POTSDAM - Unsichere Beschäftigungsverhältnisse und niedrige Löhne prägen den Brandenburger Arbeitsmarkt. Das sagte Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) gestern bei der Vorstellung der Studie „Betriebspanel Brandenburg 2009“. Inzwischen haben 32 Prozent der Beschäftigten in Brandenburg einen befristeten Job, eine Teilzeitstelle oder eine geringfügige Arbeit, gegenüber 19 Prozent 1996.
„Der Anstieg von Minijobs und Teilzeitarbeit führt dazu, dass viele kaum von ihrem Lohn leben können“, klagte Baaske. Die Durchschnittslöhne in Brandenburg liegen der Studie zufolge bei 77 Prozent des Westniveaus. Der Abstand zum Westen hat sich in den vergangenen 15 Jahren nicht verändert.
Problematisch sei die Situation vor allem in Kleinstbetrieben mit bis zu vier Beschäftigten. Dort sei der Lohn im Schnitt nur halb so hoch wie in Großbetrieben. „Wenn die Bezahlung nicht steigt, wird sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzen“, so Baaske.
„Brandenburg muss vom Image eines Billiglohnlandes wegkommen“, fordert deshalb Andreas Bernig von der Linken. Mit dem geplanten Vergabegesetz sei Rot-Rot auf einem guten Weg.
Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg kommt das Vorhaben gut an. Wichtig sei aber, auch die Kommunen einzubeziehen, fordert DGB-Chefin Doro Zinke. Das Problem sei größer, als es der Studie zufolge erscheine. Bei Neueinstellungen sei nicht einmal jeder zweite Job eine unbefristete Vollzeitstelle.
Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) warnen dagegen vor voreiligen Schlussfolgerungen. In vielen Fällen wünschten die Beschäftigten selbst einen Teilzeitjob, sagt Sprecher Thorsten Elsholtz. Auch der Lohnabstand müsse vorsichtig interpretiert werden. Schließlich sei das Leben im Westen teils deutlich teurer.
Nach Ansicht der Arbeitsmarktexpertin der CDU im Landtag, Roswitha Schier, sind Niedriglöhne vor allem ein Problem für Arbeitskräfte mit niedriger Qualifikation. Fachkräfte könnten hingegen individuell Zuschläge aushandeln. Bernd Ebert, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, bestätigt das. Bei den Betrieben wachse die Bereitschaft, Zulagen zu zahlen. (Von Ulrich Nettelstroth)