Suche der Märkischen Allgemeinen:

Suchbegriff eingeben und abschicken
Auswahl der Suchkategorie

Wetter in Brandenburg:

15ºC
Symbol: aktuelles Wetter in Brandenburg

Metamenu:


Sie befinden sich hier:

  1. » Märkische Allgemeine
  2. » Nachrichten
  3. » Wirtschaft
  4. » Wirtschaft aus der MAZ
12.08.2010

Beitragsfunktionen:

GESUNDHEIT: Die Neue stellt das Alte vor

Ministerin Tack will den Ärztemangel im Land in den Griff bekommen – und kämpft mit Zahlen

POTSDAM - In Brandenburg gibt es zu wenig Hausärzte, die medizinische Versorgung auf dem flachen Land ist bedroht. Das ist, vorsichtig formuliert, seit zehn Jahren keine Neuigkeit mehr. Auch Maßnahmen gegen den Ärztemangel werden regelmäßig vorgestellt, meistens in Form von Pilotprojekten, die später allenfalls in kleinem Rahmen fortgeführt werden. Umso höher waren gestern die Erwartungen, als die Brandenburger Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Anita Tack (Linke), mitten während des Hochwassers zur Pressekonferenz über „neue Chancen der medizinischen Versorgung“ nach Potsdam eingeladen hat.

Doch das Neue erweist sich als ziemlich kalter Kaffee. So wird das Projekt „Gemeindeschwester“ in den höchsten Tönen gelobt, bei dem Praxismitarbeiterinnen Hausbesuche machen und so den Arzt entlasten. Auch Tacks Vorgängerin Dagmar Ziegler (SPD) hat das Agnes getaufte Vorhaben gerne und häufig präsentiert. Allerdings gibt es gerade mal 21 Assistentinnen in 19 Praxen und, wie Tack kritisiert, hat die Bundesregierung auch noch die Fahrtkostenpauschale heftig gekürzt. „Wir finden das aber nach wie vor eine gute Idee“, sagt Tack, während ihr Abteilungsleiter Thomas Barta einräumt, dass einzelne Praxen wieder ausgestiegen sind.

Und noch einen Dauerbrenner zählt Tack, die vor der Amtsübernahme die profilierte Verkehrsexpertin der Linken war, zur „neuen Chance“: die aus der Idee der DDR-Poliklinik entstandenen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) – mit denen sich die zuständigen Minister aber schon seit Regine Hildebrandt (SPD) schmücken. 52 MVZ zähle man im Land, was eine „sehr gute stabile Versorgung“ biete, betont Tack mehrfach im Laufe ihrer Ausführungen, in denen es noch um Chancen der Telemedizin oder die Zuschussprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) geht.

Aber hat sich die Situation für die Brandenburger nun verbessert oder verschlechtert, wird Tack gefragt – und reagiert darauf sichtlich unvorbereitet. Man könne nicht erwarten, dass ein Dreivierteljahr nach Amtsantritt der rot-roten Regierung alle Probleme gelöst seien, an denen die Vorgänger scheiterten, entgegnet sie unwirsch.

Angesichts des Bevölkerungsrückgangs sei es zudem nicht sinnvoll, alle frei werdenden Arztpraxen „eins zu eins neu zu besetzen“. Wenn es immer weniger Patienten gebe, könne sich kein Hausarzt niederlassen, der schließlich für 20 Jahre oder mehr planen müsse. Man solle eher daran denken, die Patienten mit neuen Sammeltaxis oder Rufbussen in das nächste MVZ zu fahren, schlägt die Ministerin vor.

Aber, vollführt Tack eine Wendung, man sei „auf gutem Weg“, dass die Versorgung „besser wird“. So habe es 1999 im Land 3280 ambulant tätige Ärzte gegeben, heute seien es 3511, sagt Tack und beruft sich auf die KV. „Es gibt mehr Ärzte“, stellt sie fest, um die gute Nachricht gleich wieder einzuschränken: Von denen seien aber 35 Prozent 60 Jahre oder älter – gegenüber 18 Prozent im Bundesschnitt.

