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29.07.2010

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INFRASTRUKTUR: Kampf um die Kothlanke

Kleingärtner wollen Anlage am Havelarm um jeden Preis erhalten

RATHENOW - Die Kothlanke macht ihrem Namen alle Ehre. Sie müffelt. Das Wasser des Havelzipfels ist alles andere als perlfrisch, eher suppt es träge ans Ufer – eine trübe, undurchsichtige Brühe. „Kein Wunder, das es hier stinkt“, sagt Wilfried Verter, Vorsitzender des Kleingartenverbandes Westhavelland. „Hier is keine Bewegung drin.“

Die Pächter der 14 Gärten, die ans Ufer der Kothlanke grenzen, hätten’s – was die Wasserqualität angeht – auch gerne frischer. Aber eine Katastrophe ist der Zustand für sie nicht. „So ist das halt im Sommer“, sagen sie unisono.

Als viel unangenehmer empfinden die Gartenfreunde den Vorstoß der Stadt, demzufolge die 14 Gärten an der Kothlanke keine Zukunft mehr haben sollen. „Die meisten der Gärten finden sich seit drei Generationen in Familienbesitz“, sagt Verter. „Die kann man doch nicht so einfach wegradieren.“

Will auch niemand. Bauamtsleiter Matthias Remus stöhnt auf, als er erneut mit diesem Vorwurf konfrontiert wird. „Wir haben uns in der Verwaltung lediglich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Gebiet am Havelweg in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll“, sagt er. Und im Rahmen dieser Überlegungen sei man zu dem Schluss gekommen, das Ufer im besagten Bereich auf lange Sicht freizuräumen. „Ein freier Blick auf die Havel ist das Ziel“, sagt Remus. Das Areal an der Kothlanke, in dem sich die Gärten befinden, sei ein geschütztes Biotop. Dieses Stück Natur wolle man noch besser zur Entfaltung bringen und habe das so im derzeit ausliegenden B-Plan-Entwurf formuliert.

Matthias Remus betont, dass das gartenfreie Ufer nicht von heute auf morgen hergestellt werden soll. „Da kommt jetzt nicht plötzlich ein Bagger und macht alles platt“, sagt er. Jeder, der einen Garten gepachtet habe, könne diesen so lange halten, wie er wolle. Nur eine Weiterverpachtung soll unterbunden werden.

Der Bauamtsleiter setzt bei der Umsetzung dieses Ziels nicht auf Konfrontation, sondern auf Kooperation. „Wir werden den Generalpachtvertrag mit dem Kleingartenverband nicht kündigen“, sagt er. Vielmehr gehe es darum, die Flächen mit der Verbandsführung gemeinsam freizubekommen. Die Zahl leer stehender Gärten nehme zu, so Remus. Der Verband habe also auch ein Interesse an einer Konzentration. „Lieber fünf volle als zehn halbvolle Sparten“, hatte Remus vor ein paar Tagen gesagt.

„Die Entscheidung, welche Anlagen wir aufgeben wollen, muss Herr Remus schon uns überlassen“, kontert Wilfried Verter. Die Gärten am Wasser seien die absoluten Filetstücke des Kleingartenverbandes. „Wir wären ja blöd, wenn wir uns freiwillig von diesen Filetstücken trennen würden.“ Nach Kooperation klingt das nicht.

Verter kann sich in Rage reden, wenn es um die Kothlanke geht. „Nun sagen Sie mir mal, was hier ohne Gärten besser werden soll?“, sagt er. Und zeigt auf den rund fünf Meter breiten, gepflegten Grünstreifen zwischen den Gärten und der Wasserkante. „Dieser Streifen war bis vor einigen Jahren in der Obhut der Stadt. Und wissen Sie, wie das hier aussah?“, fragt er, und gibt die Antwort gleich selbst. „Eine einzige Wildnis. Ungepflegt und unbetretbar.“ Irgendwann habe die Stadt den Gärtnern den Streifen zur Pflege angeboten. Und seitdem herrsche Ordnung.

Verter hat noch mehr Argumente zur Hand, wenn es um die Verteidigung der Kothlanke geht. Wechselweise zietiert er aus dem Bundeskleingartengesetz, dem Baugesetzbuch und dem Einigungsvertrag. „Wir haben das Recht auf unserer Seite“, sagt er. „Die kriegen uns hier nicht weg.“ Einen Erfolg im Kampf mit der Verwaltung hat Verter bereits errungen. Vom Plan, die Kleingärten am Weinberg in ein Erholungsgebiet umzuwandeln, ist die Stadt bereits abgerückt. „Die wollten die rechtliche Grundlage für eine Pachterhöhung schaffen“, argwöhnt Wilfried Verter. Matthias Remus ist es leid geworden, dem zu widersprechen. „Wenn Sie die Umwandlung in ein Erholungsgebiet nicht wollen, verzichten wir darauf“, hatte er bei einer Versammlung vor zwei Wochen gesagt. „Dabei bleibt es“, bestätigte Remus gestern.

Und wie geht’s nun weiter mit der Kothlanke? Der B-Plan liege derzeit aus, so Remus. Dann würden die Anmerkungen und Einwände geprüft und mit den Stadtverordneten diskutiert.

Wilfried Verter hat bereits angekündigt, in der SVV eine Mehrheit für den Erhalt der Kothlanke zu organisieren. „Wenn es so kommt, dann kommt es eben so“, sagt Matthias Remus dazu nur kurz. „Das ist Demokratie.“ (Von Markus Kniebeler)


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