PARETZ - „Sie war sich ihrer Schönheit bewusst… und liebte den Putz mehr als nötig war.“ Das ist kein offizieller Werbetext für die neue Ausstellung im Paretzer Schloss. Nein, die kritischen Stimmen zu Königin Luise gehen im Meer der Verehrung unter. Der erzkonservative General August Ludwig von Marwitz hatte den Satz einst gesagt. Seine Stimme bleibt ungehört, wenn es um die Feierlichkeiten geht, die die 200. Wiederkehr eines Todestages zu entfachen vermag.
„Höhepunkt und Abschluss“ nannte Hartmut Dorgerloh die neue Ausstellung in Paretz. Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten stellte gestern die Ausstellung, deren Macher und Sponsoren der Presse vor. Ab Sonnabend können alle durch die neu gestalteten Museumsräume schlendern. Weil aber schon seit Tagen über die neue, große Ausstellung berichtet wird, fielen die Besucher bereits in dieser Woche in Paretz ein. Für die Mitarbeiter im Schloss eine schwierige Situation, denn das Schloss war im Juli geschlossen, um es für die Jubiläumsausstellung herzurichten.
Die Besucher erwartet etwas Besonderes, etwas, das Fachleute wie Laien begeistern kann. Denn 23 Kleider, Hüte, Tücher und andere von Luise getragene und benutzte Toilettengegenstände (trotz der vielen Zahnbürsten litt die Königin häufig unter Zahnschmerzen) sind in dieser Ausstellung vereint. Dazu gehören acht Kleider. Die Objekte kommen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, England und aus Polen.
Zwei Luise-Ausstellungen hat die Stiftung bereits in diesem Jahr in Berlin gezeigt. Ins Schloss Charlottenburg kamen 63 000 Besucher, auf der Pfaueninsel zählten die Veranstalter zur Halbzeit bereits 57 000 Neugierige.
Nun also Paretz. Ein Ort, der sich von den anderen beiden Ausstellungsorten unterscheidet. Fand Luise in Charlottenburg und auf der Pfaueninsel doch zwei im wesentlichen von ihrem Schwiegervater gestaltete Plätze vor, konnten sie und ihr Mann Friedrich Wilhelm III. in Paretz ihrem Geschmack freien Lauf lassen. Paretz ist also ein sehr persönlicher Ort, an dem jetzt sehr persönliche Gegenstände gezeigt werden: ihre Hüte, ihre zarten Kleider, ihre Haarlocke, die der trauernde Gatte zeitlebens in seiner Nähe hatte.
Die Ausstellungsmacher unter Leitung von Barbel Hedinger haben die kostbaren Originalexponate vorzüglich in die Dauerausstellung eingebaut. In Glaskästen zwischen den Türen stehen die Kleider, erwecken den Eindruck, als sei Luise gerade erst entschwunden. Zu den Entdeckungen für die Experten gehörten Erkenntnisse über die Größe der einstigen Königin. Mit 1,73 Meter war sie für ihre Zeit ungewöhnlich groß, sie war schlank und anmutig. Auch wenn keine Originalschuhe mehr vorhanden sind, ist ihre Schuhgröße 41 überliefert.
Die schlanke schöne Frau war modisch auf der Höhe der Zeit. Ihr sonst knausriger Gatte freute sich offenbar, an der Seite einer bewunderten Frau zu stehen. Kleider waren durchaus Mittel der Politik, wie die großzügigen Modegeschenke von Kaiser Napoleon zeigen.
Luise hat keine Trends gesetzt, war aber modisch bestens informiert. Aktuelle Modejournale aus Paris gehörten zu ihrer Lektüre. Die königliche Luise bewegte sich an der Schnittstelle zwischen verschnürtem Rokoko und bravem Biedermeier; die Zeit des Empire war kurz, aber einprägsam. Feinste, feine Stoffe ließen im Stil der griechischen Antike freizügig sehr viel Haut sehen, unter der Brust geschnürt fiel der Stoff leicht und bequem herab. Eine Mode, die es auch der häufig schwangeren Luise erlaubt, eine gute Figur zu machen.
All das kann der Besucher bei seinem Paretzbesuch gut erfahren. Die Ausstellung ist gewissermaßen dreigeteilt. Sie beginnt in der Remise mit der prachtvollen Staatskarosse, mit der Luise 1793 einst als Braut eingeholt wurde; sehr schön hier: das Inventarverzeichnis ihrer Ausstattung „an Juwelen, Gold, Silber, Porcelain, Spitzen, Blonden, Kleider und Weißzeug pp.“ Der Ausstellungsrundgang endet in der Kirche mit Schadows Werk zur Verehrung der Königin Luise. Dazwischen das Schloss, wo in den tapetengeschmückten Räumen Luise-Kleider bestens in Szene gesetzt sind. Die prächtige blaue, reich bestickte Cour-Schleppe nimmt im Gartensaal dabei eine bevorzugte Stellung ein.
Und wenn schon nicht so deutlich wie einst General von Marwitz, so schafft doch das offizielle Ausstellungsplakat zu dem Ganzen eine leise Distanz. „Fashion Victim“ ist dort zu lesen. Modeopfer. (Von Marlies Schnaibel)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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