Bessere oder schlechtere Versorgung? Die Antwort verwirrt, ebenso wie die Zahlen. KV-Sprecher Ralf Herre erklärt auf Nachfrage, Ende 2009 habe es 3355 ambulant tätige Vertragsärzte im Land gegeben, verglichen mit 3171 im Jahr 2000. Frühere Angaben ließen sich wegen anderer Zählweise nicht vergleichen, sagt Herre, der sich die Herkunft der Ministeriumszahlen nicht erklären kann. Von diesen 3355 Ärzten seien aber 465 teilweise mit reduziertem Stundenumfang angestellt, so dass 465 Köpfe nur 380 Vollzeitärzte ergeben.

„Ärztezahlen allein sagen wenig über die Patientenversorgung aus“, warnt Herre. Dazu kommt: Schaut man sich nur die Hausärzte an, um die es vor allem geht, stehen 1642 aus dem Jahr 2000 Ende 2009 noch 1535 gegenüber. Ein Rückgang. Dafür kann Herre in einem anderen Punkt aber Entwarnung geben: Seit 2004 habe der Anteil der über 60-jährigen Ärzte nie über 30 Prozent gelegen. Derzeit sind es 18,4 Prozent bei allen Ärzten und 23,1 Prozent bei den Hausärzten.

Einen Zahlenfehler kann die Ministerin nach einer Stunde dann noch selbst ausräumen: Bei den 52 MVZ hat man großzügig 20 in Berlin mitgezählt. 20 weniger – das heißt, der Weg mit dem Ruftaxi zu einem der 32 märkischen MVZ wird noch ein bisschen weiter. (Von Andreas Streim)


Unter- und überversorgte Regionen in Brandenburg:

Insgesamt 161 Hausärzte könnten sich in Brandenburg derzeit niederlassen. In der Uckermark gibt es mit 26 die meisten freien Praxen, in vier Landkreisen ist alles dicht.

Wer allerdings sagt, „es fehlen 161 Hausärzte in Brandenburg“ liegt falsch. Denn die Statistik ist etwas komplizierter. Würden die freien Hausarztstellen besetzt, dann gäbe es in allen Landkreisen im Land einen sogenannten Versorgungsgrad von 110 Prozent. Als unterversorgt gelten dagegen nur Regionen mit einem Versorgungsgrad von 75 Prozent oder weniger.

Eine Unterversorgung wird dann nicht mehr auf Landkreisebene berechnet, sondern auf Basis der Altkreise.

Nur ein Altkreis gilt derzeit als unterversorgt, nämlich der Altkreis Angermünde.

In sechs weiteren Altkreisen droht Unterversorgung. Über diese Warnstufe wird von Ärzten und Krankenkassen gemeinsam entschieden. Das betrifft Brandenburg Land, Forst, Guben, Jüterbog, Pritzwalk und Schwedt/Oder.

Der zuständige Abteilungsleiter im Potsdamer Gesundheitsministerium, Thomas Barta, hält die Planungsgrundlage für zu grob, innerhalb der Land- und Altkreise gebe es zu große Unterschiede bei der Ärztedichte. ast



Ihre Meinung ist gefragt!

In diesem Forum gibt es 1 Eintrag

» boehmoki | 12.08.2010, 15:43

Altes soll wieder auferstehen


So, so die linke Gesundheitsministerin Tack will das Rad neu erfinden. Wohl eine schleichende Krankheit bei dieser Partei und seinen Mandatsträgern. Wir in Zossen können davon ein Lied singen, wenn der linke Herr Preuß ähnliche Ansinnen in alle Richtungen von sich gibt.Wozu auch nachdenken,zu sozialistischen Zeiten hat dies ja alles mal funktioniert, also zurück zu den Wurzeln des Übels.
Thomas Böhm