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24.08.2010/ 08:10

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Verliebt in den Chef

Romanzen am Arbeitsplatz besser nicht allen erzählen

Verliebt in den Chef (Bild: Koark/dpa/tmn)

Verliebt in den Chef (Bild: Koark/dpa/tmn)

Wer mit seinem Boss nicht nur die Arbeit teilt, sondern auch das Bett, gerät schnell in die Zwickmühle. Die Beziehung kann das Verhältnis zu den Kollegen belasten und Getratsche provozieren. Oft ist es besser, die Liaison erstmal zu verschweigen.

Liebe im Büro - für Experten ist das inzwischen etwas ganz Alltägliches. Aktuellen Umfragen zu Folge hat jeder zehnte Deutsche seinen Partner am Arbeitsplatz kennen gelernt. Doch während Beziehungen unter gleichrangigen Kollegen schon längst keinen mehr stören, wird eine Liaison mit dem Vorgesetzten von anderen Mitarbeitern meist mit Argusaugen verfolgt.

Wie sagt man es den Kollegen? Was tun, wenn trotzdem getratscht wird? Die Angst vor negativen Reaktionen kann das junge Liebesglück schnell trüben. Der Münchner Paartherapeut Stefan Woinoff rät Menschen in dieser Situation, die Qualität ihrer Beziehung objektiv einzuschätzen. "Handelt es sich um eine Affäre, sollten die Kollegen auf keinen Fall Bescheid wissen" sagt er. Die Beziehung sollte nur öffentlich gemacht werden, wenn es wirklich Liebe ist.

Karrierecoach Jürgen Hesse rät allerdings, auch eine seriöse Partnerschaft so lange vor den Kollegen geheim zu halten, wie es nur geht. "Die Beziehung zu einem Vorgesetzten ist immer eine besondere Sache, weil es dabei auch um Macht und Abhängigkeit gehen kann." Beinhaltet die Beziehung ein Machtgefälle, habe das für Außenstehende immer einen Beigeschmack. Außerdem könne die Liaison für beide negative Folgen haben.

"Der Vorgesetzte riskiert eventuell seine Karriere, denn in vielen Firmen werden solche Beziehungen nicht geduldet", sagt Hesse. "In einigen Unternehmen gibt es für solche Fälle feste Regeln, zum Beispiel, dass einer von beiden die Abteilung wechseln muss", sagt Karsten Noack, Kommunikationstrainer in Berlin. Doch selbst wenn es keine Vorschriften gibt - die Mitarbeiterin wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von Kollegen mit neidischen Blicken bestraft.

"Will ein Paar seine Beziehung am Arbeitsplatz aber nicht verheimlichen, sollte die Beichte zum richtigen Zeitpunkt stattfinden" rät Woinoff. Der Paarberater schlägt vor, so lange zu warten, bis beide zusammenziehen wollen. "Das zeigt den anderen, dass es sich um eine ernste Sache handelt." Es könne natürlich sein, dass sich die Kollegen hintergangen fühlen, weil die Beziehung ja schon einige Zeit läuft. "Aber zu solchen Reaktionen kann es auch kommen, wenn man es ihnen nach einer Woche sagt", glaubt er.

Dass die Kollegen das Ganze kritisch betrachten, ist laut Noack nachvollziehbar. "Sie wollen wissen, woran sie sind und ob etwas von dem, das sie dem anderen erzählen, beim Vorgesetzten landet." Er rät, einer Vertrauensperson von der Beziehung zu berichten und ihr das Weitererzählen zu überlassen. "Vor allem dann, wenn der Kollegenkreis etwas größer ist." Wer in einer kleineren Firma arbeitet, sollte es lieber allen sagen, rät Woinoff. "Am besten, beide tun es gemeinsam. So kann jeder sehen, dass beide dazu stehen."

Bei größeren Unternehmen müsse die Personalabteilung informiert werden, stellt Noack klar. "Das macht dann derjenige von beiden mit dem ranghöheren Posten - in dem Fall also der Vorgesetzte." Viele haben gerade vor den Kollegen in dieser Situation ein schlechtes Gewissen und wollen ihnen versichern, dass sich trotz der Beziehung zum Chef nichts an der Zusammenarbeit ändern wird. Davon rät Hesse jedoch ab. "Versprechen wie 'Alles bleibt beim Alten' glaubt sowieso keiner."

Getratsche wird sich also kaum vermeiden lassen. Hesse rät, das auszuhalten: "Auf keinen Fall sollte man zusätzlich für Futter sorgen, in dem man das Gerade auch noch kommentiert." Das heißt: keine Dementis! Das beflügele die Gerüchte nur und lenke von der Arbeit ab, sagt der Jobcoach. "Wer sich auf eine Beziehung mit dem Chef einlässt, brauch eben ein dickes Fell und sollte sich über die Folgen vorher Gedanken machen."

Das sieht auch Paartherapeut Woinoff so: "Man sollte die Kollegen einfach reden lassen, so lange es keine üble Nachrede ist." Der Psychologe Manuel Tusch aus Köln rät den frisch Verliebten, Job und Privates unbedingt zu trennen. "Sobald Konflikte aus dem einen Bereich in den anderen getragen werden, kann sich das auf die Qualität der Arbeit auswirken. Dafür haben die Kollegen ganz sicher kein Verständnis."

Die Professionalität müsse auf jeden Fall gewahrt bleiben, sagt auch Karsten Noack. "Das heißt natürlich nicht, dass sich beide vor den Mitarbeitern verstellen müssen. Trotzdem sollte der Vorgesetzte alle weiter gleich behandeln. Siezen sich alle am Arbeitsplatz, sollte das vor den Anderen beibehalten werden. (Manja Greß, dpa)

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Jeder Dritte ist heimlich in Kollege verliebt

Verbotene Früchte sind bekanntlich besonders verlockend, auch in der Liebe: 41 Prozent waren bereits in jemanden verliebt, der vergeben war, mehr als jeder Dritte schwärmte für einen Kollegen und 21 Prozent hatten noch Gefühle für den Ex-Partner. So das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner.de.

Die Top 7 der verbotenen Schwämereien:

Ich war bereits verliebt in…
…jemanden, der vergeben war (41%)
…einen Freund / eine Freundin (39%)
…in einen Kollegen / eine Kollegin (36%)
…jemanden mit einem anderen Bildungsstand (31%)
…jemanden, den ich erst nicht attraktiv fand (30%)
…jemanden, dem ich nur einmal begegnet bin (23%)
…einen Ex-Partner (21%)

„Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken besonders süß“, konstatiert Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner.de. „Auch wenn unpassend oder sogar tabu: Gefühle sind meist stärker als Kopf und Vernunft. Sie entstehen, auch wenn wir sie zu unterdrücken versuchen. Wir können lediglich entscheiden, ob wir sie ausleben oder verdrängen wollen. Dafür gilt es zunächst, die Gefühle zu prüfen: Sind sie wirklich echt oder handelt es sich bloß um eine Schwärmerei? Erst wenn man sich sicher ist, dass man etwas Ernstes möchte, sollte man sich dafür engagieren. Gleichzeitig sollte man die Konsequenzen im Blick haben: Sei es der Verlust einer Freundschaft oder den Arbeitsplatzwechsel.“ EP



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