POTSDAM - Die positive Entwicklung am Brandenburger Arbeitsmarkt hielt im August an. Die Zahl der Arbeitslosen sank um knapp 1000 auf 142 000. Das sind fast 20 000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,6 Prozent.
In den kommenden Monaten könnte sich der Rückgang fortsetzen. „Neueinstellungen nehmen die Unternehmen meist im September vor“, so Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Im August seien Impulse von den Außenberufen gekommen. In der Landwirtschaft und vor allem im Gastgewerbe seien Helfer gefragt. „Der Tourismus als Wirtschaftsfaktor ist in den Sommermonaten spürbar“, so Möller.
Daneben sorgt vor allem die Zeitarbeit für Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. Jede fünfte offene Stelle in Brandenburg wird von einem Personalvermittler angeboten. Bundesweit nähert sich die Zahl der Zeitarbeiter wieder dem Rekordwert von mehr als 800 000 Beschäftigten, der 2008 erzielt wurde.
Andreas Bernig, Arbeitsmarktexperte der Brandenburger Linken, sieht diese Entwicklung mit Sorge. Zeitarbeit entwickle sich zunehmend zu einer billigen Konkurrenz für feste Stellen. Damit würden die Löhne, die in Brandenburg ohnehin nur bei 70 Prozent des Westniveaus lägen, weiter unter Druck gesetzt. Das verstärke bei den qualifizierten Arbeitskräften den Trend zur Abwanderung. Gleichzeitig sei die Langzeitarbeitslosigkeit unverändert hoch.
Das beklagt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. Fast 35 000 Menschen in der Region seien schon länger als drei Jahre ohne Beschäftigung, sagt Doro Zinke, Chefin des DGB in der Region. Die klassische Arbeitsmarktpolitik erreiche diese Gruppe nicht mehr, so Zinke. Sie zeigt sich besorgt wegen der hohen Zahl junger Arbeitsloser. Unter 25-Jährige seien die eigentlichen Krisenverlierer. Ihr Anteil an den Arbeitslosen sei stark gestiegen.
Optimistischer ist da Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Zwar seien 18 000 junge Brandenburger von 15 bis 25 Jahren ohne Job, 1,8 Prozent mehr als im Juli. Viele seien aber nur kurzfristig für die Lehrstellensuche arbeitslos gemeldet. Baaske appelliert an die Betriebe, angesichts der rückläufigen Schulabgängerzahlen auch Bewerbern mit schlechteren Zeugnissen eine Chance zu geben. Roswitha Schier (CDU) sieht gute Chancen für jeden, der die nötige Flexibilität zeige. (Von Ulrich Nettelstroth)