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02.09.2010

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Zum Tage von Klaus Rost

Es geht nicht nur um Sarrazin

In Potsdam ist in Schönwetter-Veranstaltungen häufig von Toleranz die Rede. Gerne wird der französische Aufklärer Voltaire mit dem Satz zitiert: „Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“ Und vor gut zwei Jahren hat ein hiesiger Politikprofessor versucht, die Potsdamer Bürger für ein neues Toleranzedikt zu erwärmen. Damit wären wir bei Thilo Sarrazin.

Seit Jahren begleiten wir das Brandenburgische Literaturbüro bei seinen Veranstaltungen und stellen gelegentlich auch den Moderator. Es handelt sich meist um kontroverse Themen, die wir interessant finden. Aus diesem Grund haben wir schon vor Wochen, bevor Auszüge aus dem Buch bekannt wurden und die Empörungsmaschinerie in Gang gekommen ist, dem Literaturbüro signalisiert, dass ein Kollege bereit ist, bei der Präsentation von Sarrazins Buch in Potsdam die Moderation zu übernehmen. Wir hören jetzt, dass das „Waschhaus“, wo die Veranstaltung ursprünglich stattfinden sollte, massiv unter Druck gesetzt wurde, Sarrazins Lesung abzusagen. Nicht nur die üblichen Verdächtigen aus der Antifa-Ecke sollen darunter sein, sondern auch Künstler, die drohten, nie mehr im Waschhaus aufzutreten, falls Sarrazin dort seine Bühne bekommt. Es ist schon bemerkenswert, dass diejenigen, die das Recht auf Kunst- und Meinungsfreiheit oft bis an die Grenzen der Verfassung für sich reklamieren, kein Problem damit haben, es anderen nicht zuzugestehen.

Auch Lutz Boede von der Potsdamer Wählervereinigung „Die Andere“ kündigte schon mal an, dass die Veranstaltung nicht wie geplant ablaufen werde. Es ist das gute Recht eines jeden, sich über Sarrazin zu empören. Es muss aber möglich sein, über seine Thesen öffentlich zu diskutieren. Deshalb geht es nicht mehr allein um ihn. Es geht ums Prinzip. Noch sind wir nicht so weit, dass eine Minderheit, die durch nichts legitimiert ist, darüber befindet, was stattfinden darf.


Ihre Meinung ist gefragt!

In diesem Forum gibt es 4 Einträge

» revolutz | 02.09.2010, 00:48

Falsch verstanden?


Ich bin durchaus der Auffassung, dass man über Probleme der Integration öffentlich diskutieren muss. Ob dazu Herr Sarrazin benötigt wird, der weder neue Erkenntnisse noch neue Lösungen anzubieten hat, bezweifle ich. Allerdings dürfen Sie mir schon zutrauen, dass ich nicht bestimmen möchte und muss, "was stattfinden darf", damit eine öffentliche Veranstaltung mit Herrn Sarrazin anders abläuft, als er es sich vorgestellt hat. Wer sich in den öffentlichen Diskurs begibt, muss auch mit öffentlichem Widerspruch und mit öffentlichen Protesten rechnen. Dass Herr Rost das Recht auf Meinungsfreiheit für Herrn Sarrazin einfordert, aber für dessen Kritiker (deren Meinungsäußerungen ungehört als Störung abqualifiziert werden) nicht gelten lässt, ist bedauerlich.

Lutz Boede

» lilalustig | 02.09.2010, 12:35

Danke für die Objektivität


Vielen Dank, daß Sie nicht in das allgemeine "Böse-Bube" Geschrei um Tilo Sarrazin einstimmen! Ich wundere mich sehr, wie schnell der Mann verteufelt und überall ausgeladen wird.Grade die Linken haben sehr schnell ihr neues Feindbild entdeckt. Wie viele von ihnen haben wohl das Buch von Thilo Sarrazin schon gelesen? Ich habe es auszugsweise in der Bild gelesen und ich kaufe sonst nie die Bild! Beeindruckt hat mich die klare und provokante Sprache und sage nur dazu, es wird Zeit , daß endlich mal so deutlich die Sachen beim Namen genannt werden. Der Sarrazin hat den Nerv getroffen ! Ich stimme keinesfalls in allem mit ihm überein, doch es wird Zeit für eine Debatte um Integrationspolik, Bildungsmisere, Geburtenraten... und all die heißen Eisen, um die die Politik sich drückt. Gebt dem Sarrazin ein Podium, was der zu sagen hat , so provokant es auch sein mag, schlummert als Ängste in vielen Bürgern dieses Landes. Wenn wir nicht alle bald drüber reden, bekommen die Rechten noch mehr Nährboden. Im übrigen stellt sich die SPD ein Armutszeugnis aus, wenn sie den unbequemen ausschließen. Und die Linken sollten sich überlegen, ob es gut ist, mit so viel Krawall eine kontroverse Stimme abzuwürgen. Das riecht nach DDD-Mief!

» lilalustig | 02.09.2010, 12:38

kleiner Fehlerteufel


Ich meinte DDR-Mief !

» Pancho | 02.09.2010, 14:10

Rost's Kommentar


Wenn Lutz Boede anmerkt das eine Buchvorstellung Herr Sarrazins in Potsdam aktuell wohl nicht „widerspruchslos über die Bühne“ geht, halte ich das nicht für „linksradikal“. Das ist eher common sense und er steht damit in einer Reihe mit Frau Merkel, Herr Wullf oder Herr Gabriel (wie selten!). Bedenklicher finde ich das dem Chefredakteur der MAZ, Herr Rost in seinem Leitkommentar zum Thema Sarrazin nichts besseres einfällt als gegen einen Potsdamer Lokalpolitiker auszukeilen, dem man für sein Arrangement in Integrationsfragen von Ausländern nun wirklich nicht am Zeug flicken kann.

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