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20.07.2010

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ARBEIT: Unternehmen wollen polnische Arbeiter anwerben

Kammern kündigen gemeinsame Aktion an / Arbeitsminister skeptisch

POTSDAM - Noch vor wenigen Jahren wurde die bevorstehende Öffnung der Grenzen an der Oder angesichts der hohen Arbeitslosigkeit mit Sorge betrachtet. Inzwischen hoffen viele märkische Unternehmen, ihr Fachkräfteproblem durch Zuwanderer aus Osteuropa lösen zu können.

Victor Stimming, Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam, kündigte gestern die gezielte Anwerbung von qualifiziertem Personal an. „Es geht nicht mehr nur um Hilfskräfte“, so Stimming. Im Mai 2011 enden die Ausnahmebestimmungen zur Freizügigkeit für die Länder, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind. Dann können etwa polnische und tschechische Bürger überall in der EU eine Arbeit annehmen.

Auf den Fachkräfteimport aus dem Osten setzt eine große Koalition, zu der die Handwerkskammern und die Unternehmensverbände gehören, aber auch die Parteien von der Linken bis zur CDU. „Schon jetzt werben wir Ärzte aus Österreich an“, sagte Roswitha Schier (CDU). Andreas Bernig (Linke) erwartet nicht, dass Osteuropäer die Arbeitslosigkeit hier in die Höhe treiben. Man brauche aber Mindestlöhne, um Dumpingkonkurrenz zu verhindern.

Zurückhaltend zeigt sich Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Die Arbeitsagenturen rechneten mit bis zu 5000 Polen, die bei einer Öffnung der Grenzen nach Brandenburg kommen. Die Anwerbung im Osten könne daher nur „ein kleiner Ausweg“ für die Brandenburger Fachkräfteprobleme sein, so Baaske. Das bestätigen Experten. Polen sei besser durch die Krise gekommen als Deutschland, so Manfred Mack vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt. In Vorbereitung der Fußball-Europameisterschaft 2012 werbe Polen schon in China oder Großbritannien um Arbeitskräfte.

So hat auch der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg kaum Angst, dass durch Anwerbung in Polen Brandenburger ihre Arbeit verlieren könnten. Ursache für den Fachkräftemangel sei aber die Abwanderung aus der Mark wegen schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Löhne, so Sprecher Dieter Pienkny. (Von Ulrich Nettelstroth)


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