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02.09.2010

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DEBATTEN: Sarrazins Lesung in Potsdam steht auf der Kippe

„Waschhaus“ sagt Veranstaltung ab / Literaturbüro sucht neuen Ort

POTSDAM - Nach massiven Drohungen aus der Antifa-Szene steht eine für kommende Woche in Potsdam geplante Veranstaltung mit Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin auf der Kippe. Sowohl der Veranstalter, das Brandenburgische Literaturbüro, als auch der vorgesehene Ort, das Potsdamer „Waschhaus“, erhielten in den vergangenen Tagen Warnungen und Beschimpfungen. Gestern sagte die Geschäftsführung des „Waschhauses“ die Veranstaltung ab. Das Literaturbüro hält aber an dem Termin fest und sucht nun nach einem neuen Ort in der Landeshauptstadt.

Nach „langen und zum Teil hitzigen“ Diskussionen über die Auseinandersetzung mit Sarrazin und dessen Thesen zu muslimischen Einwanderern habe man sich zur Absage entschieden, teilte das „Waschhaus“ mit. „Wir sind der Ansicht, dass einige der uns bekannten Zitate und Äußerungen in den Medien nicht mit den Wertevorstellungen unserer Gesellschaft übereinstimmen.“

Der Leiter des Brandenburgischen Literaturbüros, Hendrik Röder, sagte dagegen auf Anfrage: „Man muss nicht mit Sarrazins Thesen übereinstimmen. Aber wir halten es für eine Demokratenpflicht, auch konträren Meinungen ein Podium zu geben. Alles andere wäre auch eine Entmündigung der Leser.“ Die MAZ will die Veranstaltung präsentieren.

Verschiedene Gruppen wollen die für den 9. September avisierte Lesung stören. Lutz Boede, Aktivist der linksalternativen Potsdamer Gruppe „Die Andere“, die auch im Stadtparlament vertreten ist, bestätigte entsprechende Pläne. „In Potsdam wird das nicht widerspruchslos über die Bühne gehen“, sagte er. Möglicherweise werde es auch zu einem Protesttourismus aus Berlin kommen.

Nach MAZ-Informationen wurde das „Waschhaus“ auch von verschiedenen Künstlern unter Druck gesetzt. Es habe Drohungen gegeben, künftig nicht mehr dort aufzutreten, wenn Sarrazin eine Bühne geboten werde. Auch habe es innerhalb des Hauses Streit gegeben. In den Vorbereitungsgesprächen mit dem Veranstalter waren jedoch keine Bedenken geäußert worden.

Die Lesung wäre Sarrazins erster öffentlicher Auftritt mit dem Buch. Eine für heute geplante Lesung in Hildesheim wurde abgesagt. Gestern wurde Sarrazin vom Internationalen Literaturfestival in Berlin ausgeladen. (hlo)


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In diesem Forum gibt es 6 Einträge

» bachseba | 02.09.2010, 08:06

Armutsurteil für die Meinungsfreiheit


Dass die sogenannte linke AntifaSzene auch diese Gelegenheit nutzt, durch Krawallmacherei von sich reden zu machen, wundert nicht. Sie - und an ihrer Spitze der Protestveteran Boede - hat sich immer hervorgetan, wenn es darum ging, die öffentliche Artikulation anderer Meinungen mit Trillerpfeifen, Blockaden etc. zu verhindern. Sie wären in hervorragender Weise für Tätigkeiten in den AgitProp-Abteilungen der SED-Zentralen und beim Presseamt des Ministerrats der DDR geeignet gewesen, deren Aufgabe die Zensur und die Unterdrückung missliebiger Meinungen aber auch die Untertrückung von statistisch belegbaren Realitäten war.
Und das ist das Problem der Sarrazin-Debatte: Jenseits einer dubioser Reflexe auf Sarrazins Lesart der Intelligenzforschung (deren wissenschaftliche - nicht die politische - Korrektheit man ja debattieren kann)gibt es keine inhaltliche Auseinandersetzung. Das liegt wohl auch daran, dass die von ihm angeführten Statistiken sehr nah am täglichen Erleben zumindest der Großstädter in diesem Land sind.
Und wenn einem die Statistik nicht in den politischen Kram passt, dann wird sie entweder gefälscht oder die Veröffentlichung wird verhindert.
Hoffentlich gibt es Veranstalter, die den Mut haben, sich dem zu widersetzen. Und notfalls unter Einsatz der zum Schutz des Grundgesetzes (Meinungsfreiheit) verpflichteten Staatsmacht, die den Meinungsunterdrückern das Handwerk legen sollte.
Möge nie wieder der linksradikale Mob die Herrschaft über die Meinungen bekommen, wir leiden noch zu sehr unter den Folgen der Herrschaft der ehemals RotFront-Krakeeler in der DDR.

