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25.08.2010/ 08:41

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POLITIK: Parlament auf tönernen Füßen

Jugendliche aus ganz Brandenburg modellierten die Mitglieder des Landtages

POTSDAM/ FALKENSEE/ ORANIENBURG - Christian Görke ist beim Brennen geplatzt. Hatte wohl zu viel Luft im Körper. Nun hockt er krumm zwischen seinen Fraktionskolleginnen Kornelia Wehlan und Kerstin Kaiser, und schnodderfarbener Kleister quillt hervor, wo ihn ein Barmherziger wieder zusammengeklebt hat. Kein schöner Anblick. „Ich hab mich schon gewundert, dass ich so klein bin“, sagt der linke Landtagsabgeordnete aus dem Havelland und wirft seinem, nun ja, Ebenbild aus Ton einen langen Blick zu. Und ergänzt schnell: „Ich habe aber kein Problem damit.“

Noch bis morgen thront Görkes Kopie neben 91 weiteren Abgeordneten- und Ministerfiguren im Foyer des Landtags in Potsdam. In parlamentarischer Sitzordnung, versteht sich. Geformt wurden sie von etwa ebenso vielen Nachwuchskünstlern zwischen 6 und 18 Jahren. Insgesamt mehr als 550 Arbeitsstunden haben die Kinder und Jugendlichen im vergangenen halben Jahr in das Tonparlament gesteckt. Als Vorbild dienten Porträtfotos.

Die Idee dazu kommt aus Falkensee, genauer von Ingo Wellmann, Bildhauer und Leiter des „Creativen Zentrums Haus am Anger“. Zwölf Keramikateliers zwischen Templin und Cottbus zogen mit. Wellmann sieht das Projekt als Werbung für die Jugendkunstschulen und zugleich als Demokratieerziehung. „Wir wollten das Thema Parlament in die Familien tragen“, sagt er. Außerdem sei die Aktion als Unterstützung für die Leute gedacht, die man gewählt habe. „Wir hätten das bestimmt nicht gemacht, wenn Rechte im Parlament säßen.“ Er denke nicht, dass man sich damit anbiedere, sagt Wellmann. „Die Figuren sind teilweise mit Ironie gemacht. Nicht jeder ist ideal abgebildet.“

Wellmanns Vorgaben für die Figuren – 30 Zentimeter hoch, sitzend – hatten offenbar nicht alle Künstler eingehalten. Dadurch ist jede Skulptur ein Unikum. Manche kam recht massig daher, wie die der FDP-Abgeordneten Linda Teuteberg, die gleich mit Sitzwürfel geliefert wurde. Ein paar Tische weiter verschränkte dagegen ein winziger Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke), die Arme vor der Brust. Kein Wunder: Er wurde von zwei gewaltig weiblichen Akten umstellt. In der letzten Reihe schien Barbara Richstein aus Falkensee (CDU) zu telefonieren – was die echte Politikerin ein bisschen verwunderte. Bewacht wurde das Parlament übrigens von einem wurstlippig grinsenden Landtagspräsidenten Gunter Fritsch, der sich „haargenau getroffen“ fühlte.

Drei Tage Ausstellung reichen nicht, darüber waren sich alle Beteiligten schnell einig. Nun soll das Parlament im Oktober im Potsdamer Nikolaisaal aufgebaut werden – anlässlich des Jubiläums 20 Jahre Landtag. (Von Jana Einecke)


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