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27.07.2010

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TOURISMUS: Kurs auf neue Zielgruppen

Stein-Therme ändert Marketingkonzept und setzt auf Familien / Besucherzahlen weiter rückläufig

BAD BELZIG - Entschleunigung geht auch mit Kindern. „Wir streben das Image an, ein familienfreundliches Bad zu sein“, bringt Katrin Bonesky ihre Kampagne auf den Punkt. „Was in der Vergangenheit ein wenig vernachlässigt wurde, wird jetzt geändert“, erklärt die neue Marketingchefin der kommunalen Kur- und Freizeit GmbH Bad Belzig (Kuf) die radikale Abkehr von bisherigen Werbestrategien für die Stein-Therme.

Die hatte seit ihrer Wiedereröffnung im Dezember 2009 vor allem auf fortgeschrittene Altersgruppen gesetzt. Mit fatalen Folgen. Die Gäste blieben aus und es häuften sich die Beschwerden über viel zu hohe Eintrittspreise für den minderjährigen Nachwuchs.

Das hat sich jetzt geändert. Seit 1. Juni gibt es neue Tarife, wie den für Kleinfamilien. „Der gilt zum Beispiel für eine Oma mit Enkel, Kinder bis drei Jahren zahlen gar keinen Eintritt mehr“, erklärt Kuf-Geschäftsführer Dieter Hartmann. Von Besuchern bis 16 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen würde nur der Kindertarif genommen. „Wir möchten aber nach Möglichkeit immer eine Aufsichtsperson dabei haben“, schränkt Hartmann die neue Großzügigkeit ein. „Kinder, die allein kommen, müssen deshalb ab zwölf Jahren den vollen Preis bezahlen, denn wir sind kein Spaßbad“, sagt der Manager.

Ungeachtet der Diskussionen im Aufsichtsrat um eine Verlängerung seines Vertrages (die MAZ berichtete) will der Kuf-Chef nun gemeinsam mit seiner Werbeleiterin die neuen Zielgruppen erschließen. „Leider sind wir immer noch als kinderunfreundlich verschrien“, räumt auch Hartmann ein. „Dabei kann man über Kinder deren Eltern als Kunden erreichen und umgekehrt“, erklärt Bonesky. Dieter Hartmann möchte allerdings die Gästezahlen insgesamt nach oben treiben. Denn das erste Halbjahr war für das eigentlich als Tourismusmotor gedachte und für rund 4,5 Millionen Euro sanierte Bad ein Misserfolg. Gerade einmal 76 500 Besucher kamen von Januar bis Juni in die Stein-Therme, wie Katrin Bonesky gestern bekannt gab. „Das lag auch am kalten Winter und den jetzt sehr hohen Temperaturen im Sommer“, erklärt die Marketingexpertin. Laut Kuf-Chef Hartmann müssen mindestens 180 000 Besucher pro Jahr kommen, um das Bad in wirtschaftlich rentable Regionen zu bringen. „Wir sind bemüht, dieses Ziel am Ende des Jahres zu erreichen“, kündigt er an. Dann sollte die Therme die Kosten aus ihrem operativen Geschäft selbst tragen, sagt Hartmann.

Dazu wollen der Geschäftsführer und die Marketingfrau jetzt auch verstärkt mit Busunternehmern zusammenarbeiten und Tagesausflüge nach Bad Belzig anbieten. Dabei seien die Regionen Brandenburg an der Havel, Potsdam, Berlin, Leipzig und Dessau vor allem im Gespräch, erklärt Katrin Bonesky. Sie habe zudem Firmen im Blick, die an der Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter interessiert seien. „Solche Leistungen sind steuerlich absetzbar und könnten zum Beispiel in Form von Gutscheinen ausgereicht werden“, sagt sie. (Von Hermann M. Schröder)


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