahrwegen auf einer Baustelle in München,“ erzählte er gestern. Jetzt hat er sich dem Zug der Tagelöhner angeschlossen, in Arbeitsklamotten, Hund und Fahrrad hat er dabei.
Aber nicht allein die Einkommensarmut sei das Problem, ergänzte Maurer. Verschärft werde die Situation durch herbe Einschnitte in das soziale Netz und die öffentliche Daseinsfürsorge. „Deshalb werden das Kürzen sozialer Leistungen, Einsparungen im Gesundheitssystem oder eingeschränkte Mobilität und Ausgrenzung von gesellschaftlicher Teilhabe der Arbeitslosen auch Themen während unserer Tour sein“, so Maurer.
Nicht zuletzt sollen unterwegs Informationen und Gespräche dazu beitragen, so erklärten Maurer und Eschholz bevor es gestern von Jüterbog weiter nach Finsterwalde ging, Vorurteile zwischen Erwerbslosen und Erwerbstätigen abzubauen. (Von Matthias Butsch)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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