» MickeyV | 02.09.2010, 08:02

wieviel Meinung kann die Demokratie ertragen?


Das ist Demokratie wie sie leibt und lebt. Eine Minderheit setzt eine Institution unter Druck um mißliebige Gestalten zu wehren - und sie beugt sich. „In Potsdam wird das nicht widerspruchslos über die Bühne gehen“...sagt "Die Andere". Im Klartext: Chaos und Gewalt, wie man es eben von solchen Protestveranstaltungen kennt. Aber das sind ja "die Guten". Tut mir leid, ich find das widerlich.

» revolutz | 02.09.2010, 10:50

Korrektur


Bitte unterstellen Sie mir keine Dinge, die ich weder gesagt, noch geplant habe. Wenn Sie das Recht auf freie Meinungsäußerung für Herrn Sarrazin reklamieren, sollten Sie es auch denen zugestehen, die anderer Auffassung sind. In einem demokratischen Grundverständnis sollte auch Platz für den öffentlichen Diskurs und nicht nur für das unwidersprochene Vortragen von Positionen sein. Im Übrigen bin ich wegen kritischer Äußerungen zum Wehrdienst und Wahlrecht in der DDR inhaftiert gewesen und inzwischen rechtskräftig rehabilitiert, auch wenn das nicht in Ihr Weltbild passen sollte.

Lutz Boede

» MickeyV | 02.09.2010, 12:06

Meingsfreiheit die 2.


re: Lutz B. es sind doch Ihresgleichen, die stets die Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen ohne sie anderen zuzugestehen (auch Stichwort Demoblockade). Ihre Mitteilung ist daher leicht erheiternd.

» revolutz | 02.09.2010, 13:58

Demoblockade


Falls Sie auf den zivilen Ungehorsam gegen rechtsextreme Aufmärsche anspielen, danke ich für den Hinweis. Diejenigen, die Sie als meinesgleichen bezeichnen, sind immerhin nicht nur Antifagruppen, sondern auch Stadtverordnete aller Fraktionen nebst Oberbürgermeister, Kirchenvertreter, Gewerkschafter, Sportvereine u.s.w. Da scheint wohl Ihr Bild von der bösartigen Antifagruppe nicht ganz zu stimmen. Diejenigen, deren Demonstrationsrecht dabei eingeschränkt wurde, stehen selbst keineswegs in der Tradition von Grund- und Bürgerrechten, sondern in der Tradition der politschen Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender. Mit Demokraten assoziieren diese Leute nicht Meinungsfreiheit, sondern "Volkstod". Angesichts dessen ist eine Blockade m.E. angebracht.

Lutz Boede

» ollerBabelsberger | 02.09.2010, 15:01

Demoblockade


Tja .. es stellt sich nur die Frage, wer entscheidet, wann etwas "zu Recht" blockiert/gestört werden darf. Wo ist die Grenze? Wo fängt Meinungsfreiheit an?
Natürlich freue ich mich, wenn Nazi-Demos nicht stattfinden können. Trotzdem habe ich dabei ein ungutes Gefühl. Was, wenn meine Meinung irgendwann einmal genauso "behandelt" wird?
Nazis kann man einfach argumentativ begegnen. Die widersprechen sich nach 3 Sätzen sowieso selbst. Aber was momentan mit einem lupenreinen Demokraten wie Thilo Sarrazin abgezogen wird, finde ich unserer Gesellschaft unwürdig.

Ich würde mir gern meine eigene Meinung (z.B. während der Lesung) bilden dürfen, eventuell auch kritische Fragen stellen -> aber das ist wohl alles "Autobahn" oder?

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