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31.08.2010

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TELEKOMMUNIKATION: Start eines neuen Zeitalters

Mobilfunktechnik LTE bringt schnelles Internet aufs flache Land

KYRITZ - Ursula Winter betreibt eine Versicherungsagentur und hat sich vor einer Weile in ihrem Wohnhaus in Schönberg bei Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) ein eigenes Büro eingerichtet. Jetzt arbeitet sie viel zu Hause und spart sich die tägliche Fahrt nach Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). „Das geht super“, freut sie sich. „Wenn nichts Gescheites im Fernsehen kommt, setze ich mich abends noch mal ins Büro.“

Möglich ist das nur, weil es in Schönberg eine schnelle Verbindung ins Internet gibt. Ein paar Kilometer weiter, in Gumtow (Prignitz), mussten die rund 3800 Einwohner bisher darauf verzichten. Das wird sich ändern, denn gestern nahm die Telekom in Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) die bundesweit erste Mobilfunkstation mit der neuen LTE-Technologie (Long Term Evolution) in Betrieb.

Die neue Technik markiert aus Sicht von Telekom-Chef René Obermann nicht nur „einen wichtigen Meilenstein in Richtung Gigabit-Gesellschaft“, sie soll auch dabei helfen, die letzten „weißen Flecken“ bei der schnellen Verbindung ins Internet zu schließen.

Bis Jahresende will die Telekom rund 500 LTE-Standorte freischalten, so Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer Technik der Telekom Deutschland GmbH. Im kommenden Jahr sollen es deutlich mehr werden. Insgesamt will das frühere Staatsunternehmen bis 2012 laut Obermann zehn Milliarden Euro in den Ausbau der leitungsgebundenen Netze und die Aufrüstung von UMTS und LTE investieren.

Zusammen mit Tina Fischer, der Bevollmächtigten Brandenburgs beim Bund, stöpselte Obermann gestern das entsprechende Kabel persönlich in die richtige Buchse. Handys, die den neuen Standard nutzen können, werden allerdings erst 2011 erwartet. Und wie viel LTE kosten wird, steht auch in den Sternen. Telekom-Sprecher Georg von Wagner: „Das ist noch nicht geklärt.“

„Man muss gerade auf dem Land in Brandenburg jede Chance nutzen, um Breitbandtechnologie hinzubringen“, begrüßte Detlef Gottschling von der Potsdamer Industrie- und Handelskammer die Telekom-Initiative. Landeschef Matthias Platzeck (SPD) hatte zunächst versprochen, dass Brandenburg bis Ende 2009 komplett erschlossen wäre. Erst vor Kurzem hatte die Staatskanzlei erklärt, bis Ende 2010 würden nur 40 meist kleinere Gemeinden ohne schnellen Internetanschluss übrig bleiben. (Von Klaus Stark)


Vierte Generation:

LTE (Long Term Evolution) ist ein neuer Mobilfunkstandard, der es theoretisch erlaubt, per Handy oder Notebook mit Datenraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Internet zu surfen. Realistisch sind allerdings nur zwei Megabit pro Sekunde, da sich mehrere Teilnehmer die Bandbreite teilen müssen.

Das derzeit übliche UMTS-Verfahren (Datenrate zunächst nur 0,4 Megabit pro Sekunde) gilt als Mobilfunkstandard der dritten Generation, LTE zählt zur vierten.

Die nötigen Frequenzen, die durch Einführung des digitalen Rundfunks frei wurden, hatte die Bundesnetzagentur im Mai für 4,4 Milliarden Euro versteigert.

Die Deutsche Telekom, O2 und Vodafone erwarben jeweils zwei Frequenzpaare. Die Frequenzen wurden mit der Auflage vergeben, sie zuerst für den Ausbau des Internets auf dem flachen Land zu nutzen. Sonst wird LTE derzeit nur in Stockholm (Schweden) und Oslo (Norwegen) angeboten. kra



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