Gibt es denn nichts Wichtigeres? Die Bundesregierung verordnet ein Sparpaket, den Brandenburgern steht eine Polizeireform ins Haus und die Prignitzer CDU diskutiert, ob die vor 20 Jahren eingegangene DDR ein Unrechtsstaat war. Doch selbst das schöne Wetter hielt am Montagabend ein Häuflein Interessierter nicht davon ab, sich anzuhören, was Ex-Justizministerin Beate Blechinger zu sagen hat. Eigentlich schade, dass nicht mehr Menschen den Weg in das DDR-Geschichtsmuseum fanden, denn selten wurde so sachlich und kenntnisreich das Reizthema behandelt. Beate Blechinger waren die eigenen Verletzungen aus DDR-Tagen anzumerken, was sie aber nicht zu Schärfe und Polemik verleitete, und ebenso täuschte sie Nichtkenntnis von Verletzung und Enttäuschung vor, die Menschen nach der Wende erlitten.
Was die Diskussion um den Unrechtsstaat DDR so schwierig macht, ist die Vermischung des persönlichen Schicksals mit dem der abgeschafften Gesellschaft. Das System ist gescheitert, nicht die Menschen; sie können stolz sein auf das, was sie unter widrigen Bedingungen leisteten. Der Rechtsstaat ist sicher kein Hort von Gerechtigkeit. Beate Blechinger zeigte eindringlich, warum man sich dennoch vor einer Diktatur hüten sollte.