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29.07.2010

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KRIMINALITÄT: Neuer Anschlag auf Maueropfer-Stelen

Tafeln zerkratzt und beschmiert

GROssZIETHEN - Auf dem ehemaligen Grenzstreifen in Großziethen sind erneut Gedenktafeln für Maueropfer beschädigt worden, teilte Ehrenvorsitzender Harald Fiss vom Förderverein „Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde“ mit. Fiss erstattete Anzeige.

Er hatte die Beschädigungen gemeinsam mit dem Zossener SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Schulze entdeckt. Auf der Stele für den Großziethener Horst Kullack wurde das Foto des Opfers zerkratzt. Außerdem wurden die Texte mit scharfen Gegenständen durchkreuzt sowie der Lageplan beschädigt. Kullack war am 31. Dezember 1971 zwischen Großziethen und Lichtenrade angeschossen worden. Er starb drei Wochen später im Krankenhaus Königs Wusterhausen. Seine Stele wurde bereits zum dritten Mal beschädigt.


„Böswillig und hasserfüllt“

Die Stele von Eduard Wroblewski – erschossen am 26. Juli 1966 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade – wurde mit Farbe und Graffiti verunstaltet. „Die böswilligste Beschädigung ist bei der Stele von Herbert Kiebler aus Mahlow zu erkennen, der am 27. Juni 1975 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade erschossen wurde. Auf seinem Foto ist das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerkratzt“, schildert Fiss. „Welcher Hass liegt da vor und welche menschenfeindliche Haltung, die mit ihrem zerstörerischen Tun selbst vor Symbolen der Totenehrung, die gleichzeitig auch erinnern und mahnen sollen, keinen Halt macht. Ich bin erschüttert“, sagte er.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Schulze ist entsetzt: „Das ist eine Schande und absolut unverständlich. Ich möchte alle Mitbürger bitten, ein Augenmerk darauf zu haben, damit man die, die so etwas machen, zur Rechenschaft ziehen kann.“

Die ersten Gedenktafeln waren im November 2009 auf Initiative des Fördervereins von der Stiftung Berliner Mauer aufgestellt worden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, nahm an der Einweihung teil. Weitere Stelen sollen auf dem Mauerweg aufgestellt werden. Sie erinnern an die mindestens 136 Tote, die von 1961 bis 1989 an der Berliner Mauer erschossen wurden oder im Zusammenhang mit einem Fluchtversuch verunglückt sind.



Stiftung pflegt Andenken weiter

Harald Fiss: „Dass das Gedenken an die Mauertoten derart gestört wird, muss uns alle sehr nachdenklich stimmen und zeigt uns, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig ist.“ Für die Stiftung Berliner Mauer erklärte Direktor Axel Klausmeier, die Stiftung werde sich „von den Tätern nicht davon abbringen lassen, das Gedenken an die Mauertoten weiter zu pflegen“. (MAZ)



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