POTSDAM / BABELSBERG - Die erfolgreiche Geschichte des Hiroshima-Platz-Vereins lässt sich seit gestern nicht nur an den vier großen Steinen gegenüber der Truman-Villa ablesen, sie war zur Einweihung der Steine auch in Zahlen zu fassen: Die Initiative begann als ein Häuflein Einzelner und zog gestern 300 Potsdamer zur Gedenkverstaltung. Auf einem norwegischen Sockelstein ruhen nun ein Stein, der im Straßenbahngleis Hiroshimas verlegt war und ein Shinto-Schrein-Stein aus Nagasaki. Beide wurden verstrahlt, als die amerikanischen Atombomben am 6. und 9. August auf die Städte fielen.
In ihrem Grußwort verteidigte die Sozialbeigeordnete Elona Müller den Gedenkplatz, der insbesondere von amerikanischer Seite für Kritik gesorgt hatte. „Es geht uns nicht darum, die Rolle Japans im Zweiten Weltkrieg zu relativieren oder die USA an den Pranger zu stellen“, sagte sie. Einer der Vorteile nach dem Ende des Kalten Krieges sei es aber, nicht mehr auf eine ideologische Sichtweise der Geschehnisse festgelegt zu sein, ergänzte Müller und erhielt Applaus. Ein Vertreter der japanischen Botschaft erinnerte daran, dass Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Stationierung eigener Atomwaffen verzichtet hätten und seither beweisen, dass man sich auch ohne militärische Übermacht zu einem wichtigen und wirtschaftlich erfolgreichen Land entwickeln könne. „Es ist unser inniger Wunsch, dass dies ein wichtiger Ort in Potsdam wird“, fügte Shinya Fujita an.
Es folgten noch viele rühmende und friedensfordernde Worte, bevor der Künstler Makoto Fujiwara vorfristig um Enthüllung der Steine bat – unter großem Wohlwollen des etwas wortmüde gewordenen Publikums. Den Bürgermeistern Hiroshimas und Nagasakis sandten Potsdam je 1000 von Studenten gefaltete Kraniche zu, die nach der tragischen Geschichte eines an Leukämie erkrankten zwölfjährigen Bombenopfers in Japan als Symbol für den Frieden gelten. (Von Jan Bosschaart)