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31.07.2010

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ABRÜSTUNG: Teuflische Dinger

Am Sonntag tritt die Internationale Konvention zur Ächtung von Streubomben in Kraft

Sie sehen aus wie graue kleine Blechdosen oder Bälle aus Metall und liegen überall: in Vorgärten und Hauseingängen, auf Dächern, Feldern, an Straßenrändern und Bachufern, sie hängen in Baumwipfeln und an Ästen. Kinder betrachten sie als Spielzeug, Erwachsene als Müll. Kommen sie mit dem menschlichen Körper in Berührung, explodieren sie. Amputierte Finger, Hände, Arme, Zehen, Füße und Beine sind die Folge. Oft endet der Kontakt tödlich. Die Organisation „Handicap International“ schätzt, dass bis heute weltweit rund 100 000 Menschen durch diese heimtückischen Waffen gestorben sind, davon gut ein Viertel Kinder.

Am Rande des abgesteckten Geländes unweit des Litani-Flusses, im Süden Libanons an der israelischen Grenze, steht eine Tafel mit detaillierten Angaben: Gesamtumfang der zu untersuchenden Fläche, geschätzte Dauer der Arbeit, geräumte Fläche bis heute, Arbeitszeit. Auf dem idyllischen Platz sah man früher Großfamilien beim feiertäglichen Picknick. Es roch nach Grillfleisch und Knoblauch. Heute sind dort Minenräumer am Werk, die nach der tödlichen Hinterlassenschaft des Konflikts zwischen der Hisbollah und Israel suchen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat die israelische Armee rund eine Million Blindgänger zurückgelassen, als sie am 14. August 2006 nach 34 Tagen Krieg von dort abzog.

Ähnliche Szenarien findet man derzeit im Irak, in Afghanistan und im ehemaligen Jugoslawien. Laut der Organisation „Cluster Munition Coalition“ setzten die USA in den 70er Jahren mehr als 370 Millionen dieser kleinen Bomben, auch Bomblets genannt, in Kambodscha, Laos und vor allem in Vietnam ein. Auch viele Jahre nach Beendigung eines Krieges bleiben ganze Regionen wegen der großen Zahl von Blindgängern verseucht. Frank Masche wird also nicht arbeitslos, auch wenn die Konvention zur Ächtung dieser teuflischen Dinger am Sonntag in Kraft tritt.

Der stämmige Mann aus Berlin, mit Wohnsitz in Brandenburg, arbeitet seit Jahren für die britische Nichtregierungsorganisation „Mine Advisory Group“ (MAG) als selbstständiger Feuerwerker, wie der Beruf des Minensuchers offiziell heißt. Während er bis zur Jahrtausendwende überall auf der Welt zumeist Landminen aufspürte, sucht er jetzt Streubomben. Die UN-Konvention zum Verbot von Anti-Personenminen, die 1997 in Kraft trat und von 156 Staaten unterzeichnet wurde, zeigt Wirkung. Masches Organisation MAG bekam für ihre Kampagne zum Verbot von Landminen zusammen mit anderen den Friedensnobelpreis. Glühende Unterstützerin der Kampagne war die verstorbene englische Prinzessin Diana. Landminen werden seitdem seltener verwendet.

Eine ähnliche Wirkung erhofft sich Masche nun auch von der Konvention gegen Streubomben. Der Vater zweier Kinder weiß, dass besonders die Kleinen arglos mit den tödlichen Bomblets umgehen. Sie verursachen besonders viel menschliches Leid. Der Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Jakob Kellenberger, weiß, dass die Opfer von Streumunition zu 98 Prozent Zivilisten seien. Kellenberger fordert die Staaten auf, den Verpflichtungen des Vertrages nachzukommen und ihre Arsenale zu zerstören. Das Abkommen haben bislang 107 Länder unterzeichnet. Gut 70 Staaten lagern Streubomben. Darunter auch Länder wie Norwegen und Deutschland, die sich für ein Verbot starkmachen.

Dem Abkommen nicht beigetreten sind die drei schlagkräftigsten Militärmächte und Streumunitionshersteller USA, Russland und China, die über die größten Bestände dieser heimtückischen Waffen verfügen. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnet Streumunition als „legitime Waffen mit klarem militärischen Nutzen“. Doch konnten die Amerikaner dazu bewegt werden, künftig den Export fast aller Sprengkörper zu verbieten. Außerdem wollen sie ab 2018 Streumunition nur noch beschränkt verwenden. So lobt denn auch die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ den Ausfuhrstopp: „Das ist eine wichtige Kehrtwende in der US-Politik“, sagt der Rüstungsexperte der Organisation, Steve Goose, „und ein wichtiger Schritt zu mehr Humanität“. (Von Birgit Svensson)


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