SCHÖNEFELD - Die Berliner Flughäfen haben möglicherweise einen dicken Fisch an der Angel. Die australische Fluggesellschaft Qantas liebäugelt damit, ihr europäisches Drehkreuz vom Flughafen London-Heathrow auf den künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld (Dahme-Spreewald) zu verlegen. Berlin und die spanische Hauptstadt Madrid seien mögliche Kandidaten, sagte Qantas-Chef Alan Joyce der Fachzeitschrift „Air Transport World“. Die Qantas ist verärgert darüber, dass der Bau einer dritten Start- und Landebahn in Heath-row vorerst gestoppt ist. Dabei sind die begehrten Slots (Start- und Landerechte) schon heute auf dem größten Flughafen Europas knapp.
Die Qantas ist mit zuletzt rund 17 Millionen Passagieren im Jahr keine der ganz großen, aber eine der profitabelsten Airlines der Welt. Sie betreibt ein dichtes Streckennetz im aufstrebenden asiatischen und pazifischen Raum. Bislang steuert die Qantas von London aus fünf, vom zweiten Europa-Standort in Frankfurt am Main zwei Ziele (Sydney und Singapur) an.
Offiziell will man bei der Qantas von Avancen an Schönefeld nichts wissen. „Wir können das nicht bestätigen“, hieß es gestern auf MAZ-Anfrage. Es gebe keine Gespräche und erst recht keine Entscheidung.
Eine Ansiedlung der Qantas wäre „für uns sehr interessant“, freut sich Leif Erichsen, Sprecher der Berliner Flughäfen. Berlin liege um ein bis zwei Flugstunden näher an den Zielmärkten in Australien und Asien und sei von daher ein attraktiver Standort. Konkrete Verhandlungen mit der Airline will er aber nicht bestätigen: „Wir warten erst einmal ab, was die Gespräche von Air Berlin über die künftige Aufteilung der Flugstrecken ergeben.“
Der deutschen Fluggesellschaft kommt eine Schlüsselrolle im Qantas-Deal zu. Air Berlin will der internationalen Luftfahrt-Allianz Oneworld beitreten, der auch die Qantas angehört. Sinn eines solchen Bündnisses ist es, dass regional tätige Fluggesellschaften wie Air Berlin mit ihren Zubringerflügen den Interkontinalfliegern wie Qantas die Passagiere für ihre Großraumjets zuführen. Das gilt allerdings auch für Madrid, wo der Oneworld-Partner Iberia aktiv ist.
Zudem gibt es bei all diesen Spekulationen eine große Unbekannte: Die von der Bundesregierung angekündigte Einführung einer Luftverkehrsabgabe. „Das ist Gift für eine Branche, die global agiert“, sagt Flughafen-Sprecher Leif Erichsen. Es könne dadurch zu „massiven Verlagerungen“ von Aktivitäten kommen. In der Branche wird schon spekuliert, dass Flüge nach Asien und Australien dann gar nicht mehr über ein Drehkreuz in Europa, sondern über den neuen Flughafen im arabischen Emirat Dubai geführt werden. (Von Martin Usbeck)
Hotel entsteht an der Autobahnzufahrt zum Terminal:
Die Ansiedlung von Fluggesellschaften auf dem künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld ist das Kerngeschäft der Berliner Flughafengesellschaft. BBI soll im Sommer 2012 in Betrieb gehen.
Doch auch für das Flughafenumfeld werden Investoren gesucht. Zahlreiche Gewerbegebiete buhlen um die Ansiedlung von Dienstleistern, Firmenzentralen und Hotels.
Einen Erfolg hat jetzt das Gewerbegebiet „Gatelands“ vorzuweisen, das direkt an der Autobahnausfahrt zum BBI-Terminal liegt. Die Grundstücksgesellschaft am Flughafen mbH aus Berlin hat dort ein Grundstück für den Bau eines Hotels (Grafik: Gatelands) erworben.
Ariel Schiff, Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft am Flughafen, sagte, der Businesspark am neuen Hauptstadt-Airport sei „ein sehr vielversprechender Standort mit einer erstklassigen Anbindung“. us